Kato rettet Sportfreunde Siegen einen Punkt auf Schalke

Schiedsrichter Bastian Börner zückte Rot gegen Siegens Ali Ibrahimaj. Abdullah Keseroglu protestiert vergebens.
Schiedsrichter Bastian Börner zückte Rot gegen Siegens Ali Ibrahimaj. Abdullah Keseroglu protestiert vergebens.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Wenigstens nicht verloren - dies war die einzig positive Erkenntnis nach dem 1:1 der Sportfreunde Siegen im so wichtigen Duell der Kellerkinder beim FC Schalke 04 U23. Drei Minuten vor Schluss gelang dem eingewechselten Ryo Kato der Ausgleich,

Gelsenkirchen.. Nein, so ganz genau wusste Michael Boris nicht, warum er eine gute Viertelstunde vor Schluss des Kellerduells beim FC Schalke 04 U23 ausgerechnet Ryo Kato auf’s Feld der Veltins-Arena Auf Schalke gebracht hatte. „Na ja, ich wollte einen laufstarken Mann bringen“, sagte der Trainer der Sportfreunde Siegen nachher. Nun, seine Eingebung sollte Gold oder zumindest einen wichtigen Punkt wert gewesen sein, denn der Japaner glich in der 87. Minute, als kaum noch jemand im Gästelager damit gerechnet hatte, zum 1:1 für die dezimierten Sportfreunde aus. Nach einer Hereingabe von der rechten Seite landete der Ball vor den Füßen Katos, der das Ding mit Wucht, Frust und Willen unter die Querlatte drosch.

Ob es nun ein glücklicher oder verdienter Punktgewinn für die Gäste war? Boris und dem lautstarken Sportfreunde-Anhang konnte es wurscht sein. Dieser eine Zähler gegen einen unmittelbaren Konkurrenten im Abstiegskampf kann am Ende ein ganz wertvoller sein. Zumindest hatten die Sportfreunde alles in die Waagschale geworfen, war ihnen in Sachen Kampfgeist und Laufbereitschaft wahrlich kein Vorwurf zu machen. Schon deshalb nicht, weil Siegen ab der 59. Minute mit neun Feldspielern auskommen musste. Der mit Verwarnungen sehr großzügige Schiedsrichter Bastian Börner wertete Ali Ibrahimajs Einsteigen im Mittelfeld gegen Moritz Fritz als so brutal ein, dass er sofort die Rote Karte aus der Gesäßtasche zog.

Kaum zwingenden Aktionen

Aber drehen wir die Uhr eine Stunde zurück. Es war schon eine besondere Atmosphäre zu spüren: 59 600 leere Plätze, ein geschlossenes Hallendach, Einlaufen durch den Spielertunnel, den tags zuvor die Schalker und Bremer Profis, vergangene Woche sogar die Stars von Real Madrid betreten hatten – es war nicht verwunderlich, dass die Sportfreunde sich an diese Umgebung erst gewöhnen mussten. Dies gelang nach rund 20 Minuten, als Siegen sich ein wenig aus dem Schneckenhaus traute und mit dem antrittsschnellen Ibrahimaj mutig(er) nach vorne spielte. Nach 25 Minuten gab’s den ersten Eckstoß, doch Mark Zehs Kopfball flog deutlich drüber (25.) wie sich überhaupt die Siegener Offensivgefahr in Grenzen hielt. Zwingendes? Fehlanzeige! Als Glowacz einen Freistoß schön in die Mitte zirkelte, standen gleich drei Rote frei, doch keiner von ihnen erreichte den Ball, er war eine leichte Beute für Schalkes so gut wie beschäftigungslosen Torwart Michael Gspurning (40.).

Kaum mehr zu tun hatte auf der Gegenseite Dominik Poremba, doch drei Minuten vor der Pause rollte der Ball über die Linie. Es war ein unglückliches Gegentor, denn der von Axel Borgmann von der rechten Seite getretene Freistoß landete via Poremba und einem Siegener Verteidiger im Netz. Der 0:1-Pausenrückstand war auch deshalb ärgerlich, weil der Assistent zuvor gar kein Foul an Gerald Asamoah gesehen hatte. Nur Börner wollte eine unfaire Aktion von Gegenspieler Ricardo Retterath erkannt haben.

Der Schock saß tief und lähmte nach dem Wechsel die Gäste zusehends. Boris konnte sich darauf keinen Reim machen: „Ich weiß nicht, warum es in den ersten 60 Minuten nicht funktioniert hat.“ So war der totale Platzverweis für Ibrahimaj der richtige Weckruf für die Gäste. Boris brachte mit Malte Nieweler erst eine zweite Offensivkraft, die den auf sich alleine gestellten, aber auch zweikampfschwachen Zouhair Bouadoud unterstützten sollte, und gut zehn Minuten später Torschütze Kato. Ein glückliches Händchen nennt man das. Dass Siegen überhaupt noch die Chance zum 1:1 bekam, lag zum einen an Retterath, der Friedrichs Schuss kurz vor der Torlinie klärte (72.), und Poremba, der Göcers Kopfball mit einem Reflex über die Latte geboxt hatte (76.).