„Rappelvolle“ Rundturnhalle erlebt emotionale Stunde mit Derby-Sieg

Kai Ronge (l.)
Kai Ronge (l.)
Foto: WP

Niederschelden..  Ein Leckerbissen handballerischer Art war es gewiss nicht. Aber es prickelte und brummte. Die Rundsporthalle auf der Morgenröthe war bis unters Dach gefüllt. Derby-Zeit. Der RSVE Siegen nutzte die Gunst der Stunde, besiegte die Reserve des TuS Ferndorf im Verbandsliga-Lokalduell mit 28:23 (11:11). Die „Roten“ sind die Tabellenführung erstmal los, können sie sich aber am Freitag (20.30 Uhr) im Topduell vom OSC Dortmund zurückholen.

Für die Siegener war der am Ende klare Erfolg im Vorrunden-Finale praktisch die letzte Chance, auf dem Zug zu bleiben, der in Richtung Oberliga führen kann. Die Spitzengruppe ist wieder näher zusammengerückt und reicht jetzt praktisch bis Rang sieben.

Viel Hektik

Für die Ferndorfer war es nach zehn Spielen ohne Niederlage der erste Dämpfer, „ein Dämpfer“, so drückte es nach emotionalen 60 Minuten TuS-Trainer Michael Lerscht aus, „den wir uns im Prinzip selbst zuzschreiben haben.“

Im hektischen, von viel Kampf und Krampf geprägten Spiel hatten sich die Nordsiegerländer gerade in der entscheidenden Phase immer wieder Zeitstrafen erlaubt. Kritik am Schiedsrichter-Gespann aus Bergkamen und Hamm mochte Lerscht nicht laut äußern, ein wenig mehr Ausgeglichenheit in ihren Entscheidungen hätte der Ferndorfer sich aber gewiss gewünscht.

Wie es ist, in einem solchen Duell sprichwörtlich auf Augenhöhe zu agieren, demonstrierten die Teams jedenfalls eindrucksvoll. Erstmals beim Ferndorfer 14:12 nach 36 Minuten war es überhaupt einer Mannschaft gelungen, mal mit mehr als einem Treffer in Führung zu gehen. Und es dauerte weitere zwölf Minuten, ehe auch den Gastgebern nach dem Tor von Alen Sijaric zum 22:20 eine Vorlage von zwei Treffern gelang.

Torhüter-Plus

Hätte Frieder Krause beim folgenden Tempo-Gegenstoß das 23. Tor für den RSVE gemacht, vielleicht hätte sich jetzt, nach knapp 50 Minuten schon eine Vorentscheidung angebahnt. Er scheiterte allein vor Altmeister David Wellen.

Überhaupt: Die Torhüter. Wellen hatte einige Lichtblicke, wurde aber, zur Freude der Eiserfelder, vom bärenstarken Stephan Eckhardt übertrumpft. „Er kommt über die Emotionen“, lächelte RSVE-Coach Mirza Sijaric am Ende, „und er hat Nerven wie Drahtseile.“ Sicherlich das große Plus in diesem Derby.

In einem Atemzug nannte Sijaric Youngster Tim Kolb und seinen Mittelmann Michel Sorg. Der 17-Jährige Halblinke steuerte acht Treffer bei, „und für mich“, so Sijaric, „ist Sorg der Spieler des Abends. Kleiner Mann ganz groß vor der Abwehr.

Guten Job gemacht

Das Wechselbad der Gefühle auf Parkett und Rängen sorgte für die knisternde Spannung dieses Handball-Abends. Und die löste sich im erleichterten Aufatmen der Mehrheit unter den Besuchern erst auf, als die Ferndorfer Deckungsreihe Auflösungserscheinungen zeigte, als eben jener Michel Sorg vier Minuten vor Schluss zum 26:23 voll­endete, Johannes Krause nachlegte und Milos Grujicic den Schlusspunkt setzte.

Noch einmal Mirza Sijaric: „Ich habe Volldampf in der Pause gefordert und die Mannschaft hat sich dran gehalten.“

Und sein Gegenpart: „Der RSVE hat einen guten Job gemacht“, so Michael Lerscht, „aber wir können mit der Niederlage leben.“