Solidarität sieht anders aus

Wie hoch ist im Verein der Stellenwert einer zweiten Mannschaft, wenn zwischen ihr und der ersten Garnitur eine Lücke von drei Spielklassen klafft und das Leistungsgefälle entsprechend groß ist?

Bei den Sportfreunden Siegen gibt es genau diese Situation, allerdings mit der Besonderheit, dass in dieser Saison sowohl das Regionalliga-Team als auch die „zweite Welle“ in der Landesliga tief im Abstiegskampf stecken und sich gerade auch nach den Ergebnissen des vergangenen Wochenende langsam eine gewisse Hoffnungslosigkeit breit macht. Die Lage ist kritisch. Deshalb ist es keine Frage, dass beide Trainer jeden Mann dringend gebrauchen können, zumal die Kader durch Verletzungen oder Sperren immer wieder dezimiert werden und sicher auch taktische Dinge eine Rolle spielen.

In Siegen aber drängt sich der Eindruck auf: Die Reserve ist nur ein Wurmfortsatz. Ob die Zweite in der Landes- oder Bezirksliga spielt, scheint egal zu sein! Je tiefer sie spielt, desto weniger Kosten verursacht sie. Wie anders ist es zu erklären, dass die U23 der Sportfreunde im wichtigen Heimspiel am Ostermontag gegen den FC Lennestadt erneut auf Hilfen „von oben“ verzichten musste, obwohl es gerade an diesem Tag (theoretisch) möglich gewesen wäre, die zweite Mannschaft zu unterstützen. Der Ärger von Reservetrainer Uwe Neuser ist angesichts der im Dezember mit der sportlichen Leitung des Vereins abgesprochenen, aber offenbar nicht konsequent eingehaltenen Vereinbarung nur allzu verständlich.

Die in einem Verein so wichtige Solidarität zwischen den einzelnen Ebenen sieht sicherlich anders aus.