Startverzicht war kein Thema

Erndtebrück..  Die traumhafte Form vom vergangenen Spätherbst ist dahin. Deshalb fährt der Erndtebrücker Schwimmer Kevin Geiselhart mit gedämpften Erwartungen zu den Deutschen Meisterschaften, die ab morgen in Berlin stattfinden. Und das ist fast noch untertrieben: „Dabei sein ist alles“, sagt der 22-Jährige vom TuS Erndtebrück, der für die SG Siegen startet und heute mit SG-Trainer Bernd Tominac sowie drei Teamkollegen in die Hauptstadt fährt.

Nach starken Zeiten und Platzierungen bei den Kurzbahnmeisterschaften auf NRW- und Bundesebene im November hofften Athlet und Trainer eigentlich auf einen weiteren Leistungsschub des „Spätzünders“, der als Jugendlicher noch keine Top-Platzierungen erzielte. Doch nach seinen furiosen Leistungen im Herbst, die von etlichen Siegerlandrekorden sowie dem Erreichen der „Top 25“ in Deutschland gekrönt waren, gönnte sich das heimische Langstrecken-Ass im Dezember eine Auszeit.

Die wäre verschmerzbar gewesen – doch seit Jahr lag Geiselhart mehr im Bett als im Wasser. Nach je zweiwöchigen Viruserkrankungen im Januar und Februar folgte Anfang März ein erneuter Rückschlag, so dass der Erndtebrücker erst seit drei Wochen wieder „richtig“ im Training ist – und über 1500 Meter zuletzt fast zwei Minuten über seiner Bestmarke von 15:58,74 Minuten lag. „Anfällig ist Kevin eigentlich nicht, er war das erste Mal seit fünf Jahren derart krank“, so Trainer Bernd Tominac, der beobachtet hat, dass die große Grippewelle gerade vor Leistungssportlern nicht halt gemacht hat: „Es hat in diesem Winter viele erwischt.“

Um in der vorderen Hälfte des Starterfeldes mitzuschwimmen, wird es für Kevin Geiselhart nicht reichen. Über 400 Meter liegt er in der Meldeliste auf Platz 52 von 57 Startern, über 800 Meter auf Platz 37 von 43, über 1500 Meter auf Rang 38 von 49 qualifizierten Schwimmern. Den Gedanken, sein Startrecht verfallen zu lassen, verwarf er jedoch schnell: „Die Langbahn-DM ist schon noch was besonderes für mich. Es macht Spaß und motiviert, bei den ganz Großen dabei zu sein“, erklärt Geiselhart, der hofft, vor den „Deutschen“ auf der Kurzbahn im November wieder zu alter Stärke zurück zu finden.

Doch auch das wird schwer. „Ich fühle mich gut und würde jetzt gerne durchtrainieren, aber das geht nicht“, erklärt Geiselhart, der aktuell an seiner Bachelorarbeit im Studium der Sozialpädagogik schreibt – und zwischendurch immer wieder für Klausuren pauken muss. Für umfangreiche Trainingseinheiten von zehn Kilometern pro Tag ist erst „ab August oder September“ wieder Zeit. „Vielleicht kann er dann an seine Zeiten vom Vorjahr anknüpfen“, hofft Tominac, der bei Geiselhart noch viel Potenzial sieht: „Wenn er sich an der Wende verbessert und es schafft, längere Zeit gut zu trainieren, kann er bei einer Deutschen Meisterschaft auch mal in ein Finale kommen.“