Olper Ottmar Griffel ist der neue Trainer der Siegener Sportfreunde

Vorstellung: Ottmar Griffel bei einem ersten Gespräch im Kreises des Sportfreunde-Kaders.
Vorstellung: Ottmar Griffel bei einem ersten Gespräch im Kreises des Sportfreunde-Kaders.
Foto: Rene Traut

Siegen..  Ottmar Griffel ist es also. Der neue Mann an der Linie beim Regionalliga-Absteiger Sportfreunde Siegen. Der Trainer, der aus der Region kommt, seit 30 Jahren unterwegs ist im Sauerland und auch im Siegerland, der sich auskennt. „Ein Mann“, wie es der Vorstand Sport der Sportfreunde, Reiner Jakobs, ausdrückt, „auf den sich der Vorstand nach auch kon­trovers geführten Diskussionen einigen konnte.“

Dass er von Beginn an der Favorit in Jakobs’ Notizbuch war und er Ottmar Griffel im Prinzip den Weg ebnete durch die Sportfreunde-In­stanzen, das ist nicht von der Hand zu weisen.

Und auch Ralf Utsch, im Vorstand zuständig für Marketing-Fragen, lässt nicht unerwähnt, dass die Diskussionen um die Stellenbesetzung kontrovers, aber immer im Rahmen guter Zusammenarbeit geführt worden seien.

Neues Kapitel

Nun denn. Es ist ein Kapitel aufgeschlagen worden, mit dem noch vor drei, vier Jahren nicht gerechnet werden konnte. Als alles davon träumte, wieder an die Türen zu klopfen, hinter denen man einst war. Ottmar Griffel erteilt diesen Träumereien eine Absage und stößt damit auf offene Ohren in der Vereinsführung. „Natürlich muss man Ziele haben, das ist doch ganz klar. Aber hier und heute mache ich mich davon frei.“ Klar, Ottmar Griffel ist gerade frisch vorgestellt, hat ab Dienstag mit überwiegend „Frischlingen“ zu arbeiten und betritt ein für Siegener Verhältnisse unbekanntes Terrain. „Jeder, der hier hier antritt, in einem Jahr wieder in der höheren Liga spielen zu wollen, ist fehl am Platz.“

Eine klare Ansage, weitab von Ambitionen, die manch einer im weiteren Vereins-Umfeld hegen mag. „Wir sind ein Amateur-Verein“, schlägt Reiner Jakobs in die selbe Kerbe. „Unsere finanziellen Möglichkeiten lassen mehr nicht zu.“

Weitere Neue eingeplant

Dass er dennoch plant, noch drei, vier so genannte „gestandene Akteure“ in absehbarer Zeit zu verpflichten, verdeutlicht, dass man neben den verbliebenen Serkan Dalman und Mark Zeh - und vielleicht auch Dominik Poremba (soll sich am Dienstag endgültig entscheiden...) - Erfahrung benötigt. Damit das „Abenteuer Oberliga“ bewältigt werden kann. Dass es eines ist, ein solches Abenteuer, mag ein Blick auf den vorhandenen Kader verdeutlichen.

Unterstützung erhoffen sich die Sportfreunde dabei auch weiterhin von Ingo Haselbach. Der aber soll nicht unter Vertrag genommen werden, sondern lediglich beratend tätig sein. „Ein fest angestellter sportlicher Leiter“, so Jakobs, „würde unseren Bemühungen um Bodenständigkeit und Glaubwürdigkeit nicht gerecht.“

Drei Fragen
an den „Neuen“

1 Hallo, Herr Griffel. das Stadion kennen Sie noch, oder?

Klar, hier habe ich in den 80ern ja selbst noch für die Sportfreunde gespielt.

2 Kennen Sie noch Namen von damals?

Erni Meister, Alfred Seiler, Roland Göbel, Dieter Rama, ein Jahr mit Norbert Dickel - alles Jungens aus der Region. Das ging damals in der höherklassigeren Oberliga als heute gut - und das muss auch jetzt wieder das Ziel sein. Andere sportliche Ziele möchte ich gar nicht nennen. Das wäre jetzt total verfrüht. Aber auch damals hatten wir hier schon 4000 Zuschauer - und einmal gegen RW Lüdenscheid sogar 8000.

3 Das ist lange her. Seitdem ist viel passiert - positiv wie negativ. Zuletzt waren es eher negative Dinge. Was wollen Sie daran ändern?

Wir beschreiten einen neuen Weg, müssen zu den Wurzeln zurück. Weil das die einzige Möglichkeit ist, Ruhe in diesen Verein, ins Umfeld zu bekommen. Ich glaube, dass die Verantwortlichen im Vorstand das jetzt erkannt haben, weil es anders zur Zeit nicht möglich ist. In einer solchen Situation müssen die Träume von vergangenen Zeiten einfach beendet werden, darf man nicht an die 3. oder gar die 2. Liga denken. Wir sind Oberliga, ein Amateur-Verein von vielen. Das muss den Leuten bewusst werden. Und sie müssen erkennen, dass es in der Oberliga mit einer neuen, jungen Mannschaft nicht einfach wird.



Kommentar

Die Siegener Sportfreunde auf der Suche nach einer neuen Basis. Es ist die Zeit der Konsolidierung, der Besinnung auf neue Grundsätze. Das gilt für die Suche nach neuen Finanzierungs-Quellen ebenso, wie auf dem sportlichen Sektor. Die ersten Schritte dahin sind unternommen worden.

Zumindest im sportlichen Bereich, weil - und das ist nichts Neues - das Geld für große Sprünge nur schwerlich zu akquirieren ist.

Diese Einsicht ist langsam gereift, aber sie scheint mittlerweile Fuß gefasst zu haben. Insofern ist der eingeschlagene Weg mit der Besinnung auf regionale Blickwinkel der einzig begehbare.

Die Trainer-Personalie zielt ebenfalls in diese Richtung. Ottmar Griffel ist ein bodenständiger Mann in gesetztem Alter. Er hat einen Beruf, dem er nachgeht, schwebt also nicht in irgendwelchen Träumen von höherklassigen Engagements. Ein Mann, den die Sportfreunde in dieser Situation benötigen. Der zudem die Erfahrung aus 30 Trainerjahren - auch in eben diesen fußballerischen Sphären - vorzuweisen hat.

Ganz falsch können die Siegener mit Ottmar Griffel also nicht liegen. Wünschen wir ihm die Ruhe, die es braucht, um diesen Weg zu beschreiten.