„Heimlicher Tabellenführer“ entführt die Punkte aus Siegen

Ricardo Retterath (2.v.re.) köpft aufs Gladbacher Tor, doch der Ball wird auf der Linie gejklärt.
Ricardo Retterath (2.v.re.) köpft aufs Gladbacher Tor, doch der Ball wird auf der Linie gejklärt.
Foto: WP

Siegen..  Die Siegener Sportfreunde haben den Start ins neue Regionalliga-Jahr verpatzt. Die Abstiegssorgen wurden durch die 0:2 (0:1)-Niederlage gegen die starke U23 von Borussia Mönchengladbach nach Beendigung der Winterpause größer. Der Blick auf die Tabelle hatte die Siegener bereits vor dem Anpfiff skeptisch gestimmt. Hier rückte der Tabellendritte an, der, rein rechnerisch – bei zwei Spielen weniger als das Spitzenduo aus Aachen und Essen –, sogar der „heimliche Tabellenführer“ ist. Und so präsentierten sich die Gladbacher auch: Spielstark, wie es sich für eine Bundesliga-Nachwuchs-Truppe gehört, aber auch zweikampfstark, robust und zielstrebig. Aus diesem Holz könnte in dieser Saison der Meister geschnitzt sein.

Keine Ordnung

Insofern haben die Siegener Sportfreunde gegen eines der Top-Teams der Liga gespielt. Sie müssen sich nicht grämen, haben sie sich doch über weite Strecken ordentlich präsentiert, gewillt, den Kampf anzunehmen, und auch spielerisch Linie in die Aktionen zu bringen.

„Klar, Fußball war auf diesem Boden fast nicht möglich“, sprach Sportfreunde-Trainer Michael Boris nach den kräftezehrenden 90 Minuten die Bedingungen im Leimbachstadion an. Zunächst noch leicht gefroren, wurde der Rasen zusehends tiefer. Das war für keine der beiden Mannschaften die Grundlage für ein feines Fußballspiel.

„Zwei Mal haben wir nicht regionalliga-reif verteidigt“, war die Analyse von Michael Boris schnell auf den Punkt gekommen. Die beiden Treffer der Borussia in der 32. und 48. Minute müssen nicht fallen. Beim 0:1 lassen sich die Siegener von einem langen Einwurf von der linken Seite düpieren. Kein Abwehrbein kann klären und auch Giuseppe Pisano hat am Fünfmeterraum alle Zeit der Welt, noch in aller Ruhe quer zu legen und Marvin Schulz zu bedienen. Der hat keine Mühe, die Führung der „jungen Fohlen“ zu erzielen. „Da ging es drunter und drüber“, hatte Boris die Ordnung in seiner Defensivabteilung vermisst.

Bis dahin hatten die Siegener eigentlich vieles richtig gemacht. Sie standen hinten gut, der neue Linksverteidiger Walid Sekkour schien bestens integriert und vorne lief es vor allem bei Standardsituationen sogar auf einen Führungstreffer hinaus. Als der Eckball von Manuel Glowacz in der 22. Minute Innenverteidiger Ricardo Retterath fand und dessen Kopfball in Richtung Torlinie flatterte, ahnten die 1366 Besucher im Rund, dass hier etwas gehen könnte. Doch Rechtsverteidiger Malte Berauer hatte etwas dagegen, köpfte den Ball raus. Den zweiten Versuch setzte der neue Stürmer Malte Nieweler, der den gelb-gesperrten Zouhair Bouadoud vertrat, neben das Tor.

Gefahr bei Standards

Bei einer ähnlichen Situation vier Minuten später herrschte wieder Alarm im Möchengladbacher Strafraum, doch jetzt fand der Kopfball Niewelers nicht den Weg Richtung Tor, blieb im Gewühl am Fünfmeterrraum hängen. Mit Standards, das war abzusehen, könnte also etwas gehen. Doch mit zunehmender Spielzeit kamen die Siegener nicht mehr in diese Situationen, war die Borussia defensiv immer besser auf die Versuche eingestellt, was ihr Trainer Sven Demandt am Ende auch lobend erwähnte: „Unsere Defensive hat eine gute Rolle gespielt.“

Erschwerend kam für die Sportfreunde kurz nach Wiederbeginn der zweite Gegentreffer hinzu. „Das war kein guter Zeitpunkt“, so Michael Boris. Auch die Zuordnung stimmte beim Pisano-Treffer in der 48. Minute nicht. Zudem war ein technischer Fehler im Mittelfeld ausschlaggebender Faktor für das schnelle Gladbacher Umschalten. Und eine solche Chance lässt sich ein Torjäger Marke Pisano dann nicht entgehen.

„Da haben wir uns kurz geschüttelt und es weiter versucht“, lobt Michael Boris die Seinen. Das Bemühen, hier noch etwas zu verändern, war unverkennbar. Es fehlten allerdings die Mittel. Der Trainer war dennoch weit davon entfernt, ins Lamentieren zu verfallen. Der Blick geht nach vorn. „Jetzt geht es gegen Schalke“, blickt Boris auf den kommenden Samstag.

Jetzt gegen Schalke

Da steigt das Kellerderby gegen die nächste U23-Mannschaft, die allerdings längst nicht mit den Qualitäten der Gladbacher gesegnet ist. Und gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg müssen die Siegener diese Unterschiede herausstellen.

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