Noch zwei Schritte bis ins Paradies

Patrick Bettig erzielte beim 36:29-Sieg des TuS Ferndorf gegen die HSG Handball Lemgo II vier Tore.
Patrick Bettig erzielte beim 36:29-Sieg des TuS Ferndorf gegen die HSG Handball Lemgo II vier Tore.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Mit dem 25. Sieg in Folge hat Handball-Drittligist TuS Ferndorf die Tür zur 2. Liga ein weiteres Stück aufgestoßen. Zum überragenden Spieler beim Sieger avancierte der zwölffache Torschütze Alexander Koke.

Kreuztal..  Das Lob kam nicht von Irgendeinem im deutschen Handball, sondern von einem Weltmeister. 2007 gewann Florian Kehrmann mit der Nationalmannschaft den WM-Titel. Am Samstag beim Gastspiel gegen den TuS Ferndorf half der Coach der Bundesliga-Mannschaft des TBV Lemgo als Coach der Lemgoer Youngsters aus, verlor gegen den Tabellenführer mit 29:36 und gratulierte dem Gastgeber mehr oder weniger schon zum Aufstieg: „Ich bin froh, dass wir uns mit einem künftigen Zweitligisten messen durften.“ Und: „Das Ding ist jetzt durch. Ferndorf steigt verdient auf!“

Schleppend ins Spiel gefunden

Kehrmann musste anerkennen, dass er mit seinem schmalbrüstigen Kader – zwei Torhüter, aber nur zwei Feldspieler – unterm Strich nichts zu bestellen hatte gegen den Primus, der sein 25. Spiel in Folge gewann, aber trotzdem eben noch nicht die sportliche Qualifikation für die 2. Liga geschafft hat. Dies kann frühestens am nächsten Sonntag in Duisburg gelingen, wahrscheinlicher aber ist, dass der TuS Ferndorf im nächsten Heimspiel am 2. Mai gegen Gladbeck die Sache perfekt macht. Meisterschaft feiern und den Aufstieg mit den eigenen Fans schaffen, das wär’s doch für den TuS.

Trotz des klaren Ergebnisses konnte von einem Zuckerschlecken für die Kreuztaler vor knapp 1000 Fans an der Stählerwiese zunächst keine Rede sein. TuS-Trainer Erik Wudtke machte dafür die mehrwöchige Wettkampfpause in den Ferien verantwortlich („Die Mannschaft hat gemerkt, dass es nach einer Pause nicht einfach ein, zum Rhythmus zu finden“). Sein Team lag zu Beginn zurück, ging dann mit 5:2 in Führung, doch nach gut 20 Minuten stand es plötzlich wieder 11:10 für die Gäste, die mit hoher spielerischer Qualität überzeugten und davon profitierten, dass Rückraumhüne Georg Pöhle nach Belieben „pöhlen“ durfte. Wudtke nahm die Auszeit, stellte die Deckung auf eine defensivere Variante um, stärkte das Zentrum und schränkte damit auch Pöhle ein, der seinen acht Toren vor der Pause nach dem Wechsel nur noch drei folgen lassen konnte.

Sein Pendant auf der anderen Seite war Alexander Koke – mit einem Unterschied: Der Ferndorfer Co-Trainer war von der ersten bis zur letzten Minute präsent, erzielte zehn Feldtore, verwandelte beide Siebenmeter und bereitete zudem noch etliche TuS-Tore mit „Zuckerpässen“ vor. Koke entpuppte sich erneut als Denker und Lenker. Beim 14:14 blieb Lemgo ein letztes Mal auf Augenhöhe, dann schafften Bennet Johnen (2), Daniel Mestrum und der für den fahrig wirkenden Niklas Weis eingewechselte Kevin John für einen Tore-Viererpack zum 18:14.

TuS lässt sich nur kurz ärgern

Entschieden wurde die Partie gegen den Tabellendritten kurz nach der Halbzeit, als Julian Schneider, Mestrum (2), Johnen und der mit einer guten Trefferquote aufwartende Patrick Bettig aus dem 19:17 ein 24:17 machten. Der Rest war Formsache gegen einen Gast, der sich mit seinem Rumpfteam tapfer über Wasser hielt, ein Debakel vermied und sich auch an den vielen schön herausgespielten Toren beteiligte. „Wir haben Ferndorf wenigstens ärgern können“, sagte Kehrmann. Aber: Allzuviel ließ sich der Liga-Erste nicht ärgern. Wudtke wechselte, als der Sieg eingetütet war, gleich auf mehreren Positionen – Optionen, die Kehrmann nicht hatte. Und es war irgendwie bezeichnend und verdient zugleich, dass mit Alex Koke der überragende Mann auf dem Feld nicht nur das 30. TuS-Tor erzielte, sondern von der Siebenmetermarkierung auch den Schlusspunkt setzte, sein Dutzend voll machte und damit auch das Rennen gegen Pöhle gewann.