Pfeifkonzert zum Frühlingsanfang
21.03.2010 | 22:34 Uhr 2010-03-21T22:34:00+0100
Siegen. Woche für Woche das gleiche Lied: Die Sportfreunde können einfach nicht mehr gewinnen. Cheftrainer Rob Delahaije wartet weiter auf den ersten Sieg, seit nunmehr neun Begegnungen, seit seinem Amstantritt fehlt der „Dreier”.
Ein Zähler gegen den Tabellenletzten und das im eigenen Stadion, das ist viel zu wenig. Siegen bleibt auf Rang 12, aber bereits jetzt sprechen die Spieler vom Kampf gegen den Abstieg aus der NRW-Liga.
Während Sprockhövels Trainer Lothar Huber mit emporgereckten Armen das 2:2 wie einen Sieg feierte, wurde sein Kollege Rob Delahaije mit seinen Sportfreunden mit Spott und Häme vom Platz gejagt. „Wir ham die Schnauze voll”, grollten die Anhänger auf den Rängen und die Siegener Spieler fanden das auch nur allzu verständlich.
Lindemann: Spieler zum
Psychologen schicken
Nach Worten für die 2:2-„Niederlage” gegen die in der Spielklasse schon vollends abgeschriebene TSG Sprockhövel rang auch der Sportliche Leiter Lutz Lindemann: „Ich habe im Fußball schon viel erlebt. Aber das hier heute war einmalig. Wir kämpfen uns zurück ins Spiel, führen und betteln dann um Gegentore. Die Mannschaft hat jegliches Selbstvertrauen verloren. Es liegt nicht an der Taktik, es liegt nicht an der Aufstellung, es liegt auch nicht am Willen der Spieler. Es liegt aber scheinbar daran, dass die Spieler bei einer Führung dem Druck nicht standhalten, ich glaube, da braucht manch einer mal eine Sitzung bei einem Psychologen, um den Kopf wieder frei zu bekommen.”
Dabei sollte es das Frühlingserwachen werden im „Sechs-Punkte-Spiel”. Offensiver wollte er seine Mannschaft aufstellen, sagte Rob Delahaije - und das tat er auch: Nominell nur mit zwei Spitzen stellte er Julian Jakobs auf die Zehnerposition und gab Volkan Okumak den Part des Flügelflitzers auf der rechten Seite, über die dann auch 90 Prozent der Siegener Offensive lief. Beide Spieler machten ihre Sache richtig gut.
Tief war der Boden, wie ein Blumenbeet, geeignet zum Frühlingstulpen setzen. „Beide Mannschaften hatten die gleichen Bedingungen, es soll bloß keiner jammern”, sprach Emrah Uzun klare Worte.
Ob die Umstellung in der Abwehrreihe, der Tausch Monir Ibrahim für Christian Schönwälder so glücklich war, ist fraglich. Das 0:1, das die Siegener für lange Zeit aus dem Konzept brachte, geht zumindest 80 Prozent auf`s Konto des Abwehrrecken. Nach einem Einwurf fällt der Ball im Strafraum Dawid Ginczek vor die Füße und Ibrahim bringt seinen Gegner im „griechisch-römischen Stil” zu Fall.
Ibrahim mit guter
Ringertechnik
Wäre Ibrahim Ringer gewesen, in Schifferstadt hätten sie ihm zugejubelt - im Leimbachstadion gab es dafür gestern nur den Pfiff des Schiedsrichters: Elfmeter! Und den verwandelte souverän Alexander Meister. 0:1 nach 15 Minuten gegen den Tabellenletzten – wahrlich trübe Aussichten.
Es dauerte 20 Minuten, ehe die Siegener sich von diesem Schlag erholten. Es war Sebastian Huke, der gleich zwei Hundertprozent-Chancen vergab: In der 34. Minute trat er bei der Flanke von Okumak fast ein Loch in den Boden, den Nachschuss im Liegen aus drei Metern semmelte er ebenfalls vorbei. In der 40. Minute war es Emrah Uzun, der in den Strafraum eilte, den Querpass auf Huke legte und der drosch die Direktabnahme aus 10 Metern in den grauen Himmel.
