Lara Saßmannshausen turnt ganz oben

Kreuztal/Niederschelden..  Einen Deutschen Achtkampf zu bestreiten, dazu gehört schon was. Rund sieben Stunden – der Zeitplan war etwas zu eng gestrickt und konnte nicht eingehalten werden – hetzten die Turnerinnen der Sportfreunde Birkelbach bei den NRW-Meisterschaften dieses Turnwettkampfs von einer Disziplin zur nächsten. 100-Meter-Lauf, Weitsprung, Kugelstoß, Schleuderballwurf, Stufenbarren, Schwebebalken, Boden und Sprung standen auf dem Programm. Immer wieder waren Höchstleistungen gefragt – und über Müdigkeit oder Schmerzen zu klagen, hilft da nichts.

Zur Königin der NRW-Turn-Athleten wurde am Abend mit Lara Saßmannshausen eine Wittgensteinerin gekürt. Keine Überraschung, könnte man meinen, nachdem die 20-Jährige im Vorjahr Deutsche Achtkampf-Meisterin geworden war. Doch diesmal war sie nicht in einer Jugendklasse dabei, sondern bei den Frauen (W20+). Und deshalb ordnete Saßmannshausen den Sieg auf Landesebene sogar höher ein als ihre nationalen Titel. „Hier hat man eine Konkurrenz aus zehn Jahrgängen, nicht aus zwei“, erklärte Lara Saßmannshausen.

Gleich zu Beginn hatte sie in 12,94 Sekunden eine persönliche Bestleistung über 100 Meter aufgestellt, nachdem WP-Mitarbeiter Karl-Heinz Messerschmidt noch ein Tipps zur Optimierung des Startblocks gegeben hatte. „Vom Gefühl her hat es was gebracht“, freute sich Saßmannshausen und legte starke 5,26 Meter im Weitsprung nach. Zwar waren auch Hänger dabei – nach zwei Absteigern am Stufenbarren und einem nicht gestandenen Salto am Schwebebalken rutschte Saßmannshausen auf Platz 2 ab – doch nach einem ganz starken Abschluss am Sprung war es ein grandioser Achtkampf, der ihr die Qualifikation zu den Deutschen Turnerbund-Mehrkampfmeisterschaften (19. und 20 September) bescherte.

Ob sie auch bei den Frauen ein Wort um den nationalen Titel mitsprechen kann, darüber wagt die Birkelbacherin noch keine Prognose: „Die Wettkampfergebnisse sind immer ein bisschen von den Kampfrichtern abhängig und deshalb schwer zu vergleichen. Jetzt kann ich nur die Konkurrenten einschätzen, die auch hier dabei waren.“

Begleitet zu den „Deutschen“ – und das, obwohl die Norm deutlich verschärft worden war – wird die Birkelbacher Vorzeige-Athletin übrigens von zwei Teamkolleginnen: Saskia Grebe und Jule Löcker. Grebe überzeugte vor allem beim Kugelstoß und im Weitsprung und schob sich mit einer fulminanten Leistung am Sprung (13,40 Punkte) noch von Platz sieben auf Platz vier vor.

21 Uhr ist Schlafsackruhe

„Man ist ja immer froh, wenn man überhaupt durch den Wettkampf durch kommt und bei sechs Disziplinen die Leistungen gut waren. Das war so heute“, kommentierte Grebe ihr Abschneiden, die sich hauchdünn vor der Benferin Jule Löcker einsortierte, die in keiner Disziplin absolute Spitze, aber fast überall überdurchschnittlich war – und am Ende genauso „kaputt und müde“ wie alle anderen. Einen Achtkampf zu bestreiten, dazu gehört schon was.

Deshalb hatte sich die Gruppe der Mehrkämpferinnen am Mittwoch nicht lange aufgehalten bei der Eröffnungsfeier. Um neun Uhr war Bett- bzw. Schlafsackruhe. Vermutlich Turnfest-Rekord. Doch damit war es nach dem Wettkampf vorbei – Anfeuern, Ausprobieren der Mitmachangebote und Feiern standen auf dem Programm. Saskia Grebe: „Jetzt wollen wir das Turnfest richtig genießen.“