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Für Werner Stöcker läuft’s bestens

05.12.2012 | 23:00 Uhr
Für Werner Stöcker läuft’s bestens
Marathonläufer Werner Stöcker aus ErndtebrückFoto: Privat

Erndtebrück. Er läuft und läuft und läuft. 26 Wettkämpfe hat Werner Stöcker aus Erndtebrück in diesem Jahr absolviert - und ist zur Höchstform aufgelaufen. Zeit für eine Verschaufpause und ein Resümee.

Mit neuer Bestzeit von 3h34:00 ist der 73-Jährige erst im Oktober in München Deutscher Marathonmeister geworden und lief damit neue Siegerlandbestleistung in der Altersklasse M70 - und sogar M65.

Dank einer guten Startposition war er direkt vorn mitgelaufen. Bis ins Ziel ließ er einen Großteil der 18.000 Starter zurück - dem Zweitplatzierten in seiner Altersklasse nahm er neun Minuten ab. „Das war meine beste Leistung“, meint Werner Stöcker rückblickend auf das Wettkampfjahr. „Einfach von den Zeiten her.“

Seine Erfolgskurve geht seit dem vergangenen Jahr steil nach oben. Erst im April 2011 hat der Athlet vom TuS Erndtebrück, der für LG Wittgenstein startet, in Messina mit 71 Jahren den ersten Marathon seines Lebens gelaufen und kam direkt als Sieger in Ziel. Bei der Weltmeisterschaft in Sacramento im August 2011 wurde er Dritter im Einzel und holte den Titel in der Mannschaft. Auch bei der Senioren-Europameisterschaft in Zittau 2012 zählte er zu den besten Marathonis und wurde dafür mit Gold in der Mannschaft belohnt. „Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.“ In Traben-Trabach wurde er im September Westdeutscher Meister im Halbmarathon mit einer Zeit von 1h35:27 bedeutet - und hält damit noch eine neue Siegerlandbestleistung in der Altersklasse M70.

Kurz: Bei sämtlichen Wettkämpfen - ob Marathon, Halbmarathon oder auf anderen Langstrecken - läuft er immer ganz vorne mit.

„Ab 70 - wird gesagt - baut man ab. Bei mir ist es umgekehrt“, so Werner Stöcker. Und während andere Athleten 3.000 bis 4.000 Kilometer im Jahr absolvieren, um an der Spitze mitlaufen zu können, sind es bei dem Erndtebrücker „nur“ 1.000. „Wenn ich mehr trainieren würde, könnte ich zwar schneller werden, wäre aber auch müder.“

Wenn er losläuft, gestaltet er sein Training so intensiv als wäre es ein Wettkampf. „Der Mensch ist zum Laufen geboren“, sagt er, freut sich ab er auch über seine „gute Gene“. Seine Trainingsstrecke führt meist von Erndtebrück nach Hohenroth. „Im Sommer ist der Mäanderweg ideal. An den Steigungen kann man die Kraftausdauer trainieren.“

„Reine Kopfsache“

Und während andere Langstreckenspezialisten auf den 42,195 Marathon-Kilometern im letzten Drittel der Distanz durchaus schonmal den inneren Schweinehund treffen und überwinden müssen, steckt der 73-Jährige die Anforderungen locker weg. „Das hab ich noch nie gemerkt. Ich komme auch ins Ziel und bin nicht fertig.“ Lange Läufe sind für ihn „reine Kopfsache. Und wenn das rechte Knie zwickt, dann denke ich ans linke - dann geht’s“. Sein Geheimnis: „Weil ich wenig trainiere.“ Dazu passt auch die aktuelle Auszeit, die er sich noch bis Januar gönnt. Aber auch im Alltag ist der Installateurmeister immer in Bewegung. Auch wenn er gemeinsam mit Ehefrau Ingeborg hohe Berggipfel erobert - was wiederum ein sportliches Kapitel für sich ist.

Seit frühester Jugend war Werner Stöcker sportlich unterwegs. „Davon zehrt man das ganze Leben.“ Da gab es aber auch die alltäglichen Herausforderungen, wenn er mit dem Fahrrad von Volkholz zur Schule nach Erndtebrück gefahren ist - und retour. Mit 14 Jahren Jahren wurde er Mitglied im TuS Erndtebrück und ging auf die Langstrecke. Er nahm an Volksläufen teil. Im Winter schnallte er sich auch gern die Ski unter und ging auf die lange Distanz, u.a. beim Wasalauf in Schweden. Bis in die Sechziger Jahre hinein war er aktiv, dann forderten Familie und Beruf den Großteil seiner Zeit. Zwar blieb er dem Sport verbunden, aber erst vor sechs Jahren ging er wieder auf die Langstrecke, zum Beispiel bei der Rothaar-Laufserie oder der Ausdauer-Cup-Serie. Damals waren noch einige vor ihm im Ziel, die er mittlerweile hinter sich lässt. „Ich gucke immer auf die Urkunde vom letzten Jahr und versuche dann, diese Zeit wieder zu laufen“, so sein Anspruch an sich selbst.

Seine grundsätzliche Einstellung nicht nur im Sport, sondern auch im Beruf und in der Familie ist: sich Ziele setzen. „Im Wettkampf habe ich Ehrgeiz, da ist keiner besser als ich. Da will ich den anderen vor mir einholen. Wenn der Lauf aber vorbei ist, dann bin ich froh. Und dann freut man sich auch für den anderen, der gewonnen hat.“

Nach der Winterpause vorbei ist, wird sich Werner Stöcker neuen Herausforderungen stellen. Gern wäre er auch mal bei einem 24-Stunden-Lauf oder einem 100-Kilometer-Lauf dabei. „Den Wüstenlauf lassen wir erstmal weg“, schmunzelt er. „Aber den hab’ ich noch vor.“

Auch die Weltmeisterschaft in Brasilien im Oktober wäre ein reizvolles Ziel. Doch vorerst gibt sich Werner Stöcker verhalten. „Ich bin erstmal an jedem Tag glücklich, an dem ich gesund bin.“

Stefanie August


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