„Stell dir das mal vor: Unser Dorf ist Regionalliga und DFB-Pokal“

Das Meisterbild am Pulverwald.
Das Meisterbild am Pulverwald.
Foto: WP

Erndtebrück..  Beim TuS werden die Feste gefeiert, wie sie fallen. Am vergangenen Sonntag die Regionalliga-Qualifikation, am Mittwoch der Gewinn des Kreispokals und die Zulosung von Erstliga-Aufsteiger Darmstadt 98 im DFB-Pokal. Doch den Höhepunkt hatten sich die Erndtebrücker für den letzten Spieltag aufgehoben: Die Meisterschaft in der Fußball-Oberliga.

„Formsache“ - haben die meisten schon im Vorfeld gesagt. Bei drei Punkten Vorsprung und 18 Toren in der Differenz vor dem seit gestern feststehenden Mitaufsteiger RW Ahlen ein verständlicher Ausdruck. Gegen den FC Gütersloh behielt der TuS jedenfalls den Überblick und gab den Optimisten Recht. 1:0 (0:0) das standesgemäßte Resultat des Meisters. Philipp Böhmer verwandelte zehn Minuten nach der Pause einen Foulelfmeter. Lars Beuckmann hatte Christian Runkel zu Fall gebracht.

Also - alles paletti am Pulverwald, wo die großen Bier-Pötte gefüllt wurden, der Oberliga-Pokal von FLVW-Vorstandsmitglied Hans-Dieter Schippe in Position gebracht wurde, die immerhin 500 Zuschauer mit der Sonne um die Wette strahlten.

Und mittendrin Florian Schnorrenberg. Der Trainer war der erste, der mal wieder eine volle Ladung über den schwarzen Schopf abbekam. Er nahm’s mit Fassung. „Heute ist doch alles vorbei, die Jungs geben die Richtung vor. Mal sehen, wie lange ich beim Feiern mithalten kann.“ Und überhaupt: „So richtig fassen kann es noch keiner bei uns. Dafür brauchen wir wohl noch zwei, drei Tage.“ Der Trainer und sportliche Leiter, der schon fleißig die Pläne für die Kader-Zusammenstellung des Neu-Regionalligisten umsetzt, von weiteren neuen Gesichtern in absehbarer Zeit spricht, weiß, dass die Zeit drängt. Schon in zwei Wochen müssen alle wieder auf dem Platz stehen, geht die Vorbereitung los.

„Verdammt wenig Zeit“, weiß auch der Vorsitzende der TuS-Fußball-Abteilung, Dirk Beitzel. Dass er deshalb aber ein Feier-Limit gesetzt hätte, davon war im Trubel der Meistergesänge nichts zu hören. Immerhin wartete vor dem Clubheim ein Bierrondell, wo fleißige Hände kräftig zapften. „Freibier für die Fans“, hieß es zum krönenden Abschluss am Pulverwald.

„Stell dir mal vor“, so der Betreuer der zweiten Mannschaft, Holger „Hosse“ Klose, „unser Dorf ist Regionalliga. Kaum zu glauben.“ Ein Satz, der von jedem auf dem Kunstrasen-Platz an diesem heißen Juni-Nachmittag hätte gefallen sein können, der aber den Sprung ins Rampenlicht der Fußball-Region am ehesten zu erfassen hilft.

Die blauen T-Shirts, die viele der Zuschauer im Rund trugen, zeigten den Weg über die zurückgelegten Aufstiegs-Stationen. 1990 begann alles mit dem Sprung in die Bezirksliga. 2011, um Landes- und Westfalenliga auszusparen, war schon die NRW-Liga ein unglaubliches Ding. Und jetzt Regionalliga und DFB-Pokal. Himmelsstürmer.

Die Planung wird voran getrieben. Mit den beiden vom Regionalligisten SV Rödinghausen kommenden Neuzugängen Marcel Andrijanic und Yannik Jaeschke präsentiert der TuS Erndtebrück zwei weitere neue Gesichter für die Premierensaison in Liga vier. Der 22-jährige Andrijanic und der um ein Jahr jüngere Jaeschke sind in der Offensive bzw. im zentralen Mittelfeld vielseitig einsetzbar.

Weitere Neuzugänge

Jaeschke kam in Rödinghausen zu zwölf Regionalliga-Einsätzen, Andrijanic kann beim FC St. Pauli auf einen Zweitliga-Einsatz und einen Auftritt im DFB-Pokal zurückblicken. Der Hamburger trat in drei verschiedenen Regionalligen an und absolvierte für die U23 des FC St. Pauli, Hessen Kassel und zuletzt in Rödinghausen ingesamt 82 Spiele.

„Weiteres ist in Planung“, kündigte Trainer und Sportlicher Leiter Florian Schnorrenberg in absehbarer Zeit an. Wichtig ist dem Brachbacher, dass die von ihm geholten Akteure charakterlich ins Team passen. Schon in dieser Saison war das die große Stärke der Wittgensteiner Überflieger.