Als Julian Jakobs fünf Minuten nach der Pause seine gute Leistung mit einem Flachschuss zum 1:1 (50.) krönte, feierten die Siegener Anhänger das wie die Erlösung - und als dann sieben Minuten später Sebastian Huke (recht zweifelhaft) im Strafraum zu Fall kam, hatte Uzun keine Mühe, den Strafstoß im Gehäuse unterzubringen.
Es war wieder Huke, der nach einer Flanke von Uzun den Ball aus der Drehung über die Latte setzte (63.). Und was passiert mit Mannschaften, die ihre Chancen nicht nutzen? Sie werden bestraft! Nach einem Foul von Serkan Dalmann setzt Raoul Meister den Freistoß aus 16 Metern unter Mithilfe der hochspringenden Siegener Mauer und vorbei am chancenlosen Torwart Pero Miletic in die Maschen. Siegen versuchte es danach mit der Brechstange gegen eine massive Abwehr, Emrah Uzun (75.) traf die Latte - aber eben nicht mehr das Tor.
STIMMEN ZUM SPIEL
Uzun: „Es gelten jetzt
keine Ausreden mehr”
Rob Delahaije (Trainer SF Siegen): „Wir wollten unbedingt die drei Punkte und das ist uns wieder nicht gelungen. Wir haben sehr offensiv begonnen, wir wollten die schnelle Entscheidung. Nach einem Einwurf fällt das 0:1, weil den Ball vor Monir Ibrahim niemand abschirmt und wir dann den Elfmeter gegen uns bekommen. Wir gehen mit einem Rückstand in die Kabine.
Ich habe den Jungs dann gesagt, dass wir mehr Druck aufbauen müssen, aber sie sollten ruhig bleiben, sich ihre Chancen erarbeiten und nicht verrückt spielen. Julian Jakobs, den ich durch eine Umstellung auf die Zehnerposition gesetzt habe, macht das 1:1. Dann gehen wir in Führung durch einen Elfmeter..., ich weiß auch nicht, ob das einer war.
Und dann, dann betteln wir um ein Gegentor und bekommen es auch mit so einem blöden Freistoß durch die Mauer, was auch nicht passieren darf. Wir hätten gewinnen müssen bei der Anzahl der Chancen – aber wer so spielt, kann nicht gewinnen.”
Lothar Huber (Trainer TSG Sprockhövel): „Wir sind natürlich froh, dass wir den Punkt geholt haben - und das nach dem Katastrophen-Spiel gegen Ennepetal. Riesenkompliment an meine Mannschaft, wie sie hier in Siegen aufgetreten ist. Auf tiefem Boden haben die Spieler eine tolle Moral gezeigt. Man hat bei Siegen gesehen, dass die Mannschaft nicht so frei spielt, wie sie eigentlich sollte.”
Emrah Uzun (Stürmer SF Siegen): „Mal Wind, mal Regen, jetzt der schwere Platz - alles Quatsch! Es gelten keine Ausreden mehr. Wir hätten gewinnen müssen, gegen Schermbeck, gegen Köln und auch heute gegen den Tabellenletzten. Wir stecken mitten im Abstiegskampf, so sieht`s aus!”
Julian Jakobs (Torschütze zum 1:1 für SF Siegen): [Auf die Frage, ob er die Reaktionen der Fans auf den Rängen verstehen kann] „Ich kann den Ärger der Fans verstehen. Wir kommen nach dem 0:1-Rückstand zurück ins Spiel, gehen in Führung und kassieren wieder so ein Gegentor..., das ist bitter.”
Daniel Bogusz (Abwehrspieler SF Siegen) „Wir haben wieder zwei Punkte vergeben und zwei schöne Geschenke verteilt. Gegen den Tabellenletzten darf das nicht passieren. Ich bin wahnsinnig enttäuscht. Dass wir wieder nicht gewinnen, tut mir leid für die Leute, die uns immer wieder unterstützen.” FST
STATISTIK
SF Siegen 2
–
TSG Sprockhövel 2
SF Siegen: Pero Miletic – Serkan Dalman, Monir Ibrahim, Daniel Bogusz, Kerim Arslan – Anis Saidi – Volkan Okumak (62. Daniel Cartus), Matthew Dallman (78. Hüsni Tahiri) – Julian Jakobs – Sebastian Huke, Emrah Uzun.
