Sportgericht zieht Anadolu-Spieler auf Dauer aus dem Verkehr

Siegen..  Die Spruchkammer des Fußballkreises Siegen-Wittgenstein hat am Dienstagabend ein drastisches Urteil im Fall Anadolu Türk Spor Neunkirchen gefällt und den beschuldigten Spieler Mesut K. auf Dauer gesperrt. Das Sportgericht unter dem Vorsitz von Rolf Blecher sah es nach der Beweisaufnahme als erwiesen an, dass K. im Anschluss an das B-Liga-Spiel von Anadolu Türk Spor Neunkirchen am 31. Mai bei Fortuna Freudenberg II in die Kabine der Gastgeber eingedrungen und dort den Fortuna-Spieler Felix Kuttenkeuler tätlich angegriffen hatte. Diese beiden Vorwürfe wurden vom Beschuldigten und auch nicht von den Vereinsvertretern bestritten.

„Die Satzung sieht eigentlich vor, dass wir bei einem tätlichen Angriff einen Spieler bis zu 18 Monate aus dem Verkehr ziehen können, doch in Kombination mit dem widerrechtlichen Eindringen in die Freudenberger Kabine, das wir als grobe Unsportlichkeit gewertet haben, waren wir der Meinung, dass 18 Monate zu wenig sind“, sagte Blecher auf Nachfrage unserer Zeitung.

Trotz des Teilgeständnisses des Beschuldigten und einer öffentlichen Entschuldigung des Vereins habe man sich für eine Sperre auf Lebenszeit entschieden. Dem Verein bzw. dem Spieler bleibt es vorbehalten, ein Gnadengesuch einzureichen. Damit ist jedoch nicht zu rechnen, weil Anadolu Türk Spor Neunkirchen den Spieler nach eigenem Bekunden unmittelbar nach dem Zwischenfall vom Spielbetrieb suspendierte, ihn sogar aus dem Verein ausschloss und ihm unter der jetzigen Vereinsführung keine Rückkehr ermöglichen wird.

Der Angriff des Anadolu-Spielers endete für Kuttenkeuler im Krankenhaus. Schwer verletzt wurde der Freudenberger zwar nicht, doch zog die Attacke eine einwöchige Krankschreibung nach sich. Zudem hat er sich zu einem strafrechtlichem Verfahren gegen den Verurteilten durchgerungen.

Glimpflicher davon kamen zwei weitere Beschuldigte von Anadolu Türk Spor Neunkirchen. Der Onkel von Mesut K., Mehmet S., verschaffte sich zwar auch Zutritt zur Freudenberger Kabine, „doch er wollte, wie alle Zeugen bestätigten“, schlichtend eingreifen. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. Dies traf auf den Neffen von Mesut K., Burak S., nicht zu. „Auch er ist widerrechtlich in die Freudenberger Kabine eingedrungen“, so Blecher. Diese grobe Unsportlichkeit bestrafte die Kammer mit dreimonatiger Sperre.

Und auch der Verein kam – abgesehen von den zu tragenden Verfahrenskosten – nicht ungeschoren davon: Die KSK machte es Anadolu Türk Spor Neunkirchen zur Auflage, dass in der Saison 2015/2016 alle Heimspiele der ersten Mannschaft nur unter Aufsicht des FLVW-Kreises Siegen-Wittgenstein durchgeführt werden müssen. Dies ist mit weiteren Kosten verbunden.