Sportfreunde Birkelbach freuen sich auf den Oberliga-Start

Nawina Saßmannshausen, Sportfreunde Birkelbach, beim Training am Stufenbarren
Nawina Saßmannshausen, Sportfreunde Birkelbach, beim Training am Stufenbarren
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Wittgensteiner Turnerinnen starten am Samstag in die neue Saison

Birkelbach..  Anlaufen, Springen, Einreihen, Warten – und wieder von vorne. Das Federn des Sprungbretts und die Landung sind gut hörbar, denn einzig Anweisungen von Trainerin Bianca Saßmannshausen und gelegentliches, leises Gemurmel stören die Stille in der Birkelbacher Mehrzweckhalle, in der die Turnerinnen der Sportfreunde Birkelbach ihr Abschlusstraining absolvieren. Gescherzt und gelacht wird ein bisschen weniger als üblich. Vor dem Start in die Saison der Kunstturn-Oberliga, die morgen um 14 Uhr im Sendenhorst (nördliches Münsterland) beginnt, ist die Anspannung greifbar – und der Ton auch mal rauer.

„Das kannst du dem Kampfgericht ja auch nicht sagen“, erwidert Sonja Zerbe, ebenfalls Trainerin, in strengem Ton, als nicht vorhandenes „Spiel“ im Schwebebalken – das zweite Übungsgerät ist nicht gut in Schuss und bewegt sich – für einen Absteiger sorgt. Für die genervt blickende Athletin schiebt sie hinterher: „Das Gerät gehört halt auch dazu.“

Doch zwischen Anspannung und Aufregung mischt sich eine gehörige Portion Vorfreude. „Na klar“, bestätigt Lea Saßmannshausen, die wie in den Vorjahren gemeinsam mit Lara, Lea und Kim Saßmannshausen sowie Jule Löcker und Saskia Grebe das Birkelbacher Team bildet. Morgen ist der Tag, an dem die Turnerinnen des stärksten Teams der Region ihre schicken Anzüge mitnehmen und vor großem Publikum zeigen dürfen, was sie können. „Die Tage vorher sind schon anders. Da drehen alle am Rad“, schmunzelt Trainerin Bianca Saßmannshausen.

Nachvollziehbar ist diese Nervosität jedoch. Anders als eine Fußballmannschaft haben die Turnerinnen nur begrenzt die Möglichkeit, Fehler im Saisonverlauf auszubügeln. Statt 30 Spieltagen, wie sie die Amateurfußballer bestreiten, liegt die Zahl der Liga-Wettkämpfe bei drei – da kann


jeder Fehlgriff der sein, der die Mannschaft eine gute Platzierung und den Lohn für Schufterei im Training kostet.

Von ihren drei bis fünf Trainingseinheiten pro Woche setzen die Turnerinnen nur zwei Wochen aus – von Weihnachten bis zum Dreikönigstag. „Mehr Pause wäre auch nicht gut“, sagt Kim Saßmannshausen: „Man verlernt die Sachen einfach zu schnell. Und mehr als vier Wochen Unterbrechung wären mir sowieso zu viel.“

Auch die „trockenen“ Übungen wie Ausdauerläufe bei Eiseskälte durchs Dorf oder die Arbeit an Kraftgeräten bringt das Birkelbacher Sextett ohne Murren hinter sich. „Gehört ja dazu“, zuckt Nawina Saßmannshausen mit den Schultern. Sie klagte nach dem in den vergangenen Wochen intensivierten Training am Mittwoch über Gelenkschmerzen, wird aber morgen starten können.

Schwerer wiegt, dass sich Topturnerin Lara Saßmannshausen die Grippe zugezogen hat. Ihr Einsatz steht auf der Kippe, was kaum zu kompensieren wäre. In den vergangenen Jahren zählte die Erndtebrücker Sportlerin des Jahres fast immer zu den drei besten Einzelturnerinnen der Liga, sammelte einige Tagessiege und teilweise über ein Drittel der Birkelbacher Punkte.

Einen Vorteil können die Sportfreunde aber für sich verbuchen: Nach dem VfL Kamen stellt Birkelbach das erfahrenste Team der Liga – und das eingespielteste sowieso. Seit fast acht Jahren bilden die vier Saßmannshausens mit Löcker und Grebe ein eingeschworenes Team, das weiß, was es kann. Das weiß, wie die Teamkolleginnen ticken.

Der Vorteil ist aber – eigentlich – auch ein Nachteil, denn die teils reinen „Schülertruppen“ haben mehr Zeit zum trainieren als die Sportfreunde-Frauen, die in Jobs, Ausbildung oder Studium stecken. „Meine Mädels sind aber sehr organisiert. Wenn die um halb sechs Schluss haben, stehen sie um zehn vor sechs hier in der Halle“, freut sich Bianca Saßmannshausen, die das Turnniveau ihrer „goldenen Generation“ nicht mehr ohne weiteres steigern kann.

Kim Saßmannshausen und der Riese

Neue Figuren kommen nur noch vereinzelt hinzu. Saskia Grebe hat ihre Abgänge am Schwebebalken variiert, Kim Saßmannshausen jetzt die Riesenfelge am Stufenbarren im Programm – das ist die Figur, bei der in voller Körperlänge um die Stange geschwungen wird.

Ein Ziel zu formulieren fällt den Birkelbachern übrigens schwer, denn die Konkurrenz ist unmöglich einzuschätzen. Im Vorjahr erturnten sich die Birkelbacher Mädels nicht weniger Wertungspunkte als im Meisterjahr 2013, wurden damit aber nur noch Fünfte. „Was die anderen drauf haben, sehen wir erst Samstag“, so Bianca Saßmannshausen. Sollte ihre Truppe das Vorjahres-Ergebnis bestätigen und die Klasse halten, wäre sie schon zufrieden. „Das wäre eine tolle Sache.“

Bei einem Abstieg in die Verbandsliga würde die Turnwelt in Birkelbach nicht untergehen. „Dann wäre es leichter für uns, auch andere Turnerinnen in die erste Mannschaft zu integrieren“, sagt die Trainerin, die Nele Rath und Pia Birkelbach in der „Ersten“ mittrainieren lässt, das Duo am Samstag aber wieder vom Meldebogen streichen will. Nach einem Einsatz im Oberliga-Team wäre ein Start in der Gauliga nämlich nicht mehr möglich.