TSG Sprockhövel: Patrick Knieps – Phillipp Schukz, Andrius Balaika, Alexander Meister, Raoul Meister, Emmanuel Peterson, Dawid Ginczek, Sven Preissing, Lukas Winczura, S. Greitemann, Selcuk Gülec.
Tore
0:1 Alexander Meister (15./Foulelfmeter), 1:1 Julian Jakobs (50.), 2:1 Emrah Uzun (57./Foulelfmeter), 2:2 Raoul Meister (67.)
Schiedsrichter
Sven Waschitzki
Zuschauer
1191 (mit Dauerkarten)
Spielplan SF Siegen
Mittwoch, 24. März 2010
SF Siegen - Westf. Herne 19.00
Sonntag, 28. März 2010
VfB Speldorf - SF Siegen 15.00
Gründonnerstag, 1. April 2010
SSVg. Velbert - SF Siegen 17.30
Ostermontag, 5. April 2010
SF Siegen - Wattenscheid 15.00
Freitag, 9. April 2010
SC Wiedenbrück - SF Siegen 19.30
Sonntag, 18. April 2010
SF Siegen - Hammer SpVg. 15.00
Mittwoch, 21. April 2010
SF Siegen - SW Essen 19.00
Sonntag, 25. April 2010
Berg. Gladbach - SF Siegen 15.00
Sonntag, 2. Mai 2010
SF Siegen - VfB Hüls 15.00
Freitag, 7. Mai 2010
SF Siegen - MSV Duisburg 19.30
Donnerstag, 13. Mai 2010
SF Siegen - 1. FC Kleve 15.00
Montag, 24. Mai 2010
RW Essen II - SF Siegen 15.00
Sonntag, 30. Mai 2010
SF Siegen - Alem. Aachen II 15.00
NRW-Liga-Statistik
29. Spieltag
A. Aachen II - Fort. Köln 1:1 (0:1)
Tore: 0:1 Can (8.), 1:1 Engelbrecht (57.). - Zuschauer: 450. - Bes. Vorkommnis: 35. Min. Rote Karte für Can (Köln) wegen Nachtretens.
VfB Hüls - VfB Speldorf 1:2 (0:1)
Tore: 0:1 Güney (36., Foulelfmeter), 1:1 Stondzik (67.), 1:2 Güney (83.) - Zuschauer: 200 - Besondere Vorkommnisse: 37. Minute: Rote Karte für Weller (Speldorf) wegen groben Foulspiels
W. Herne - SW Essen 0:4 (0:2)
Tore: 0:1 Setzke (3.), 0:2 Westerhoff (40.), 0:3 Pasiov (49.), 0:4 Westerhoff (67.) - Z.: 350 - Bes. Vorkommnis: 74. Minute: Gelb-Rote Karte für Eisen (Herne) wegen wiederholten Foulspiels.
Gladbach - Wattensch. 1:0 (1:0)
Tor: 1:0 Werner (45.) - Z.: 288
Windeck - Bielefeld II 1:0 (1:0). Tor: 1:0 Meiß (36.) - Z.: 485
Hammer SpVg - Wiedenbrück 0:3 (0:1). Tore: 0:1 Polder (33.), 0:2 Polder (72.), 0:3 Hop (80.) - Zuschauer: 300
SSVg. Velbert - RW Essen II 0:2 (0:0). Tor: 0:1 Harrer (63.), 0:2 Enzmann (90.) - Zuschauer: 180
MSV Duisburg II - 1. FC Kleve 3:3 (2:2). Tore: 1:0 Ferati (7.), 1:1 Klimczok (22.), 1:2 Sowislo (24.), 2:2 Pozder (33.), 3:2 Ferati (57.), 3:3 Sendag (61.) - Zuschauer: 100 - Bes. Vork.: Rote Karte für Koczor (45./Duisburg) wegen Notbremse; Rote Karte für Behrendt (70./Kleve) wegen Notbremse.
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