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0:0 gegen SG Wattenscheid...

Patient sendet schwaches Lebenszeichen

05.04.2010 | 23:07 Uhr
Patient sendet schwaches Lebenszeichen

Siegen. Als seine Mitspieler den Gang zu den Fans auf der Gegentribüne antraten und sich für ihre kämpferische Leistung den verdienten Beifall abholten, trat Daniel Cartus voller Frust mit einem Kick die Absperrung samt Betonständern vor der Spielerkabine um.

Hätte er diese Kraft auf dem Spielfeld genauso zielgerichtet in seine seltenen Distanzschüsse gelegt, das Aluminiumgehäuse samt Netz wäre hinweggeflogen und die Sportfreunde Siegen wären auch nicht mit einem 0:0 vom Platz getrottet.

Lattentreffer von

Sebastian Huke

War es der Frust über den verpatzten und so dringend benötigten Sieg im Kampf gegen den Abstieg? War es der Frust über die Entscheidungen von Schiedsrichter Markus Schüller, der viele Aktionen gegen die Siegener kleinlich abgepfiffen hatte? Vielleicht war es aber auch der verständliche Ärger über die eigene Leistung: Daniel Cartus wurde abermals seiner Rolle als Führungsspieler nicht gerecht. Und längst nicht jeder verpatzte Pass konnte der 31-Jährige dem holprigen und durchfurchten Platz anlasten.

Nein, die große Auferstehung der Sportfreunde an Ostern war das nicht. Die Tabelle lügt nicht und nach der stehen Siegen und Wattenscheid mit je 26 Punkten auf einem Abstiegsplatz. Doch das ist nach dem gestrigen Spiel nur die halbe Wahrheit. Nach drei Niederlagen in Folge, nach zuletzt elf Gegentoren in drei Begegnungen, empfanden die Spieler das torlose 0:0 als Schritt nach vorne. „Wir haben in dieser Woche viel miteinander geredet, wir wollten als Mannschaft zusammenhalten und die Fehler abstellen. Es hat heute nicht alles geklappt und auch das Quäntchen Glück hat gefehlt”, diktierte Serkan Dahlman in den Notizblock.

Entgegen den beiden Auswärtsspielen gegen Speldorf und Velbert, wo die Mannschaft bereits Auflösungserscheinungen an den Tag legte, zeigten die Spieler gegen die SG Wattenscheid 09 vor 1300 Zuschauern zumindest eine tadellose kämpferische Vorstellung, die sogar dem eher kritischen Ehrenpräsidenten Manfred Utsch gefallen hatte: „Das war doch wieder mal ganz ordentlich.”

Sportfreunde Siegen, SG Wattenscheid 09, Fussball, 05.04.10 Bild: Kerim Arslan (Sportfreunde Siegen, vorne) im Kopfballzweikampf mit Christopher Bartsch (SG Wattenscheid 09)

Wenngleich auch diesmal wieder die Fehlpassquote weit über 50 Prozent lag, der Blick für den besser postierten Mitspieler ebenfalls ins Leere ging und ein Aufbauspiel – das lag aber wirklich auch an dem schlechten Platz – fast gänzlich fehlte, so war die Mannschaft ständig bemüht und guten Willens, das Spiel für sich zu entscheiden.

In Durchgang Nummer eins diktierte die SG Wattenscheid weitgehend das Geschehen. Bereits in der dritten Minute musste Torwart Max Pauli sein Können aufbieten, den Schuss von Timo Erdmann parierte er mit einer Glanztat. Auch in der folgenden Viertelstunde hatten die Gäste mehr vom Spiel.

Wenig Zwingendes

im ersten Durchgang

Die ersten zaghaften Siegener Angriffe erfolgte erst nach Ablauf der ersten 20 Spielminuten: Ein verunglückter Drehschuss von Sebastian Huke am Lattenkreuz vorbei (23.), ein Kopfball von Daniel Bogusz, (27.), der wohl beste Siegener des Tages, und ein Distanzschuss von Daniel Cartus (34.) – viel Zwingendes gelang den Sportfreunden in Hälfte eins nicht.

Tribünengast Andreas Nauroth mit Familie. "Otto" spielte elf Jahre für die Sportfreunde. Foto: cst-Fotografie

In einem zerfahrenen und von vielen Fehlpässen gezeichneten Spiel – typisch Abstiegskampf eben – hatte Siegen von der 65. bis zur 85. Minute die beste Phase. Nachdem Orhan Özkaya eine Flanke an den zweiten Pfosten setzte und dort der kleine Matthew Dallman am Ball nur um Zentimeter vorbeirutschte, hatten die Fans den Torschrei schon auf den Lippen (65.). Wenn Daniel Cartus in der 75. Minuten etwas mehr Wumms und Präzision in seinen Distanzschuss gelegt hätte (siehe oben), spätestens jetzt wäre die Siegener Führung verdient gewesen. Die dickste Chance hatte Sebastian Huke: langer Flankenball von Daniel Cartus auf Matthew Dallman, der schiebt die Kugel im Strafraum zu Huke und dessen Schuss lenkt Wattenscheids Torwart Philipp Kunz soeben noch an die Latte. Sebastian Huke hatte für diese vergebene Chance nur eine plausible Erklärung: „Wenn du unten stehst, im Abstiegskampf bist, dann geht so ein Ding eben drüber!”

