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Rot-Weißer Aufstiegsjubel in Siegen: „Nie wieder fünfte Liga!“

03.06.2012 | 22:36 Uhr
Rot-Weißer Aufstiegsjubel in Siegen: „Nie wieder fünfte Liga!“
Fans der Sportfreunde Siegen jubeln nach dem 4:1 gegen den TuS Dornberg und dem Aufstieg in die Regionalliga.

Siegen.   Der Ehrenpräsident hatte sich mal wieder nicht lumpen lassen. Manfred Utsch schenkte allen Fans, die die Eingangstore des Leimbachstadion passierten, einen rot-weißen Sportfreunde-Fanschal. Insgesamt fast 2 000 Stück. Das ehrwürdige, 55 Jahre alte Oval, war getaucht in den Vereinsfarben. Eine prächtige Kulisse für die zweite große Aufstiegsparty - die erste hatten die Sportfreunde ja bereits vor dreieinhalb Wochen nach dem 3:0 bei Viktoria Köln gefeiert.

Um 16.43 Uhr war es endlich soweit, die NRW-Liga ist Geschichte, die Spieler klatschten nach dem 4:1-Sieg gegen den TuS Dornberg die Fans vor der Haupttribüne ab und die sangen auf den Rängen, „Nie mehr fünfte Liga, nie mehr, nie mehr...!“ Und der Trainer Michael Boris hatte gleich zwei gute Gründe, aus dem 3. Juni 2012 eine  richtige Sause zu machen:  Aufstiegs- und Geburtstags-Party.

Die Anhänger der Sportfreunde schienen sich den ganzen Frust der vergangenen vier Jahre aus dem Leib schreien und feiern zu wollen. Vier Jahre zuvor lagen die Siegener am Boden. Drittliga-Qualifikation verpasst, dann die Insolvenz, der Absturz in die Fünftklassigkeit. Jetzt der Wiederaufstieg nach einer bravourösen Saison – die Statistik nennt: Tabellenzweiter mit 78 Punkten, 21 Zu-Null-Spiele, nur vier Niederlagen in 34 Spielen und damit sind die Siegener sogar besser als die „Übermannschaft“ Viktoria Köln. Der hätte man gestern sogar noch die „Krone“ entreißen können, doch dazu hätten die Domstädter gegen Schermbeck straucheln müssen.

Kurz vor 15 Uhr waren die Sportfreunde gestern vorübergehend Meister der letzten NRW-Liga-Saison. Waren es zehn Sekunden, oder zwölf nach dem Anpfiff durch Schiedsrichter Waldemar Stor? Siegen hatte Anstoß, langer Ball auf René Lewejohann, der legte ab auf Alexander Hettich und der verwandelte zum 1:0. Es war wohl das schnellste Tor der NRW-Liga-Geschichte und für Alexander Hettich das 19. Saisontor. Fünf Minuten später war es mit dem „Interimstitel“ vorbei. Der künftige Sportfreunde-Spieler Mark Zeh hatte für die Kölner das 1:0 erzielt, danach folgten am Rhein die Tore bis zum 4:0-Sieg - der Thron blieb beim Dom. Nicht gestern, an Pfingstmontag hatten die Siegener gegen den SV Speldorf den Meistertitel verspielt – doch das juckte gestern kaum noch jemanden.

Das letzte Spiel in der NRW-Liga im strömenden Dauerregen war kein schlechtes. Michael Boris hatte alle verfügbaren Spieler an den Trainer der Zweiten, Daniel Cartus, abgegeben, doch die verlor in Hohenlimburg mit 0:4 (!). Ganze zwei Spieler saßen in Siegen auf der Bank: Waldemar Schattner und Torwart Raphael Koczor.

Rekord: Nur 23 Gegentore

Die Partie im Schnelldurchlauf: Nach der Siegener 1:0-Führung nutzte Ferhat Kurtulus den Fehlpass von Leon Binder und ließ mit einem Distanzschuss Torwart Marco Thielmann, der eine gute Partie machte, zum 1:1 (30.) keine Chance. Sechs Minuten später hatte sich Sven Michel stark auf dem Flügel durchgesetzt, im Halbfeld Hettich bedient und der schob den Ball in die Gasse auf Lewejohann, der zum 2:1 keine Mühe hatte.

In der 65. unterlief Dornbergs Theermann ein Handspiel, den fälligen Elfmeter knallte Issa Issa mit einem Flachschuss in die Torecke. Nach einem lehrbuchreifen Doppelpass zwischen Daniel Grebe und Julian Jakobs verwandelte dieser per Kopfball ins lange Toreck zum 4:1-Endstand. Weitere große Chancen hatten beide Teams.

Den NRW-Liga-Titel hatte Siegen nicht gewonnen, aber einen neuen Rekord aufgestellt. Nur 23 Gegentore (bisher 25 von Fortuna Köln im Vorjahr), das hatte noch keiner in der Geschichte der NRW-Liga geschafft – und die ist ja nun Geschichte.

