Generalstabsmäßige Planung des Erndtebrücker DFB-Pokal-Auftritts

Bei der Pokalauslosung in Reutlingen: Tennis-Star Andrea Petkovic hat für das richtige Los gesorgt
Bei der Pokalauslosung in Reutlingen: Tennis-Star Andrea Petkovic hat für das richtige Los gesorgt
Foto: imago/Eibner

Erndtebrück/Siegen..  Beklagen will sich Dirk Beitzel nicht, aber ein leises Stöhnen kann der Vorsitzende der Fußball-Abteilung des TuS Erndtebrück sich dennoch nicht verkneifen. Das DFB-Pokalspiel des Wittgensteiner Regionalliga-Aufsteigers gegen Bundesliga-Neuling Darmstadt 98 am 7. August deckt den Fußball-Chef und seine allesamt ehrenamtlichen Mitstreiter im Vorfeld mit Arbeit fast zu.

Der Blick fällt auf den prall gefüllten Ordner. Die Frankfurter DFB-Zentrale hat die Durchführungs-Bestimmungen geschickt: 54 Seiten mit 19 Anhängen. „Da wird beschreiben, wo die Ballkinder zu stehen haben, wie sich die Mannschaften begrüßen müssen, welche Musik zu spielen ist und vieles mehr. Alles bis ins kleinste Detail aufgelistet“, gibt Dirk Beitzel einen Einblick in die Auflagen.

DFB-Delegation

Das Fernsehen (Sky) kommt ja auch. Der Bezahlsender wird weitere Anforderungen stellen. DFB und Sky werden sich vor Ort getrennt voneinander ein Bild von den Gegebenheiten machen.

Die Delegation aus Frankfurt war gestern bereits vor Ort. Ein eigens bestimmter Spiel-Delegierter läuft auf, prüft, begutachtet. „Ein netter Mann“, so Beitzel, „der gibt auch Tipps.“ Denn der TuS betritt Neuland, ist mit dem Fußball in solchen Dimensionen noch nicht in Berührung gekommen.

Aus der Sportstätten-Verwaltung der Stadt Siegen ist Klaus Roskamm dabei, seit Juni sitzt er dort auf dem Chefsessel. So viel hat sich im Vergleich zum Vorjahr, als der DFB-Pokal ja auch schon zu Gast im Leimbachstadion war, nicht geändert an den Gegebenheiten. Der Bautrupp wird ein paar Tage vor dem Spiel anrücken, die Werbebanden mit den grünen DFB-Pokal-Logos überdecken, die eigenen Sponsoren ins rechte Licht rücken

Fernsehgerecht

.„Wenn wir uns in der Spielfeld-Mittel um die eigene Achse drehen, darf in dieser Hinsicht nichts mehr sein wie es war“, so Roskamm. Dann ist das ehrwürdige Siegener Stadion in leuchtendes Pokal-Grün getaucht. Die fernsehgerecht postierten Rollbanden immer im Fokus der Kameras.

Für die Live-Übertragung wird die Stromversorgung nebst Notstrom-Aggregat überprüft, das Flutlicht getestet. Das ist zum Glück hell genug.

Ein wenig Verwunderung hatte bei den Erndtebrückern - zunächst - die Kapazitäts-Begrenzung der Zuschauerränge ausgelöst. Da war sogar von einer Zahl von höchstens 5000 Zuschauern die Rede. Inzwischen wurde die schon mal auf 10 000 verdoppelt. „Mit einer Tages-Baugenehmigung“, erklärt Klaus Roskamm, dass der Brandschutz hier für Auflagen sorgt.

Auf Hochtouren

„Das trifft ja nur für Abendspiele zu, da die Zugangswege im Stadion und auch der Parkplatz unterhalb nicht beleuchtet sind“, so der Verwaltungsmann. So ein Spiel kann mit allen Eventualitäten ja schon mal bis 22.30 Uhr dauern. Roskamm: „Aber wenn ein paar mehr kommen, denke ich, dass das kein Problem sein dürfte.“

„Ein paar mehr“ - der TuS Erndtebrück würde sich freuen. Unrealistisch erscheint das nicht. „Die Darmstädter sind heiß“, so Dirk Beitzel. „Wir schicken denen vorab schon mal 4000 Tickets per Express-Bote.“ Am Samstag wollen die „Lilien“ im Rahmen ihrer offiziellen Saison-Eröffnung mit dem Testspiel gegen Drittligist RW Erfurt die ersten Karten an den Fan bringen. Die Druckerei in Erndtebrück arbeitet auf Hochtouren am Auftrag der Fußballer - wie überhaupt das ganze Dorf durchaus vom Pokalfieber infiziert scheint.

Erstes Pflichtspiel für „Lilien“

Für die Südhessen ist Erndtebrück das erste Pflichtspiel seit dem Bundesliga-Aufstieg, das Interesse ist riesengroß. „Möglich“, so Beitzel, „dass die noch welche nachordern...“ 160 Kilometer Anreise - das ist für echte Fans ein Klacks.

Dirk Beitzel bleibt bei aller Euphorie dennoch auf dem Teppich. „8000 sind die Schallmauer. Wenn wir die überspringen, ist jeder weitere Zuschauer ein gern gesehenes Zubrot.“ Er weiß, dass auch im Siegerland und in Siegen selbst großes Interesse an diesem Spiel herrscht. Eine fünfstellige Kulisse ist also durchaus nicht abwegig.

Mit das Beste

Als Tennis-Star Andrea Petkovic in Reutlingen das Los aus der Trommel zog, war man zunächst etwas skeptisch beim TuS. Das hat sich inzwischen geändert. „Darmstadt“, so der Tenor, „ist nach den drei ganz Großen der Bundesliga sicher das Beste, was uns passieren konnte.“ Bayern, der BVB, Schalke - die hätten für eine „volle Bude“ in Siegen gesorgt, vielleicht auch Köln oder Mönchengladbach.

Aber die ganze Arbeit hätte man auch gehabt, wenn die Erndtebrücker den SV Sandhausen gezogen hätten. „Dann doch lieber so“, meint Fußball-Chef Beitzel, dem dennoch der Kopf raucht beim Blick auf das viele Papier. Auch ohne „Selbstgedrehte“, von denen der Ex-Keeper der Erndtebrücker nicht lassen kann.

Ärmel aufkrempeln

Als sich Beitzel und die Vorstands-Kollegen mit den Regionalliga-Regularien zu befassen hatten, dachten sie schon vor einem schier unüberwindlichen Wust an Aufgaben zu stehen. „Gegen den Berg von Bestimmungen im Zuge des Pokalspiels aber war das ein Pappenstiel“, lächelt Beitzel.

Vergessen wird über Darmstadt, DFB-Pokal und Zuschauer-Run die Regionalliga natürlich nicht, denn auch der Start-Termin rückt unaufhörlich näher. Das Erndtebrücker Fußball-Team hinter der Mannschaft krempelt halt noch einmal die Ärmel auf.