„Friesen-Tee“ der besonderen Art in Klafeld

Geisweid..  Unter dem Motto „Klönen statt stöhnen“ treffen sich an jedem 1. Mittwoch im Monat viele altgediente, treue Friesen im Klubraum der vereinseigenen Halle an der Schießbergstraße. Die meisten von ihnen haben sich über Jahrzehnte hinweg als Übungsleiterinnen für die große Klafelder Turngemeinde verdient gemacht.

So wie Irmgard Winterhager, die bis zu ihrem 80.Geburtstag beim Frauen- und Kinderturnen aktiv war. Nun nehmen sie alle aus verschiedenen Gründen nicht mehr am Turnbetrieb teil.

„Gleichwohl wollen und sollen sie dem Verein dennoch eng verbunden bleiben und die Kontakte zu ihren alten Weggefährten nicht verlieren“, begründet der Vorsitzende der Friesen, Dr. Horst Uzar, die Einrichtung dieses auch für andere Vereiene vorbildlichen Seniorenkreises.

Nach dem Kaffeetrinken werden Karten- und Gesellschaftspiele „aufgetischt“: Spitz pass auf, Kniffel, Tripple-Domino, Rommé und das unverzichtbare und allgegenwärtige Mensch-ärgere-dich-nicht sind hoch im Kurs.

Klientel pflegen

Dabei geht es immer sehr lustig zu. „Gerade im Zeichen des oft zitierten demografischen Wandels“, so Dr. Uzar, „ist es besonders wichtig, dass die Vereine diese Klientel pflegen. Vielleicht kann unsere Maßnahme da eine Anregung auch für andere Vereine sein.“

Und da wird von den Seniorinnen und Senioren erinnert, was die grauen Zellen noch so alles hergeben. Von „Turnbruder Alzheimer“ weit und breit keine Spur. So kam auch jene Zeit zur Sprache, als kurz nach dem Krieg die Friesen-Turner und die VfL-Fußballer vom benachbarten Schießberg-Sportplatz auf Anordnung der britischen Militärregierung sich zu einem gemeinsamen Verein zusammenschließen mussten.

Das war in anderen Gemeinden auch so: Es durfte immer nur ein Sportverein in einer Gemeinde existieren. Nun hielt es der damals unumstrittene Friesenchef, Rektor Gustav Busch, nicht so besonders mit der Fußballehe, und er pflegte in seinen Reden diese Klientel auch nie besonders zu begrüßen.

Erinnerungen

Und so erinnert sich Christel Gonska noch ganz genau an den regelmäßigen Begrüßungsritus des kickerfeindlichen Turnbruders, der mit reichlich „Kloawender Knubbeln“ versetzten „Fürsten-Hochdeutsch“ jeweils anhob: „Deutsches Turrrnen gehört als einziger Sporrrt in unser Dorf.“ Von Fußballspielern war da in den Begrüßungsworten nie „etwas im Busch“.

Klar, dass die schwarz-weißen Kicker sich schnellstmöglich nach nur einem Jahr teils schmollend teils hoch erfreut wieder ganz auf den heimischen Schießberg zurückzogen.

Wurms einziges Ehepaar

Annemarie Groos, seit 1980 im „Fürstentum“ zugezogen, betreut die Seniorengruppe seit ihrer Gründung vor fünf Jahren. „Wir müssen die Leute am Kaffee- und Spieltisch statt am Spültisch mobil halten“, war schließlich ihre Erkenntnis „Klönen statt Stöhnen“ war damit geboren.

Der 85-jährige Wilhem Wurm und seine Gattin Helga (83) waren das einzige Ehepaar, das wir bei unserem „Tatort-Besuch“ in der Friesenhalle antrafen. Susanne Böcking ist mit 87 Lenzen die älteste Teilnehmerin beim inzwischen schon traditionellen „Friesen-Tee“ der besonderen Art.