Peter Wongrowitz: „Ich bin ein Teamplayer“
10.01.2012 | 21:34 Uhr 2012-01-10T21:34:00+0100
Kaan-Marienborn.Am Montagabend war beim 1. FC Kaan-Marienborn die Stunde Null. Neues Jahr, Trainingsauftakt, zwei neue Spieler, neue Ziele und vor allem, ein neuer „Besen“. Peter Wongrowitz heißt der neue Trainer, ist 60 Jahre alt und war zuletzt erfolgreicher Übungsleiter des KFC Uerdingen, Liga-Rivale von Sportfreunde Siegen.
Stunde null im Breitenbachtal aber auch aus einem anderen Grund: „Ich kenne keine Vorgeschichten, die Uhr will ich auch nicht zurückdrehen, mein Blick geht nur nach vorne. Was gewesen ist, das kann ich nicht ändern, die Arbeitsweise meiner Vorgänger kenne ich nicht, es gilt jetzt nur den Blick nach vorne zu richten“, sagt Peter Wongrowitz und fügt an, „ bei mir beginnen alle Spieler wieder bei null“.
Vollkommen unvorbelastet
Vielleicht sind genau das die richtigen Voraussetzungen für eine neuerliche erfolgreiche Arbeit beim Fußball-Westfalenligisten im Breitenbachtal an dessen Ende doch noch der Aufstiegsplatz in die Oberliga herausspringt. Seilschaften, Zerwürfnisse mit dem Sponsor, Lagerbildungen innerhalb des Teams – auch das hatte letztlich dazu geführt, dass die Trainer Didi Schacht und Jörg Rokitte, das Handtuch geworfen hatten. Peter Wongrowitz geht nun vollkommen unvorbelastet seine neue Aufgabe an. Kontakt zu seinen Vorgängern? „Nein, warum? Es steht mir nicht zu, die Arbeit meiner Vorgänger zu beurteilen und es bringt uns nicht weiter.“
Dass sich die Vereinsverantwortlichen mit dem erfahrenen Fußball-Lehrer aber keinen „Ja“-Sager ins Boot geholt haben, wird aus seiner Aussage nach seiner überraschenden Entlassung im vergangenen November beim Tabellendritten KFC Urdingen deutlich: „Vielleicht ist der Grund meiner Entlassung, dass ich meine Meinung gesagt habe, dass wir unbedingt noch einen neuen Stürmer brauchen. Ich lasse mich aber nicht verbiegen“, wurde Wongrowitz nach seinem Rauswurf zitiert.
Wechsel in die Fußball-Provinz
Drei Mal Deutscher Meister mit der Jugend des BVB, zuletzt erfolgreicher Übungsleiter in Uerdingen, jetzt der Wechsel in die „Fußball-Provinz“ – was hat den Ausschlag für den Wechsel ins Siegerland gegeben? Wongrowitz: „Sicher, Uerdingen, dieser Traditionsverein ist eine andere Hausnummer. Als ich dort angefangen habe, kamen 1400 Zuschauer, zuletzt waren es 3 200 Zuschauer. Das ist hier sicher nicht der Fall. Ja, jetzt Westfalenliga. Aber hier ist ein Verein, der auf breiten Füßen steht und mit dem Siegerländer Weg ein Konzept hat. Und davon haben mich Herr [Holger] Rathke, auch Herr [Christoph] Thoma und der ganze Vorstand des Vereins in sehr guten Gesprächen überzeugt. Das wichtigste sind doch die Menschen, das muss passen, sonst hat es keinen Zweck. Ich war 20 Jahre in einem Verein [Borussia Dortmund] und damit stehe ich für Kontinuität.“ Langfristige Arbeit also, das ist auch in Kaan so angelegt: Vertrag bis 30. Juni 2015!
