Nach dem Finale ist vor dem Liga-Finale

Jan-Patrick Kadiata (TuS Erndtebrück) und Janek Bäcker (Sportfreunde Birkelbach)
Jan-Patrick Kadiata (TuS Erndtebrück) und Janek Bäcker (Sportfreunde Birkelbach)
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ein Punktgewinn beim Verfolger SV Brilon reicht, um als Zweiter in die Aufstiegsrelegation zur Fußball-Landesliga einzuziehen. Doch der Gegner ist in starker Form.

Birkelbach..  Es gibt auch im Amateurfußball deutlich schlimmeres, als vor einer Kulisse von 927 Zuschauern gegen einen künftigen Regionalligisten das Kreispokalfinale knapp mit 1:3 zu verlieren. Diese Feststellung thront ohne Zweifel über der Leistung des „kleinen“ Bezirksligisten Sportfreunde Birkelbach – auch wenn es am Ende durchaus zwei Interpretationen der „Nachwehen“ des Abnutzungskampfes am Mittwochabend gibt.

Der Zyniker würde den Birkelbachern eine herausragende Leistung attestieren, allerdings ebenso frech bemerken, dass die Wittgensteiner ihre starke Saison innerhalb von 96 Stunden zu verspielen drohen: Mit einer Niederlage am Wochenende beim SV Brilon (Sonntag, 15 Uhr) bliebe Birkelbach auch der Relegationsplatz in der Bezirksliga 4 verwehrt und die Bezeichnung „Vizebach“ könnte Kult-Status erlangen. Umgekehrt reicht ein Unentschieden, um Platz 2 abzusichern – dann könnten die Sportfreunde mit zwei Siegen in der Relegation in die Landesliga aufsteigen.

Marius Afflerbach wieder im Kader

Erndtebrücks Fußball-Abteilungsleiter Dirk Beitzel zollte Birkelbachs Trainer Björn Breuer „Riesenrespekt“ für die Pokal-Leistung, sagte aber auch: „Eure Spieler werden am Sonntag leiden.“ Auch Breuer fürchtet, dass sein Team in Brilon die Zeche für das Pokalspiel zahlen muss, denn Brilon ist in einer tollen Verfassung, holte zuletzt 26 von 30 möglichen Punkten und geht ausgeruht ins Spiel. „Deshalb hat die halbe Stunde Verlängerung hat richtig weh getan.“

Bis Sonntag steht einzig „aktive Erholung“ auf dem Programm – und jede Menge Massage-Zusatzschichten für die Physiotherapeuten. Fraglich sind nach dem Pokalspiel Arne Löcherbach und Daniel Spies, für den Marius Afflerbach nach abgesessener Rotsperre wieder in die Innenverteidigung rücken könnte. „Unsere Angeschlagenen wollen alles probieren. Die Mannschaft steht total unter Feuer“, sagt der Sportliche Leiter Christof Hoffmann. Auch beim Birkelbacher Schützenfest an diesem Wochenende hat sich die Mannschaft deshalb Zurückhaltung verschrieben.

Zurück zur allgemeinen Betrachtung: Anders als der Zyniker sieht der Realist die Fakten und kann die Leistung im Pokal, aber auch in der Bezirksliga, nicht hoch genug hängen. So begeisterten die Sportfreunde mit attraktiven und erfolgreichen Fußball, dessen Protagonisten teilweise ihr erstes Jahr auf der Seniorenebene absolvierten. Junge Spieler wie Jonas Wetter, Joey Dohle, Jonas Völkel, Niklas Busch oder auch Janek Bäcker dürften nicht erst seit Mittwochabend die Begehrlichkeiten zahlreicher Vereine auf Kreisebene geweckt haben. An Torwart-Talent Bäcker verzweifelten die zukünftigen Regionalliga-Kicker des TuS reihenweise. Bezeichnend war, das gleich drei Erndtebrücker Spieler nach dem Schlusspfiff erst dem 19-Jährigen Trost zusprachen bzw. zu einer herausragenden Leistung gratulierten – und erst dann mit ihren Kollegen feierten.

Nach eingehender Betrachtung dürfte nun klar sein, dass der Zyniker sowohl bei einem Sieg als auch bei einer Niederlage in Brilon schweigen sollte. Gegen Erndtebrück quittierten geschätzt neunzig Prozent der Zuschauer den Auftritt der Birkelbacher mit donnerndem Applaus – trotz Niederlage. Wohl ein Zeichen an alle Realisten: Egal, wie die Partie am Sonntag in Brilon endet, die Saison der Sportfreunde war sensationell und der Weg ist noch nicht zu Ende. Das weiß auch Björn Breuer: „Die Mannschaft ist nach wie vor hungrig.“