SCR-Springer glänzen beim Heimspiel

Foto Peter Kehrle
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Was wir bereits wissen
Viele Besucher waren zur Lahntalschanze gekommen, um sich das Spektakel beim Start der Mattenschanzentour anzusehen. Der Nachwuchs des SC Rückershausen zeigte, was er kann.

Rückershausen..  An der Bande läuteten die Kuhglocken, aus den Boxen wummerte Apres-Ski-Musik und im Wald standen reihenweise Autos mit fremden Nummernschildern. Die Nord-Westdeutsche Mattenschanzentour war wieder in Rückershausen zu Gast. Die sechsteilige Serie feierte an den Lahntalschanzen ihren Auftakt.

Am Tag der Sonnenwende war das Wetter zwar alles andere als sommerlich, doch für das Skispringen stimmten die Bedingungen. „Wenn es heiß ist, schwitzen sich die Springer zu Tode“, so Holger Parzinski vom ausrichtenden SC Rückershausen. Die Windfähnchen waren kaum in Bewegung und wehten gegen Ende der Veranstaltung leicht in Richtung Berg – Aufwind. Auch darüber freuten sich die 71 Springer.

Vor allem stimmte es aus Sicht des SC Rückershausen aber in sportlicher Hinsicht. Zwei Siege, einen zweiten und zwei dritte Plätze sammelten die Wittgensteiner in den Nachwuchsklassen. Ein großer Tag war es besonders für die Wied-Brüder, die vom Schanzentisch nicht nur in Richtung Aufsprungbahn, sondern auch genau in Richtung des nur 200 Meter entfernten Elternhauses springen.

Mit 38 bzw. 39,5 Metern von der K-37-Schanze erzielte Lukas Wied nicht nur die besten Weiten bei den zwölf- bis dreizehnjährigen, sondern bekam obendrein auch noch die besten Haltungsnoten. Das registrierte auch das zumeist fachkundige und sehr aufmerksam zusehende Publikum und applaudierte kräftig. Holger Parzinski rechnete anhand des „Würstchen-Index“ übrigens eine Zahl von gut 300 Besuchern hoch.

Etwas Pech hatte der jüngere, neunjährige Bruder Silas Wied, der auf der K-10-Schanze in der Schülerklasse III die Höchstweite von 12 Metern erzielte, wegen der Noten aber nur Zweiter wurde.

Zweiter Rückershäuser, der bei der Siegerehrung an der Skihütte das blaue Führungstrikot der Mattenschanzentour überreicht bekam, war Mika Wunderlich aus Volkholz, der schon im Vorjahr die Gesamtwertung für sich entschied. Bei den elfjährigen wurde er mit 36 bzw. 37 Metern gemessen.

Dass auch gebrauchte Tage zum Sportlerleben gehören, bekam sein älterer Bruder Torben Wunderlich zu spüren, der mit 33,5 und 34 Metern unter seinen Verhältnissen blieb, zudem wegen Problemen mit der Bindung stürzte und im Mittelfeld landete. „Ich bin zu spät gesprungen“, stellte der laufstarke Kombinierer bei der Fehleranalyse fest. Den Traum, mal bei Olympia dabei zu sein, hat er dennoch im Blick und trainiert mit seinen Freunden täglich. Davon allerdings nur einen Tag auf der Schanze. Wunderlich: „Wir gehen zweimal in der Woche in den Kraftraum, fahren Skiroller und Crossen.“ Letzteres ist das, was früher mal Waldlauf genannt wurde.

Von Nijmegen nach Rückershausen

„Die Jungs sind sehr fleißig bei den Trainingseinheiten“, lobte SCR-Trainer Dittmar Hassler aus Oberndorf. Er zog ein positives Tagesfazit: „Insgesamt bin ich zufrieden.“ Pascal Horn (Schüler 12/13) und Sean Steenbakkers (Schüler 10) holten jeweils Platz 3 für den SCR.

Letzterer kommt übrigens aus Nijmegen in den Niederlanden und ist mit seinen Eltern, die in Wittgenstein eine Zweitwohnung gekauft haben, fast jede Woche in der Region – und wollte auch zu den tollkühnen Fliegern auf der Lahntalschanze gehören.