Mit japanischem Kampfsport die persönliche Entwicklung fördern

Weidenau..  Judo – dieses kurze zweisilbige Wort beschreibt die aus Japan stammende Kampfsportart, deren Wurzeln ins 8. Jahrhundert zurück reichen und die seit 1964 zum Programm bei Olympischen Spielen gehört. Die Übersetzung – „sanfter Weg“ – deutet an, dass es beim Judo aber um mehr geht als den sportlich-fairen Kampf Mann gegen Mann auf der Matte. Nein, Judo ist auch ein Mittel zur Persönlichkeitsentwicklung, es dient dem gegenseitigen Verstehen und Helfen und stellt auch an den Geist eine besondere Herausforderung.

Bernd Stausberg hat dies längst verinnerlicht. Er war ein erfolgreicher Judoka, ist seit vielen Jahren Trainer bei den Judofreunden Siegen-Lindenberg und gibt seine Erfahrungen weiter. Dies aber nicht nur im Verein. Im 21. (!) Jahr leitet Stausberg eine Judo-AG an der Lindenschule, der Förderschule des Kreises Siegen-Wittgenstein am Bismarckplatz. Jeden Mittwoch während des Schuljahres wird im Bewegungsraum der Lindenschule getobt, gelaufen und auch ein wenig gekämpft. Und es ist immer jede Menge Spaß im Spiel. Die neunjährigen Jungen und Mädchen der zweiten Klassen, die bei der Judo-AG mitmachen, sind unterschiedlich stark sprachbehindert. Viele von ihnen haben noch andere motorische oder geistige Beeinträchtigungen, aber eines verbindet sie: Der Spaß am Sport, an der Bewegung, an der Gemeinschaft.

„Ich vermittele das verantwortungsbewusste Handeln als Prinzip des Kampfsports“, sagt Bernd Stausberg. Hört sich eher abstrakt an. In der Praxis sieht das so aus, dass sich die Judo spezifischen Bewegungsabläufe in Grenzen halten. Stausberg geht es vielmehr darum, „dass sich die Kinder nicht in Gefahr bringen und Rücksicht aufeinander nehmen.“ So würden die Kinder ganz schnell ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln. „Es macht Spaß mitzuerleben, wie sich die Kinder entfalten“, freut sich Stausberg immer wieder aufs Neue, wenn er sieht, wie sich die motorischen Fähigkeiten der Mädchen und Jungen verbessern. Und auch die mentale Seite ist für Stausberg ein nicht zu unterschätzender Faktor. Wenn die Kids bei den leichten Wurftechniken sogar ihren Trainer im wahren Sinne des Wortes auf’s Kreuz legen, dann jubelt die gesamte Gruppe. Ob Fallen, Werfen, Halten oder der spielerisch-leichte Kampf mit Aktion und Reaktion – die Schüler schöpfen Kraft aus diesen Erfolgserlebnissen, sind sie auch noch so klein.

Schulleiter Dieter Lammersdorf schaut immer mal wieder rein, wenn sich die Kinder austoben, denn: „Judo ist für unsere Schule ein Mittel zum Zweck, eine Art Therapie. Bewegung fördert Koordination und damit auch die Konzentration.“ Aber wie kaum ein anderer Sport trage Judo auch zu einem korrekten Regelverhalten und dem Respekt vor dem Gegenüber bei. Finanziert wird die Judo-AG vom Förderverein der Schule und den Eltern der teilnehmenden Kinder. Und weil sie ein Erfolgsmodell ist, wird es sie auch im neuen Schuljahr geben. Natürlich mit Bernd Stausberg.