Noch ein Freistoß von Emrah Uzun in den Himmel - das war`s. Der Patient Sportfreunde Siegen krankt weiter – setzt aber nach viel Kampf ein erstes Lebenszeichen.

STIMMEN ZUM SPIEL

Peter Nemeth (Trainer SF Siegen): „Womit ich nicht zufrieden bin, ist das Ergebnis. Wir sind für die gute Leistung in der zweiten Halbzeit nicht belohnt worden. Aber die Mannschaft hat Willen und eine kämpferische Leistung gezeigt. Auf diesem Platz kann man keinen schönen Fußball spielen, der letzte Pass kommt nicht an, die Bälle verspringen. In der ersten Hälfte haben wir uns im Aufbauspiel schwer getan, zu viel klein, klein gespielt. In der zweiten Hälfte hat sich die Mannschaft gesteigert, doch zum Tor hat es nicht gereicht, wir hatten heute mehr Pech als Glück. Wichtig ist: Wir haben endlich mal wieder zu Null gespielt.”

Marek Lesniak (Trainer SG Wattenscheid): „Ich war zwei Mal hier als Trainer: Mit Velbert 0:0, jetzt mit Wattescheid 0:0. Ein Spiel auf so einem Platz hat aber keinen Sieger verdient. Wir haben in der ersten Halbzeit versucht Fußball zu spielen, Siegen hat versucht in der zweiten Halbzeit Fußball zu spielen. Ich bin aber mit dem Punkt zufrieden. Ich hoffe, dass beide Mannschaften die Klasse halten.”

Lutz Lindemann (Vorsitzender/Sportlicher Leiter): „Die Mannschaft hat heute alles gegeben, was auf diesem Boden möglich war. Die Moral hat gestimmt und wir haben zu Null gespielt. Wenn man unten drin steht, dann geht so ein Ding von Sebastian Huke eben an die Latte, spielst du oben, ist er drin. Mit fußballerischen Mitteln konnte man heute nichts machen.”

Sebastian Huke (SF Siegen): „Es war ein Schritt nach vorne, wir haben kein Gegentor kassiert. Im Abstiegskampf ist das eben so, da geht mein Schuss nur an die Latte. Wenn wir aber weiterhin so auftreten wie heute, dann halten wir die Klasse.”

STATISTIK

SF Siegen 0

Wattenscheid 09 0

Aufstellung

SF Siegen: Maximilian Pauli – Monir Ibrahim, Daniel Bogusz, Christian Schönwälder, Kerim Arslan – Anis Saidi, Daniel Cartus – Matthew Dallman, Orhan Özkaya – Sebastian Huke, Emrah Uzun.

Trainer: Peter Nemeth.

SG Wattenscheid 09: Philipp Kunz – Christopher Bartsch, Mike Manske, Baum, Farat Toku, Sven Wienecke, Marco Manske, Kevin-Kwaku Adade, Denis Pachutzki, Timo Erdmann, Marcello Asta.

Trainer: Marek Lesniak.

Tore

Fehlanzeige

Schiedsrichter

Markus Schüller.

Zuschauer

1335

Spielplan SF Siegen

Freitag, 9. April 2010

SC Wiedenbrück - SF Siegen 19.30

Sonntag, 18. April 2010

SF Siegen - Hammer SpVg. 15.00

Mittwoch, 21. April 2010

SF Siegen - SW Essen 19.00

Sonntag, 25. April 2010

Berg. Gladbach - SF Siegen 15.00

Sonntag, 2. Mai 2010

SF Siegen - VfB Hüls 15.00

Freitag, 7. Mai 2010

SF Siegen - MSV Duisburg 19.30

Donnerstag, 13. Mai 2010

SF Siegen - 1. FC Kleve 15.00

Montag, 24. Mai 2010

RW Essen II - SF Siegen 15.00

Sonntag, 30. Mai 2010

SF Siegen - Alem. Aachen II 15.00

NRW-Liga-Statistik

Nachholspiele am 5. April

1. FC Kleve - ETB SW Essen 0:0

Tore: Fehlanzeige - Zuschauer: 500

Aachen II - Sprockhövel 1:3 (1:1)

Tore: 1:0 Jansen (34.), 1:1 Demirel (40.), 1:2 Demirel (54., Foulelfmeter), 1:3 R. Meister (63.) - Zuschauer: 280 - Bes. Vork.: Rote Karte (53.) für Wilschrey (Aachen) wegen Notbremse; Rote Karte (60.) für Winczura (Sprockhövel) wegen einer Notbremse. Knieps (61./Sprockhövel) hält Foulelfmeter von Popovic.

Windeck - Schermbeck 2:0 (0:0)

Tore: 1:0 D. Müller (47.), 2:0 Grebe (75.) - Zuschauer: 537

Duisburg II - RW Essen II 1:1

Tore: 1:0 Odak (15.), 1:1 Ivancicevic (31.) - Zuschauer: 170

Gladbach - Hammer SpVg 2:1

Tore: 1:0 Werner (18.), 1:1 Kuntz (25.), 2:1 Hirsch (67.) - Z.: 329

VfB Hüls - SC Wiedenbrück 0:0

Tore: Fehlanzeige - Zuschauer: 380

W. Herne - Fort. Köln 3:0 (1:0)

Tore: 1:0 Onucka (5.), 2:0 Gebauer (47.), 3:0 Ouro-Akpo (74.) - Zuschauer: 500

Frank Steinseifer

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