Sportfreunde vor Umwälzungen in Vorstand und sportlicher Leitung

Haluk Arslan (2. v.re.) wird gefeiert. Nach seiner Einwechslung schaffte er zwei Mal den Ausgleich.
Haluk Arslan (2. v.re.) wird gefeiert. Nach seiner Einwechslung schaffte er zwei Mal den Ausgleich.
Foto: WP

Siegen..  Sportlich sind die Sportfreunde Siegen abgestiegen. Der Punktgewinn beim 3:3 (1:2) gegen die Sportfreunde Lotte war der zweite in drei gemeinsamen Regionalliga-Jahren gegen die „Nordlichter“ des Bundeslandes. Zu großer Freude veranlasste das im Leimbachstadion indes niemanden. Zwar erkannten die Besucher durchaus erlernte Strukturen und gewisse Mechanismen im Siegener Spiel, doch waren es diesmal Abwehrschwächen des Fünfer-Defensiv-Verbandes, die die Gäste zum Toreschießen einluden.

Eigentlich ist zu den 90 Minuten dieser Partie, deren sechs Treffer immerhin einen unterhaltsamen Nachmittag bereiteten, gar nicht viel zu sagen. Das muss auch Sportfreunde-Trainer Michael Boris so interpretiert haben. Sein Statement war betont kurz: „Wir sind drei Mal zurückgekommen und haben den einen Punkt geholt, den wir brauchen, um Hennef auf Distanz zu halten. Alles andere regelt der BVB und der Verband.“

Klar, einen Abstieg zu beschreiben fällt Michael Boris schwer, zumal die ihm nicht gerade wohl gesonnenen Lotter im Raum saßen. Aber in seinen kurzen Worten steckt die Hoffnung, dass die Klasse doch noch irgendwie gehalten wird. Das 3:0 in der 3. Liga der U23 von Borussia Dortmund in Cottbus, das dem BVB noch einmal Chancen auf den Klassenerhalt einräumt, ist so ein kleiner Anker, der in der Abwärtsströmung noch Halt bieten könnte.

Rechenspiele

Das indes kommt nur zum Tragen, wenn es erstens der BVB schafft und zweitens der Meister der West-Regionalliga aufsteigt. Dann steigen nur drei statt vier Vereine ab. Wenn dann noch einer der beiden Wackelkandidaten in Sachen Lizenz auch nach dem Einspruch keine Berechtigung für die nächste Regionalliga-Saison erlangt, blieben die Siegener „drin“.

Wenn es bei den Verbands-Entscheidungen gegen Uerdingen und Wattenscheid bleibt, müssen die Siegener noch nicht mal mehr den Abstiegskampf der 3. Liga verfolgen.

Vage Hoffnungen – in der Tat. Ratsam ist es auf jeden Fall, sich über die Oberliga Gedanken zu machen. Und da wurde im Hintergrund schon an vielen Stühlen gesägt. Zum Beispiel an dem des Team-Managers. Daniel Schäfer, seit Beginn dieser Saison mit einer vollen hauptamtlichen Stelle versehen, wird ersatzlos gestrichen. Das GmbH-Gebilde wird, wenn nicht gänzlich aufgelöst, so doch „auf Eis“ gelegt. Der Vertrag mit Geschäftsführer Uli Steiner, der sowieso nach dieser Saison ausläuft, ist dann Geschichte.

Und auf der Mitglieder-Versammlung am Dienstag nach Pfingsten wird es dann, so sich die Personen einigen, zu den strukturellen Veränderungen kommen, die schon im November in der Siegerlandhalle auf den Weg gebracht werden sollten. Wie verlautete, wird die Vorstandsspitze des Vereins durch offenbar vorhandene Interessenten ersetzt. Wird das mit dem Willen der Mitglieder umgesetzt, sind die genannten Personalien wohl auch im Falle eines irgendwie zu realisierenden Klassenerhalts zu erwarten.

Die personellen Dinge in Sachen Mannschafts-Zusammensetzung für die kommende Saison stehen auf einem anderen Blatt. Von dem Team, das am Samstag auflief, werden wohl kaum viele Akteure übrig bleiben. Serkan Dalman, der mit einer Knieblessur fehlte, dürfte dazu gehören, ebenso wie Eigengewächs Haluk Arslan, der nach seiner Einwechslung mit zwei Toren auf sich aufmerksam machte. Ähnliches dürfte auch für Til Bauman zutreffen. Für die Regionalliga besitzt Mark Zeh noch einen Vertrag, Zouhair Bouadoud für beide Eventualitäten. Torhüter Dominik Poremba kann sich einen „Verbleib in Siegen vorstellen“. Alle anderen dürften in der alljährlich startenden Fußball-Karawane ziehen.

Spannende Wochen also, die zu erwarten sind. Weniger auf dem Fußball-Feld als im Hintergrund und hinter den Mauern der Verbands-Zentrale in Duisburg.


Siegen: Poremba – Geisler, Schadeberg, Retterath, Bauman, Sekkour – Zeh, Keseroglu – Glowacz, Möllering (60. Arslan) – Ibrahimaj.

Lotte: Dauth – Holm, Rahn, Nauber, Hansmann – Wendel (68. Heyer), Gorschlüter (63. Pires Rodrigues), Brock – Granatowski, Koep, Weißenfels (75. Batarilo-Cerdic).

Schiedsrichter: Benjamin Bläser (Niederzier).

Tore: 0:1 Weißenfels (11.), 1:1 Möllering (26.), 1:2 Hansmann (29.), 2:2 Arslan (67.), 2:3 Koep (72.), 3:3 Arslan (86.).

Vorkommnis: Weißenfels (Lotte, 14.) schießt Foulelfmeter an den Pfosten.

Gelbe Karten: Keseroglu (7.), Arslan (6.), Ibrahimaj (6., alle Siegen); Gorschlüter (6., Lotte).

Zuschauer: 1094.