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Rettungswurf nach dem Schlusspfiff

06.02.2011 | 22:32 Uhr
Rettungswurf nach dem Schlusspfiff
Christian Stelzenbach wird hart bedrängt. Foto: Horst Schaumann

Das Spiel zwischen dem TuS Ferndorf und der Ahlener SG hatten sich alle Beteiligten und Zuschauer auf der Gastgeber wohl etwas anders vorgestellt.

Gegen die „Youngsters“ der HSG Ahlen/Hamm entwickelte sich ein Handball-Krimi, in dem Dennis Aust nach Abpfiff beim Stand von 28:29 aus Ferndorfer Sicht an die Siebenmetermarke treten musste und mit Nervenstärke das totale Knockout zu einem blauen Auge für den TuS relativierte.

7:4 war die letzte klare Ferndorfer Führung

So richtig zufrieden sein konnte der TuS mit dem Punkt aber nicht – auch, wenn er in letzter Sekunde mit dem nötigen Glück gemacht worden war. „Ich hatte nach der ersten Hälfte gedacht, dass die Mannschaft von der Kabinenansprache wachgerüttelt wird. Aber wir haben über 60 Minuten nicht zu unserem Spiel gefunden“, übernahm Abteilungsleiter Harald Münker die Stimmung des Publikums, das einige Male ungläubig den Kopf schütteln musste.

Auch der heimische Profi-Volleyballer Christian Dünnes, der auf der WR-Sportlerehrung von den Ferndorfern zum Heimspiel eingeladen worden war, sprach nach den 60 Minuten von einem Spiel, das „an Dramatik kaum zu überbieten“ war. Von hochklassigem Handball sprach er nicht; dafür kennt Dünnes, selbst bis zur C-Jugend Handballer beim HV Burbach, den Sport zu gut – und hochklassig war es nicht. So eine Szene in der 34. Minute: Peter Dettling erkämpft in der Abwehr einen Ball, spielt fast einen Fehlpass auf Mirza Sijaric ins linke Halbfeld. Der lässt den Ball zu Dennis Aust auf die andere Seite fliegen – wieder fast ein Fehlpass. Und Aust bedient den nachgelaufenen Dettling in der Mitte zu ungenau, der Linkshänder schließt mit Stürmerfoul statt mit Tor ab. Ein bezeichnendes Bild für das Spiel der Hausherren, die mit den kampfstarken Gästen oft nicht so ganz zurecht kamen.

Dabei sah es zunächst nach einer Angelegenheit in trockenen Tüchern für den TuS aus: Bis zum 3:3 hatte bei Ahlen lediglich der starke Merten Krings im linken Rückraum schnell genug für die 3:2:1-Deckung der Gastgeber gewirkt, zwei der drei ersten Tore der Bundesliga-Reserve waren von Krings herausgeholte und von Routinier Dainius Skarbalius verwandelte Siebenmeter gewesen. Und kurz darauf erhöhte Rechtsaußen Dennis Aust mit seinem dritten Tor zum 7:4 erstmals auf drei Tore Vorsprung für Ferndorf.

Doch es sollte die letzte klare Führung für den TuS gewesen sein, Mirza Sijaric gelang in Unterzahl kurz später per Gegenstoß das knappe 8:7.

Überzahlsituationen
zu selten ausgenutzt

Wie schon gegen Wermelskirchen wurden Überzahlsituationen zu selten ausgenutzt, lediglich zwischen 24. und 26. Minute zog der TuS mit zwei Gegenstößen in Überzahl von 9:9 auf 11:9. So gut wie in dieser Phase wurde der Ahlener Kreisläufer aber zu selten verteidigt, und Krings machte ohnehin, was er wollte.

Als Gästetrainer Rob de Pijper nach 29:22 Minuten seine Auszeit nahm, stand es 12:11 für Ferndorf. Genau 25 Spielminuten später legte de Pijper wieder die Grüne Karte auf den Tisch – und dieses Mal stand es Remis, mit optischen Vorteilen für Ahlen. Der Grund: Im Ferndorfer Angriff wirkte an diesem Tag (fast) alles zu statisch.

Kapitän Michael Feldmann bekam von Spielbeginn an Sonderbewachung, die entstehenden Räume nutzten die Halbspieler zu schlecht, weil sie permanent zur Mitte zogen, anstatt die größeren Lücken zwischen Halb- und Außenspielern der Ahlener Deckung anzuvisieren.

Und in der Deckung stimmte zu oft die Absprache nicht: Krings prellte teils vier Meter durch die Abwehr, wurde er in kurze Deckung genommen, nutzten Skarbalius und Nachwuchs-Bomber Sebastian Paul auf Rückraum Links den Raum, um selbst abzuschließen oder Thorsten Szymanski am Kreis zu bedienen. So lag die SG, die auf ihre Routiniers Weber und Hartmann verzichten musste und somit als Außenseiter angetreten war, im zweiten Durchgang mehrmals mit zwei Toren vorne.

Erst, nachdem Abwehrchef Tim Hilger mit einer Schnellen Mitte zum 25:25 geeilt war, konnte Dennis Aust im nächsten Angriff das 26:25 für Ferndorf erzielen.

Das erhoffte „Happy End“ zerplatzte schnell, beim 27:28 sprach wieder alles für die Gäste. Nachdem Krings etwas übermotiviert den frei aufs Tor springenden Mirza Sijaric „abräumte“ und Aust zum 28:28 getroffen hatte, traf die SG in Unterzahl noch wenige Sekunden vor Abpfiff zur Führung. Aust scheiterte nach Schneller Mitte an Torwart Schmidt, doch das Schiedsrichtergespann Bergmann und Stein zeigte Strafwurf an. Die gegebene zweite Chance ließ Aust sich dann nicht mehr nehmen und rettete dem TuS somit zumindest einen Punkt.

Micha Sommer

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