Nach dem Aufstieg beginnt die Arbeit

Im Vereinsheim des TuS Erndtebrück ging es am Sonntagabend hoch her. Die ausgelassene Feier hatten sich die Spieler aber nach dem Aufstieg in die Regionalliga auch verdient
Im Vereinsheim des TuS Erndtebrück ging es am Sonntagabend hoch her. Die ausgelassene Feier hatten sich die Spieler aber nach dem Aufstieg in die Regionalliga auch verdient
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ausgelassen haben Spieler und Fans des TuS Erndtebrück den Aufstieg in die Fußball-Regionalliga gefeiert. Für die Vereinsverantwortlichen aber beginnt nun die Arbeit.

Erndtebrück..  Als Dirk Beitzel und Michael Schön am ehrwürdigen Schloss Strünkede in den tanzenden, johlenden Mannschaftsbus kletterten, da sahen auch aus wie die begossenen Pudel. Bier- und Sektflaschen hatten sich über ihren Köpfen entleert, die T-Shirts klebten am Körper. „Und das nach drei Tagen Mannschaftsfahrt mit den Alten Herren“, wusste Michael Schön, der zweite Vorsitzende der Fußball-Abteilung des TuS Erndtebrück, nicht, wo er und sein Kollege Dirk Beitzel die „Körner“ hergeholt hatten, auch diesen Trubel in Herne noch zu verkraften.

Es war für das Duo nicht der letzte Akt dieses Sonntags, der ausgelassen gefeiert wurde, im Bus und später am Pulverwald, „wo“, wie sich Beitzel, der erste Vorsitzende, freute, „doch eine ganze Menge Leute versammelt hatten, um die Mannschaft und ihren Tross würdig willkommen zu heißen.“ Die Mannschaft und die Regionalliga, das unbekannte Neuland in der Fußball-Geschichte des TuS, der seine Chronik um eine weitere Erfahrung erweitern wird, wenn der Ball ab dem 1. August in neuer Umgebung rollt.

Bis es so weit ist, wird sich eine Menge hinter den Kulissen tun. Da verrät man nicht zu viel. „Aber“, so schwächt Beitzel ab, „irgendwie auch wieder nicht...“ Klar, das Gesicht der Mannschaft wird sich an einigen Positionen verändern. Umtriebig arbeitet der Trainer und Sportliche Leiter Florian Schnorrenberg an diesem Projekt, das die Erndtebrücker viertklassig macht im deutschen Fußball, im näheren Umkreis zur neuen Nummer eins der Kicker-Hierarchie. Da hat der erste Neuzugang mit Sven Engelke, vom 1. FC Köln gekommen, für zwei Jahre unterschrieben (unsere Zeitung berichtete), da verlängerte aus dem Meister-Team „ganz frisch“ ein weiteres Trrio (siehe Info-Box) um ein Jahr. Zuvor hatte der TuS ja bereits die Vertragsverlängerungen von Kapitän Thomas Ziegler, Philipp Böhmer, Tokio Nakai, Luis Stephan, Özgür Öncü, Jan-Patrick Kadiata und Top-Torschütze Laurenz Wassinger bekannt gegeben. Erste Eckdaten also stehen, an weiteren wird gearbeitet.

Finanzieller Rahmen ändert sich

Unverändert aber bleiben wird die Struktur beim TuS. Die Fußballer werden weiterhin als Abteilung des großen Gebildes TuS Erndtebrück ihrem Job nachgehen. „Es wird nichts ausgegliedert“, verrät Dirk Beitzel, „es gibt keine GmbH und keinen Geschäftsführer, und niemand wird sich drei- oder viermal die Woche in eine Geschäftsstelle setzen.“ Die Arbeit um die Fußballer herum – und da zählt der Abteilungs-Chef die der E-Jugend genau so zu wie die der Alten Herren – wird weiterhin im „Privaten“ oder eben – wie im Fall des fast kompletten Vorstands – hinter den Türen des Erndtebrücker Eisenwerks erledigt. Alles wie gehabt.

Dass sich am finanziellen Rahmen etwas ändern wird, Gespräche mit Gönnern und Sponsoren zu führen sind, daraus macht Dirk Beitzel keinen Hehl. Doch wie so üblich ist hinter den Tannen des Pulverwalds: An die große Glocke hängen will man hier nichts. Da kocht die Suppe – auch in der Regionalliga - ein bisschen anders als anderswo. „Ab Donnerstag“, so viel verrät Beitzel aber, „beginnen die Termine für unsere Gespräche. Und wir werden uns unsere Gedanken machen...“

Natürlich über den Fußball, wie alles sein wird in Erndtebrück und wie das Dorf mit der ganzen Sache umgehen wird. Wenn plötzlich der Ortsname in einem Atemzug mit Fußball-Tradition á la RW Essen, RW Oberhausen oder Alemannia Aachen fällt. Und natürlich wird man sich hauptsächlich mit denen befassen, mit denen man sich in der unteren Region der Tabelle zu messen haben wird. Denn verblendet ist man auch angesichts der so gut wie feststehenden Oberliga-Meisterschaft und dem seit Sonntag zementierten Aufstieg nicht. „Wir haben uns schon die Liste der Mannschaften angeschaut und suchen nach denen, die um den Klassenerhalt spielen werden“, so Dirk Beitzel Kandidaten hat man ein paar ausgemacht. Realistisch betrachtet, ist das das zu erwartende Umfeld.

Aber so richtig daran denken wird man in den nächsten Tagen nicht am Oberlauf der Eder, wo das noch zart plätschernde Flüsschen das ebenso zarte Pflänzchen der Regionalliga-Zugehörigkeit umspült. Erndtebrück – das ist ein Stück heile Fußball-Welt. Und wenn es nach den Erndtebrückern geht, soll es das auch bleiben. Am liebsten natürlich über viele Jahre in der Regionalliga.