In meisterlicher Manier

Erzielte in dieser Szene eines seiner acht Tore: Tim Kolb.
Erzielte in dieser Szene eines seiner acht Tore: Tim Kolb.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Durch den hochverdienten 32:28-Sieg im Spitzenspiel beim HC TuRa Bergkamen hat der RSVE Siegen vorläufig die Tabellenführung vom spielfreien OSC Dortmund übernommen. Die Eiserfelder boten beim bisherigen Rangvierten eine meisterliche Leistung.

Bergkamen..  Respekt, RSVE Siegen! Das war eine meisterhafte Leistung. In unerwartet souveräner Manier gewannen die Siegerländer das Spitzenspiel in Bergkamen mit 32:28 (16:13), schossen sich an die Tabellenspitze und entledigten sich eines lästigen Mitkonkurrenten um Platz eins – übrigens Favorit Nummer eins von Spielertrainer Mirza Sijaric.

Der hatte nie Veranlassung, sich einzuwechseln, „obwohl ich bis kurz vor Schluss immer noch Angst hatte, dass wir das Spiel noch aus den Händen geben.“ Es war eine unbegründete Sorge, denn seine Mannschaft bot eine ihrer besten Leistungen in dieser Saison. Und das gegen einen Gegner, der der spielerischen Eiserfelder Dominanz nur mit zwei Komponenten begegnete: Wurfgewalt und übertriebene Härte. Wohl jeder RSVE-Feldspieler dürfte am Morgen danach die Folgen der Griffe und Schläge der TuRa-Abwehr ins Gesicht und an den Hals spüren oder im Spiegel sehen. Weil die Schiedsrichter diese Attacken zu milde, zu spät oder gar nicht bestraften, mussten die Gästespieler bis zum Schluss mächtig einstecken. „Super, dass sich die Jungs davon nicht haben provozieren lassen“, lobte Sportlicher Leiter Peter Krause.

Der RSVE löste das Problem vielmehr auf seine Art: Mit technischer Brillanz, Geschlossenheit und einer taktisch klug eingestellten Deckung. Die offensive Variante, auf die Sijaric nach wenigen Minuten umgestellt hatte, schmeckte den Bergkamener Rückraumhünen nämlich gar nicht.

Angeführt von Tim Kolb (sieben Tore in der 1. Halbzeit) und einem immer stärker werdenden Hilmar Gudmundsson im Tor drehte Eiserfeld das Spiel, machte aus dem 8:10 ein 13:10 (22.) und legte durch Kolb, Alen Sijaric und den ebenfalls herausragenden Jannik Daub bis zur Halbzeit auf 18:13 nach.

Johannes Hochreuter und Daub setzten direkt nach Wiederbeginn binnen 60 Sekunden die Konter zum 20:13 und sorgten damit schon für eine gewisse Vorentscheidung, denn der Gast ließ sich auch vom verletzungsbedingten Aus von Frieder Krause (Bänderverletzung am rechten Fußgelenk, 35.) nicht vom Erfolgsweg abbringen. Der eingewechselte Stefan Eckhardt parierte – ganz wichtig in dieser Phase – einen Nowaczyk-Siebenmeter, Sijaric verwandelte vom Kreis zum 22:14, der erste Acht-Tore-Vorsprung für hochkonzentrierte Gäste. Wütende Bergkamener versuchten es in der Endphase noch mit einer doppelten Manndeckung für Sorg und Kolb – auch kein Problem für die Siegerländer, denn da waren ja noch Milos Grujicic und Sijaric. Als alles längst entschieden war, konnte sich die Deckung noch ein paar Lücken leisten. Geschenkt. Auch Sijaric war’s egal, er jubelte mit Mannschaft und Fans über diesen Coup, mit dem der RSVE Siegen einen Meilenstein auf dem Weg in die Oberliga gesetzt haben könnte, und gönnte sich vor der Halle erstmal eine Siegerzigarette...

RSVE: Gudmundsson, Eckhardt - Frieder Krause (1), Johannes Krause (2), Gräber, Grujicic (5), Kolb (8), A. Sijaric (7/5), Daub (6), Sorg (2/1), Hochreuter (1).