Wie steht er zum Konzept des „Siegerländer Weges“, der ja vor allem die Vereinbarkeit von Berufsausbildung und Leistungssport im Blick hat, letztlich aber dem Modell des reinen Berufsfußballers entgegensteht: „Ich finde es sehr wichtig, dass Spieler im Verein integriert sind, sich mit dem Leistungssport zu 100 Prozent identifizieren, aber auch an ihre Zukunft denken und sich der sozialen Verantwortung bewusst sind.“
Gesprächsrunde mit erster und zweiter Mannschaft
Seine erste Amtshandlung am Montag war eine lange Gesprächsrunde mit erster und zweiter Mannschaft. „Ich will alle handelnden Personen möglichst schnell kennen lernen. Wenn man im Sport etwas erreichen will, dann geht das nur im Team. Erfolg ist Teamsport und ich bin ein Teamplayer. Ich muss alle, Co-Trainer, Betreuer, Sponsoren, Spieler bis hin zum Platzwart alle in ein Boot kriegen, dann erreichen wir auch unser Ziel“, sagt Peter Wongrowitz.
Und welchen Kurs nimmt das Boot? „Man muss sich ja realistische Ziele setzen. Ein Platz unter den ersten Sechs ist zwar schwer, aber kein Ziel, das nicht erreichbar wäre. Zwölfter Tabellenplatz, wir hinken mit 20 Punkten sieben Punkte hinterher. Nur 20 Tore, das ist das erste große Defizit, das wir bearbeiten müssen.“
Helfen, das Ziel zu erreichen, sollen dabei auch die beiden Winterneuzugänge Toni Gänge vom SV Wilhelmshaven und Torben Wäschenbach aus der Regionalliga-A-Jugend der SG 06 Betzdorf, die für die Käner echte Verstärkung versprechen. Defensivspieler Gänge gilt als gestandener Regionalligaspieler, auch der 18-jährige der SG Betzdorf soll die Defensive verstärken.
Hartes Training
Gefragt nach seinem Naturell und seiner Philosophie als Trainer sagt Peter Wongrowitz lachend: „Ich wäre gerne viel ruhiger an der Linie, aber ich spiele halt immer mit... Philosophie? Ich will natürlich immer gewinnen, 7:6! Da das aber nicht immer machbar sein wird, muss ich sehen was machbar ist. Es gibt Trainer, die sind System-Fanatiker. Ich bin nicht so jemand. Ich schaue mir erst die Spieler an, was sie können. Wenn die Mannschaft keine Defizite hätte, dann würde sie jetzt nicht auf dem zwölften Tabellenplatz stehen. Und so müssen wir jetzt hart arbeiten...“
Hartes Training, das bedeutet in der nun sechswöchigen Vorbereitungszeit vier Mal Training in der Woche und Testspiele am Wochenende. Was hält er von einem Trainingslager? „Ach, wenn uns das Wetter keinen Nackenschlag verpasst, dann brauchen wir nicht weg zu fahren. Mir ist es lieber, die Spieler schlafen nach dem Training im eigenen Bett. In der Meisterschaft wird ja dann auch nicht auf Mallorca sondern in Wanne-Eickel gespielt...“
Zur Person
Peter Wongrowitz, 60 Jahre alt, verheiratet, ein erwachsener Sohn, wohnt in Herdecke, wird in naher Zukunft eine Wohnung in Siegen beziehen.
Bisher letzte Trainerstation war der KFC Uerdingen. Wongrowitz war vom 1. Juli 2010 bis Anfang November 2011 Trainer des NRW-Ligisten KFC Uerdingen. Er hatte den Krefelder Traditionsverein am Ende der Saison 2010/11 zum Aufstieg geführt und rangierte mit seinem Team zum Zeitpunkt seiner überraschenden Entlassung durch den finanzstarken Boss Agissilaos Lakis Kourkoudialos auf dem dritten Tabellenplatz.
Rund 20 Jahre lang war Peter Wongrowitz zuvor in verschiedenen Positionen beim amtierenden Deutschen Meister Borussia Dortmund tätig, zuletzt als Scout. Als Jugendtrainer wurde er mit der U17 des BVB drei Mal Deutscher Meister (1993, 1996 und 1998).
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