STIMMEN ZUM SPIEL

Michael Boris (Trainer SF Siegen): „Wir haben heute ganz viele Spieler in die zweite Mannschaft abgegeben, damit Daniel Cartus mit seinem Team in Hohenlimburg noch etwas holt, aber das hat leider nicht geklappt. Es war begeisternd, wie das Stadion heute ausgesehen hat. Alles in Rot-Weiß, dank der vielen Schals, das war schon ein tolle Choreographie. Ich war noch so mit meinen Blicken auf die Ränge beschäftigt, dass ich das 1:0 gar nicht gesehen habe. Vor sieben Jahren habe ich als Co-Trainer mit Kickers Emden zuletzt einen Aufstieg gefeiert, aber das hier heute ist schon eine andere Hausnummer. Für mich persönlich passt es natürlich doppelt, heute an meinem Geburtstag auch den Aufstieg zu feiern. Mir fehlen jetzt ein bisschen die Worte, ich möchte mich jedoch noch bei Manfred Utsch, den Sponsoren, den Leuten aus der Geschäftsstelle, den Fans und auch der Presse für die gute Zusammenarbeit bedanken. Nach nicht so guten Jahren haben wir die Sportfreunde Siegen ganz gut nach außen vertreten. Jetzt wollen wir uns in der Regionalliga gut verkaufen, es wird sehr schwer, aber wir werden alles geben.“

Frederic Kollmeier (Trainer TuS Dornberg): „Es war ein eigenartiges Spiel mit vielen Torchancen auf beiden Seiten. Ich habe auch viele Torchancen von meiner Mannschaft gesehen und wir haben sicherlich etwas unter Wert verloren. Das jedoch auch gegen eine Mannschaft, mit der wir uns nicht vergleichen können. Ich könnte hier jetzt noch viel erzählen über vergebene Torchancen und so weiter, das lasse ich aber. Wir durften eigentlich gar nicht mit Sportfreunde Siegen in einer Liga spielen, gegen einen Verein mit diesem Umfeld und diesen Fans. Herzlichen Glückwunsch Dir, Michael Boris, und den Sportfreunden: Ihr geht zu Recht nach oben in die Regionalliga. Ich gratuliere zum Aufstieg.“

DAS WECHSELKARUSSELL

Abgänge: Maximilian Pauli (TSV Steinbach), Florian Schwarz (2. Mannschaft), Jan-Peter Stein (TuS Erndtebrück), Andreas Schäfer (SSV Stadtalendorf), Masih Saighani (SV Waldgirmes), Faysel Khimiri (RW Ahlen), Matthew Dalman (USA), Leland Otis Wright (USA), Alex Elliott (Kanada), Anis Saidi (TSV Steinbach), Christoph Göbel, Michael d’Agostino, Issa Issa,Marius Sowislo,JörnNowak (bei allen Spielern Ziel unbekannt).

Zugänge: Christian Runkel (SV Rothemühle/Mitelfeld), Stefan Kemmerling (Alem. Aachen A-Jugend/Torwart), Max Süßenbach (Energie Cottbus U23/Mittelfeld), Markus Mlynikowski (Werder Bremen U23/li. Mittelfeld), Sinisa Veselinovic (SV Curslack-Neungamme/Stürmer), Richard Weber (FC Schalke 04 U23/Innenverteidiger, Christoph Klippel (SV meppen/Innenverteidiger), Andrej Dej (MSV Duisburg U23/Mittelfeld), Wojciech Pollok (Eintracht Trier/Stürmer), Marcus Lemke (Energie Cottbus/Linksverteidiger), Mark Zeh (Viktoria Köln/Mittelfeld), Patrick Sonntag (FC Erzgebirge Aue/Mittelfeld).

STATISTIK
SF Siegen:Marco Thielmann (82. Raphael Koczor) – Christoph Göbel, Leon Binder, Jörn Nowak, Serkan Dalman – Daniel Grebe, Issa Issa – Julian Jakobs, Alexander Hettich, Sven Michel – René Lewejohann (60. Waldemar Schattner).
Trainer: Michael Boris.
TuS Dornberg: Riemer, Haukambe, Stöckner, Sansar, Theermann, Kurtulus, Hill, Callahan, Kambach, Basdas, Kizilkaya.
Trainer: Frederic Kollmeier.
Tore: 1:0 Hettich (1.), 1:1 Kurtulus (27.), 2:1 Lewejohann (33.), 3:1 Issa Issa (67., Handelfmeter), 4:1 Jakobs (89.).
Schiedsrichter: Waldemar Stor (Aerzen) – Maik Rothenberger, Dr. Alexander Koch.
Zuschauer: 17 32.

Frank Steinseifer



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