Niederlage für Ferndorf im Spitzenspiel gegen Lemgo II
22.01.2012 | 22:40 Uhr 2012-01-22T22:40:00+0100
TuS Ferndorf – HSG Lemgo II 30:31. Der TuS Ferndorf hat das Spitzenspiel in der 3. Liga gegen Spitzenreiter HSG Lemgo II knapp mit 30:31 (13:17 ) verloren. „Es ist kein Beinbruch, gegen eine so starke Mannschaft zu verlieren, von der einige Spieler noch den Sprung in die Bundesliga packen werden“, sagte Ferndorfs Trainer Caslav Dincic.
Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten die verbliebenen Ferndorfer Zuschauer über den hart erkämpften Punkt, bevor sie sich auf den nasskalten Heimweg machten. Ein Tor in letzter Sekunde hatte das Remis bedeutet – allerdings im Spiel Deutschland gegen Serbien, dessen Schlussphase im Foyer übertragen wurde.
Beim Spitzenspiel der 3. Liga West war die späte Rettung für die Ferndorfer ausgeblieben. Tim Hilger blieb vorbehalten, vom Kreis den 30:31-Endstand zu markieren, danach kam der TuS für die letzten Spielsekunden gegen den verdienten Auswärtssieger aus Ostwestfalen nicht mehr in Ballbesitz.
Kurz vor Abpfiff passten die Zeitnehmer nicht auf, die Uhr lief herunter und für eine quälend lange Zeitspanne verkündete der Alarmanlagen-Sound der Hallenuhr vorab schon einmal die Niederlage – und höchstwahrscheinlich die Verabschiedung vom zweiten Meistertitel, insofern Lemgo keinen Leistungseinbruch mehr verzeichnet.
„Lemgo wird Meister, wenn sie so weitermachen. Es ist kein Beinbruch, gegen eine so starke Mannschaft zu verlieren, von der einige Spieler noch den Sprung in die Bundesliga packen werden“, sagte Ferndorfs Trainer Caslav Dincic. Eins dieser Talente, von denen Dincic sprach, war Kraftpaket Marcel Niemeyer; der Kreisläufer der Lemgoer A-Jugend leistete insbesondere in der Deckung Unersetzliches. Talent zwei, Rückraumspieler Finn Lemke, stellte Ferndorf bereits mit seiner Größe von 2,10 Meter vor besondere Aufgaben, insgesamt erzielte er acht Tore aus der „dritten Etage“.
Die Zuschauer in der „Stählerwiese“ bekamen das erwartet spannende Spiel zu sehen, in dem Lemgo aber in vielen Phasen leichte Vorteile erkennen ließ.
Die Niederlage der Nordsiegerländer konnte man mit einigen Faktoren erklären: Ein deutlich verlorenes Torwartduell (Hamers und Rottschäfer bekamen nicht viel zu fassen, Formella auf der Gegenseite hielt einige wichtige Bälle), ein paar Gegenstoßtore zu viel und einige zu leichte Fehler in den ganz wichtigen Momenten.
So etwa kurz vor der Pause beim Stand von 13:16. Der TuS hatte gegen Lemgo von Beginn an hinten gelegen, in den ersten 30 Minuten keinen Ausgleich erzielen können – auch, weil Ferndorf in den ersten zehn Minuten bereits zwei Siebenmeter „versemmelt“ hatte. Während Lemgos Arjen Haenen auf sieben Strafwurftore in sieben Versuchen kommen sollte, sollten die Gastgeber später noch einmal an der Marke scheitern: Drei Tore, die in der Abrechnung ganz weh tun. Nun also der letzte Angriff der ersten Hälfte, zehn Sekunden auf der Uhr, Freiwurf für Ferndorf. Der kämpferisch wie immer vorbildliche Christian Stelzenbach möchte ihn ausführen, das Spielgerät bleibt zu stark an seinen Händen kleben – Ballverlust Ferndorf, Gegenstoß Lemgo: 13:17 statt 14:16 zur Pause.
Ein Fehler, der jedem mal passieren kann. Der TuS hatte aber das Pech, diese Fehler zu oft in Schlüsselszenen erleiden zu müssen. Das setzte sich nach der Pause fort.
Die lange Aufholjagd hatte Kraft gekostet
Die Gastgeber hatten ihre liebe Mühe gegen die starke 3:2:1-Deckung der HSG, sollte Ferndorf noch eine Chance bekommen, musste dies also über die eigene Abwehr erarbeitet werden.
Die stabilisierte sich nun auch zusehends, wenngleich Dincic zwischenzeitlich das gewohnte 3:2:1-System verlassen musste, um Lemgo vor neue Aufgaben zu stellen. Doch die Arbeit zahlte sich aus: Als Ferndorf in der 43. Minute zunächst den Anschluss zum 22:23 und kurz darauf den Ausgleich schaffte.
Die Erkenntnis, dass alles wieder möglich war, schien nicht ganz im Gedächtnis verhaftet zu sein. Denn in den Interviews benannten sowohl Ferndorfs Max Hamers als auch Gästetrainer Niels Pfannenschmidt später den wichtigen Fakt, dass „nie der Ausgleich gefallen sei“. Trotzdem: Die lange Aufholjagd, bis das 23:23 gefallen war, hatte insbesondere im Kopf Kraft gekostet, das sollte nicht ohne Folgen bleiben. Denn dem TuS boten sich in der Folge noch Chancen, in Führung zu gehen und (später) zumindest wieder den Ausgleich zu erzielen – sie blieben ungenutzt. So etwa, als Ferndorf sich von 24:27 (47.) auf 26:27 zurückkämpfte und Alen Sijaric auf Linksaußen frei stehend am starken Formella scheiterte.
Oder, als zunächst Hamers ein Rückraumwurf unglücklich durch die Hosenbeine rutschte und auf der Gegenseite wieder Formella einen Rückraumversuch von Aust einfach fing: Alles kleine Szenen, die unterm Strich den großen Unterschied ausmachten. So konnte man Ferndorf für die kämpferische Leistung und die Moral Bestnoten erstellen – musste insgesamt aber die Gäste als verdienten Sieger bezeichnen.
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