Sportfreunde wie ein Absteiger

Zweikampf zwischen Hennefs  Denis Wegner (links) und Siegens Christopher Schadeberg.
Zweikampf zwischen Hennefs Denis Wegner (links) und Siegens Christopher Schadeberg.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Gegen den Tabellenletzten FC Hennef 05 kamen die Sportfreunde Siegen am Samstag über ein glückliches 0:0 nicht hinaus und verpassten damit eine weitere Chance, im Abstiegskampf Boden gut zu machen, zumal auch die Konkurrenten nicht dreifach punkteten. Siegen präsentierte sich wie ein Absteiger.

Siegen..  Für 7.30 Uhr (!) am Sonntagmorgen hat Michael Boris kurzfristig eine Trainingseinheit angesetzt. Und zwar für alle 18 Spieler, die am Samstag im Kader des Spiels gegen den FC Hennef 05 standen. Der Trainer der Sportfreunde Siegen, wohnhaft in Gladbeck, wird dafür um 5 Uhr aufstehen müssen. „Wie ich das meiner Familie erklären soll, weiß ich noch nicht“, sagte ein sichtlich verärgerter Boris nach dem restlos enttäuschenden 0:0 im Kellerderby der Fußball-Regionalliga zwischen dem Vorletzten und dem Letzten. Und wie man den harten Hund Boris kennt, wird die Übung auf dem Kunstrasenplatz des Leimbachstadions keine lustige Sache, sondern eher den Charakter eines Straftrainings haben.

Apropos Strafe: Für die fast 1500 Zuschauer im Leimbachstadion war das, was ihnen da am Samstagnachmittag von ihrer Mannschaft zugemutet wurde, in der Tat eine Strafe, ein Schmerz für die Augen und die Seele. Als „blutleer“ bezeichnete Boris den Auftritt seiner Mannschaft, die sich so viel vorgenommen hatte, aber dies nicht in positive Energie auf dem Platz umsetzen konnte. Der Druck des Gewinnen müssens gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten lastete zu schwer auf den Schultern der Spieler, die wie gelähmt wirkten, so gut wie jeden wichtigen Zweikampf (vor allem in Kopfballduellen) verloren und denen es an jeglicher Idee fehlte, den Hennefer Riegel zu knacken.

Schlimmer noch: Der Punkt-“Gewinn“ für die Sportfreunde war gar schmeichelhaft, denn der Aufsteiger verbuchte die besseren Chancen für sich, während Siegen im Verlauf der 90 Minuten so gut wie keine zwingende Tormöglichkeit herausspielte. Es war dem seit Wochen Besten im SFS-Dress, Torwart Dominik Poremba zu verdanken, dass sich die Gastgeber nicht sogar an einem Rückstand die Zähne ausbeißen mussten. Erst parierte Poremba einen Remagen-Kopfball (11.), um dann einen Elfmeter festzuhalten: Walid Sekkour hatte Martin Notz in die Hacken getreten, doch Denis Wegner scheiterte am fehlerlosen Poremba, der den Strafstoß im Nachfassen zu packen bekam (20.). War diese positive Szene etwa die Initialzündung für bis dahin schläfrige Sportfreunde? Denkste! Ein Schuss per Picke von Kapitän Mark Zeh nach Eckstoß von Ali Ibrahimaj, der das Tor verfehlte, war die einzige (!) halbwegs nennenswerte Chance für die Gastgeber. Da waren bereits 36 Minuten gespielt.

Boris reagierte auf den offensiven Totalausfall, brachte Ricardo Retterath im Sturmzentrum für Bouadoud-Ersatz Malte Nieweler, der einen Tag nach seinem 21. Geburtstag nur ein Platzhalter gewesen war und fortan für den ausgewechselten Haluk Arslan auf die linke Seite wechselte. Positiver Effekt? Gleich null! Das lust- und mutlose Ballgeschiebe setzte sich zum Unmut der Zuschauer fort. Rückwärts statt vorwärts, es ging einfach viel zu oft in die falsche Richtung, und von Tempofußball konnte sowieso keine Rede sein. So war es nicht verwunderlich, dass Hennef selbst beinahe für das Siegener 1:0 gesorgt hätte, doch Notz konnte das Eigentor von Christoph Binot gerade so verhindern (63.).

Mit Markus Hayer brachte Boris in der Schlussphase einen zweiten Stürmer; viel zu spät, um Versäumtes nachzuholen. Kurz vor Schluss wäre der Schuss sogar fast nach hinten los gegangen, als sich Poremba in ein Duell mit Wegner verwickelte (85.). Als der Freistoß des bemühten, aber später kaum noch Zweikämpfe gewinnenden Ibrahimaj von der linken Seite von Hennefs so gut wie beschäftigungslosem Torwarts René Monjeamb abgefangen wurde (90.) und Schiedsrichter Sven Heinrichs überpünktlich abpfiff, war das Grauen für die Zuschauer endlich vorbei. Deren Erkenntnis dürfte einhellig sein: Mit dieser Leistung, der es vor allem an Leidenschaft und dem in einer solch kritischen Lage zwingend erforderlichen Kampfgeist mangelte, haben die Sportfreunde in der Regionalliga nichts zu suchen.