Sportschützen reagieren verschieden

Wittgenstein..  Ruhige Hand und ein kontrollierter Puls zeichnen den guten Sportschützen aus. Nur dann kann er sein Ziel ins Visier nehmen und treffen. Doch mit der für den Sport notwendigen Ruhe und Gelassenheit ist es bei vielen Schützen seit dem 1. Januar vorbei. Der Grund dafür liegt in einer Gesetzesänderung, die zum Jahresbeginn in Kraft getreten ist. Trotz der bundesweiten Erregung bleiben die Wittgensteiner Schützen indes ruhig.

Die Schießstände dürfen künftig nur noch von „öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für das Fachgebiet Sicherheit von nichtmilitärischen Schießständen“ kontrolliert und abgenommen werden. Das klingt unspektakulär. Doch bislang fehlte bei der Beschreibung des Gutachterprofils das Wörtchen „vereidigt“. Das heißt, die Gutachter waren zwar anerkannte Fachleute, müssen sich nun aber zusätzlich qualifizieren, wenn sie diese Aufgabe weiter ausfüllen wollen.

Derzeit gibt es bundesweit nur eine überschaubare Zahl von Fachleuten, die alle diese neuen Voraussetzungen erfüllen. Der Vizepräsident des Deutschen Schützenbundes (DSB) und anerkannte Waffenrechtsexperte Jürgen Kohlheim hat sich auf der Internetseite des DSB bereits mit der Thematik auseinandergesetzt. In der Bundesrepublik gebe es derzeit 47 Sachverständige. Davon seien etwa 30 öffentlich bestellte und beeidigte Sachverständige in Bayern, so Kohlheim.

Genau dieses geographische Missverhältnis treibt den Mitgliedern des Bunds der Historischen Deutschen Schützen (BHDS) den Angstschweiß auf die Stirn. Sie befürchten, dass die neuen Richtlinien die Kosten für die gesetzlich vorgeschriebenen Abnahmen – alle vier Jahre (Luftdruckwaffen oder kleiner Kaliber) oder alle sechs Jahre (größere Kaliber) – steigen. Außerdem reiche die Zahl der Gutachter nicht aus, um bundesweit 3000 Schießstände zu überprüfen.

In der Aachener Zeitung ging der BHDS sogar soweit, zu fordern: „Die einzige vorstellbare Lösung ist die Fortführung der bisherigen Regelung. Eine regelmäßige Überprüfung aller Schießstätten, wie sie das Waffengesetz fordert, ist bei Beschränkung auf vereidigte und öffentlich bestellte Sachverständige nicht zu leisten.“

Diese Befürchtungen teilt Thomas Roth, Vorsitzender des Schützenkreises Wittgenstein, in dem hier alle Sportschützen organisiert sind, nicht. Roth verweist auf Jürgen Kohlheims Ausführungen. „Die Abnahme der Schießstände ist eine hoheitliche Aufgabe, die die Kreispolizeibehörde bei uns durchführt. Sie muss dafür Personal qualifizieren oder Gutachter einkaufen.“ Auch an einen Verteuerung der Überprüfung glaubt Roth nicht, auch wenn es in NRW höchstens eine Hand voll vereidigter Sachverständiger gebe und dadurch die Reisekosten höher ausfallen könnten. „Die Gebührenordnung ändert sich nicht, Somit können sich auch die Kosten nicht erhöhen“, sagt Roth gelassen.