Ohne Tore wenig Perspektiven
11.12.2011 | 23:55 Uhr 2011-12-11T23:55:00+0100
Erndtebrück.In der Pause las Pressesprecher „Franjo“ Weisenstein eine Nachricht auf seinem Handy vor. Ex-Stürmer Bakari Sinaba, jetzt beim Hessenligisten SpVgg Hadamar unter Vertrag, hatte sich gemeldet und von Spielen, Toren, Heldentaten berichtet.
Der 28-jährige Spieler aus Mali hatte sich bei den Wittgensteinern bekanntlich einen unrühmlichen Abgang geleistet, aber mittlerweile dürfte auch der TuS Erndtebrück reichlich „Entzugserscheinungen“ nach solch einem Balltreter haben. Einen Spieler wie Sinaba, einen, der nicht nur den Torriecher hat, sondern die Bude dann auch macht, den gibt es im Team von Peter Cestonaro derzeit nicht.
Nun waren die Chancen in dem weniger als mäßigen NRW-Liga-Spiel des TuS gegen den Tabellenletzten Ahlen nicht gerade Massenware, doch zum Sieg hätten die Möglichkeiten für die Wittgensteiner in jedem Fall reichen müssen. Am Ende gewann mit den Gästen eine Mannschaft die Partie von zwei spielerisch minderbemittelten NRW-Liga-Clubs, weil sie den entscheidenden Konter setzte.
„Pulverwald“ wurde Ahlens Wohnzimmer
Blamabel für die Erndtebrücker, die nach dem Auswärtserfolg in Herne (3:0) einen Rundumerfolg gegen das Tabellenschlusslicht feiern wollten, dass Ahlen ausgerechnet im Pulverwald den ersten Saisonsieg landete.
Die Anhängerschaft des „Turn und Sportvereins“ hat den Fußballern längst den Dienst quittiert. Heimspiele des TuS Erndtebrück gleichen einem Totentanz – es sei denn, die Gästefans machen ordentlich Stimmung. Und in puncto „Zwölfter Mann“ ging die Wertung am gestrigen Sonntag klar an die Fans der Mannschaft von Neu-Trainer Joachim Krug. Die trommelten, sangen, skandierten, machten ihren Kickern Beine. Hut ab, vor so viel Enthusiasmus für eine Mannschaft, die es in 16 Spielen nicht geschafft hatte, einen einzigen Sieg zu landen und die bis zum 14. Spieltag nur einen Punkt auf dem Konto hatte. Ahlen machte den „Pulverwald“ zu seinem Wohnzimmer.
Das Umfeld in Erndtebrück scheint ob der äußerst mäßigen Leistungen seiner Balltreter längst kapituliert zu haben – die Euphorie nach dem Aufstieg in die Fünftklassigkeit ist längst Frust gewichen. Es war ein Stochern, Treten und Ballverlieren, die Fehlpassquote enorm – und das galt sowohl für den TuS Erndtebrück als auch für Ahlen. Es gab jedoch einige lichte Momente für die Gastgeber, vor allem in der ersten Hälfte: In der 19. Minute verfehlte Freistoßspezialist Marco Maser nur knapp und dann folgte die 33. Minute: Steve Meißner trat den Freistoß in den Sechzehner, Bruchteile von Sekunden später stand Abwehrspieler Falko Wahl goldrichtig und frei, vergab aus fünf Metern, doch Ahlens Torwart Alexander Hahnemann klärte mit Blitzreflex.
Fünf Minuten später lag dann der Ball im Netz von Torwart Göran Renner, Marcos Brandao Bello war entwischt und hatte aus spitzem Winkel getroffen. Doch Schiedsrichter Philip Holzenkämpfer entschied auf Abseitstor. Ahlens Trainer Krug, der fast auf Ballhöhe stand, war damit überhaupt nicht einverstanden: „Das war ein reguläres Tor!“ Eine Minute vor der Pause vergaben die „Cestonaros“ erneut die Führung: Im Dreierpack scheiterten Diehl, Jung und Schneider und auf der Linie klärte ein Ahlener Feldspieler für den geschlagenen Torwart.
Diese Chancenverwertung sollte sich in den zweiten 45 Minuten rächen. Zunächst vergab Diehl zwei Mal hochkarätige Möglichkeiten (52./66.) – dann waren die Gäste am Zug: Schneller Konter, Nas mit Querpass auf Said und es steht 0:1. In der 81. Minute fingerte Torwart Renner die Bogenlampe von Said noch soeben über die Querlatte. Schlusspfiff, es bleibt beim 0:1. Erndtebrück nimmt das Pleitepäckchen mit unter den Weihnachtsbaum und die Erkenntnis mit ins Jahr 2012: Nur gut, dass es in der „Spaßsaison“ keinen Absteiger gibt.
STIMMEN SPIEL
Peter Cestonaro (Trainer TuS Erndtebrück): „Wenn man die Zuschauer und Fans von Ahlen sieht, dann hatten wir hier heute nicht gerade ein Heimspiel. Unser Spiel war sehr zerfahren, wir hatten keinen Spielaufbau und vieles blieb nur Stückwerk. Und wenn man dann so klare Torchancen vergibt, wie wir das tun, dann muss man sich nicht wundern, dass man nicht gewinnt. Wir hatten schon in der ersten Hälfte die klareren Möglichkeiten: Aus fünf Metern, er kann sich die Ecke aussuchen, machen wir das Tor nicht und vor der Halbzeitpause haben wir einen Dreierschlag, schießen dabei den Torwart an. Im zweiten Durchgang ist dann Diehl endlich frei durch, doch er vergisst leider, das Spielgerät mitzunehmen und ohne das geht es nun mal nicht. Und dann fangen wir uns einen Konter durch die Mitte und das Ding ist gelaufen. Wir haben unser Spiel, das wir vergangene Woche gegen Herne gezeigt haben, vermissen lassen.“
Joachim Krug (Trainer RW Ahlen): „Mir war klar, wer hier heute das erste Tor schießt, der gewinnt. Die erste große Chance hatte Erndtebrück durch einen dicken Fehler unserer Innenverteidigung. Wäre der drin gewesen, wäre das Spiel vielleicht ganz anders verlaufen. Was allerdings heute mit dem Linienrichter los war, kann ich nicht sagen. Der hatte irgendwelche Probleme mit seinem Arm und der Fahne. Er hat ein klares Tor als Abseits abgewunken, eine absolute Fehlentscheidung. Wir haben dann den Konter setzen können, das Tor gemacht und haben letztlich auch verdient gewonnen und den ersten Sieg der Saison gelandet. Wir sind Tabellenletzter, toll wie uns unsere Fans immer noch unterstützen.“
STATISTIK
TuS Erndtebrück: Göran Renner, Falko Wahl (84. Timo Dreisbach), Sascha Leicher, Manuel Jung, Torben Schneider, Marco Maser, Sebastian Nachilo (62. Paul Wadolowski), Manuel Jung, Nicolas Meiswinkel (76. Benjamin Thorbeck), Thomas Bednorz, Steve Meißner (60. Hinkel), Patrick Diehl. Trainer: Peter Cestonaro.
Rot Weiß Ahlen: Hahnemann, Nas, Thiele, Thamm, Glöden, Cabuk (79. Szymaniak), Said (84. Hecker), Venker, Ramsey, Stroemer, Brandao (58. Kusakci). Trainer: Joachim Krug. Tor: 0:1 Chamdin Said (74.). Schiedsrichter: Holzenkämpfer (Wallenhorst). Zuschauer: 310.
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