Mit Rebecca Robisch unterwegs Richtung Ziel

Unterwegs mit den Triathletinnen des Ejot-Teams am Rhein.
Unterwegs mit den Triathletinnen des Ejot-Teams am Rhein.
Foto: WP

Düsseldorf..  Es ist Sonntag, kurz nach 8 Uhr. Es herrscht unaufgeregtes Treiben in der Frühstücks-Lobby des Hotels Courtyard im Düsseldorfer Medienhafen, obwohl es kein Tag wie jeder andere ist. Vieles erinnert an diesem schönen Morgen an ein gemeinsames Frühstück in einer Sportschule, denn kaum ein Stuhl, der nicht mit einem sportlich gekleideten, drahtigen und gebräunten Menschen besetzt ist. Es sind Triathleten der Spitzenklasse.

Müsli statt Nutella,Wasser statt Kaffee, Obst statt Croissants – die Sportler können das opulente Büfett nicht auskosten, denn ihnen steht ein harter Wettkampf bevor. Wenige Schritte entfernt fällt gleich der Startschuss zum dritten Bundesliga-Triathlon der Saison. Mit dabei die erfolgshungrigen Männer und Frauen vom Ejot-Team TV Buschhütten.

Von Nervosität ist bei Top-Athletin Rebecca Robisch aber noch nichts zu spüren. Die 27-Jährige, mit Buschhütten 2013 und 2014 bereits deutscher Mannschaftsmeister, plaudert tiefenentspannt mit Team-Manager Rainer Jung und dessen Frau Sabine, die an diesem wichtigen Wettkampftag ihren 56. Geburtstag feiert, über das bevorstehende Rennen. Robisch ist erfahren genug zu wissen, wie sie sich vorbereiten muss. In der Woche davor wurde das Training eingeschränkt. „Und ich muss einige Nächte mindestens zehn Stunden schlafen“, erzählt sie. Kurz vor dem Sprint, dieser einstündigen Höchstbelastung, wird dem Körper nur noch leichte, kohlehydratreiche Kost zugeführt.

Damit werden die Energiespeicher aufgefüllt. Alles Routine. Da bereitet Robisch mehr Sorge, dass sie sich am Freitag eine Schnittwunde am Finger zugezogen hatte. Beim Zwiebel schneiden passierte es. Unsereins klebt ein Pflaster drauf, fertig. Hochleistungssportler sind da empfindlicher, zumal dann, wenn, wie beim Triathlon, Wasser in Wunde laufen kann und beim Radsplit der Lenker gehalten werden muss. „Aber es ist mehr eine Kopfsache“, schmunzelt Rainer Jung.

Nun, die Blessur ist nicht schlimm, denn wenig später pumpt Robisch die Reifen ihres sündhaft teuren Rades mit voller Kraft auf. Das Rad ist eines der Heiligtümer. Es darf sogar mit im Hotelzimmer übernachten und steht damit quasi unter ständiger Beobachtung.

In Mannschaftsstärke geht’s rüber zum Check in für den Wettkampf. Langsam steigt die Anspannung. In der Wechselzone werden Rad und Laufschuhe positioniert, denn die erste Disziplin ist das Schwimmen. Bevor Rebecca Robisch, Hanna Philippin, Svenja Bazlen und Rachel Klamer in einer Linie und in den auffällig roten Anzügen vom Ponton in die dunkelgrüne Brühe des Medienhafens springen, wird sich nebenan mit leichtem Laufen aufgewärmt. Wer die Athletinnen jetzt stört, hat schlechte Karten. Die Sportlerinnen nähern sich dem „Tunnel“, der Phase höchster Konzentration.

Auf dem roten Teppich

Dann der Startschuss. Wie hochgezüchtete Rennpferde, die endlich aus ihrer Box gelassen werden, springen die Triathletinnen ins gut 20 Grad warme Wasser, suchen sich ihre Position und kraulen, begleitet vom Applaus tausender Zuschauer, eine Strecke von 750 Metern.

Ganz vorne ist Robisch nicht dabei, aber das Schwimmen ist auch nicht ihre Stärke. Dann der Wechsel auf’s Rad, immer eine spannende Sache. Klappt alles? Perfekt. Die Deutsche Sprint-Vizemeisterin von 2014 fährt sich in die Spitzengruppe, zieht ihre drei Teamkolleginnen mit. Nach 20 Kilometern runter vom Rad, schnell rein in die bereitstehenden Laufschuhe. Schnürsenkel schnüren – das war einmal. Jetzt noch fünf Kilometer durchhalten.

Inzwischen brennt die Sonne, kein Lüftchen weht, aber die Triathlon-Fans am Streckenrand treiben die Athletinnen an. Die mobilisieren ihre letzten Kräfte, als der rote Teppich die letzten Meter vor dem Ziel markiert. Die führende Laura Lindemann, ein hoffnungsvolles Talent, kann Robisch ebenso nicht mehr packen wie die routinierte Anna Haug, aber Platz drei ist ein starkes Ergebnis für die Saarbrückenerin und die Basis für den erneuten Teamsieg der Buschhüttener Frauen.

Erschöpft lässt sich Robisch hinter der Ziellinie zu Boden fallen, aber nach kurzer Zeit ist sie schon wieder auf den Beinen, gratuliert anderen, lässt sich beglückwünschen, gibt Interviews und freut sich mit den anderen Buschhüttener Frauen, die ebenfalls einen tollen Wettkampf gezeigt und die Führung in der Bundesliga-Tabelle ausgebaut haben. Das Adrenalin verdrängt die Folgen der Quälerei für Körper und Geist. „Ich habe den Anspruch, sowohl im Team als auch bei der DM vorne dabei zu sein“, hatte Robisch beim Frühstück gesagt. Diese Ziele hat sie in Düsseldorf erreicht.