Ferndorf gegen 2. Bundesliga – 28:28
15.01.2012 | 21:52 Uhr 2012-01-15T21:52:00+0100
TSV GWD Minden II – TuS Ferndorf 28:28 (16:12). Der TuS Ferndorf holte bei GWD Minden II verdient einen Punkt. Die Gastgeber liefen quasi mit der Zweitliga-Mannschaft auf.
Epische Schlachten gegen große Gegner enden in Filmen meistens mit einem unerwartet glücklichen Ausgang für den verbliebenen, tapfer kämpfenden Rest der „guten Seite“. Gut – vielleicht sollte man die mit fast allen Spielern der Bundesligamannschaft gespickten Mindener nicht mit den Orks aus dem „Herrn der Ringe“ vergleichen. Aber beeindruckend war es trotzdem, wem sich die ersatzgeschwächten Ferndorfer in der Dankersener Sporthalle alles gegenüberstellen mussten – und wie sie am Ende noch einen Punkt erkämpften.
Ohne Dennis Aust und Alen Sijaric
Während beim TuS mit Dennis Aust ein Mann für sieben bis acht Tore und mit Alen Sijaric ein Verteidiger für mindestens drei weniger fehlten, hatten die Gastgeber bis auf wenige Ausnahmen alles aufgeboten, um den Nordsiegerländern einen heißen Empfang zu bereiten. Die Mindener Startsieben bestand neben Torwart Madert aus Bartsch, Helmdach, Südmeier, Steinert, Overmann und Torbrügge, eine Zweitliga-Auflistung, bei der manches Team aus der 3. Liga wohl direkt wieder gefahren wäre. So spielte Kapitän Sebastian Bagats, der zu Saisonbeginn in der „Stählerwiese“ den TuS mächtig ärgerte und sechs Treffer erzielte, nur ein knappes Viertel des Spiels. Auch die Ferndorfer starteten mit Respekt in die Partie. „Wir haben zu ängstlich begonnen“, bilanzierte Trainer Caslav Dincic. Der TuS produzierte einige leichte technische Fehler, bekam erst mit der Einwechslung von Mario Allendörfer Ordnung in den Angriff. Dennoch: Die Mindener wirkten galliger und wacher – etwa, als Gerrit Bartsch nach verworfenem Siebenmeter gegen sechs Ferndorfer den Abpraller sicherte, zwei Spieler umkurvte und im Nachwurf verwandelte.
Im eigenen Angriff vernachlässigten die Gäste nach Aussage ihres Trainers zu sehr die Außenspieler. „Wir haben gefühlte drei Pässe zu unseren Außen gebracht, das ist zu wenig“, so Dincic. Die Hausherren hatten schnell vorgelegt, innerhalb des ersten Durchgangs bis zur Pause immer mit drei bis vier Toren geführt. Die paar mitgereisten TuS-Fans konnten kaum mit Hoffnung auf ein „Happy End“ in die Halbzeitpause gehen – es sah alles nach der dritten Auswärtsniederlage gegen Minden in Folge aus. Das änderte sich auch nach der Pause nicht, führten die Mindener doch auch Mitte der zweiten Hälfte mit 25:21.
Und einige Ferndorfer Spieler waren bekanntlich angeschlagen: Mario Allendörfer musste trotz Fußproblemen viele Spielanteile übernehmen, Tim Hilger hatte seine Rolle in der Abwehr und im Gegenstoßspiel – und Julian Schneider konnte nach seiner Grippe nur für eine kurze Phase das Spielfeld betreten, erzielte da aber ein wichtiges Tor bei drohendem Zeitspiel. Doch die für eine Aufholjagd ungünstigen Voraussetzungen ließen die Ferndorfer kalt, Michael Feldmann läutete beim 25:24 den Schlussspurt um die Punkte ein. Als der ab der 20. Minute eingesetzte Max Hamers mit einer wichtigen Parade das Tore zum 28:28 geöffnet hatte, durften die Gästefans wieder an den Punkt glauben. Und es wäre sogar noch mehr drin gewesen; dann aber hätten die Ferndorfer ihre Überzahlsituationen besser nutzen müssen. So musste nochmals gezittert werden: Mario Allendörfer kassierte eine Zeitstrafe, Ferndorf musste beim Stand von 28:28 die letzten 15 Sekunden mit einem Mann weniger überstehen.
Gut für den TuS, dass Jannis Helmdach ein Stürmerfoul gegen Peter Dettling beging, der TuS hatte noch mal den Ball. Der letzte in einer Auszeit besprochene Schnellangriff der Dincic-Sieben eröffnete noch eine Wurfmöglichkeit für Jonas Faulenbach, der Abschluss landete aber über der Querlatte. Somit stand ein unterm Strich verdientes Unentschieden zu Buche. „Ein Remis gegen einen so guten Gegner ist ohne Bestbesetzung eine gute Leistung. Ein Sieg wäre heute ungerecht gewesen“, sagte Dincic. In der Tabelle bleibt der TuS weiter auf dem zweiten Platz, punktgleich mit den Wermelskirchenern, denen ein knapper 26:25-Sieg in Varel gelang. Der Dritte im Bunde, Wilhelmshaven, patzte dagegen und musste gegen den VfL Eintracht Hagen eine 30:32-Heimniederlage hinnehmen.
Statistik:
TuS Ferndorf: Rottschäfer, Hamers – Feldmann (6/3), Faulenbach, Lange, M. Sijaric, Stelzenbach (je 4), Dettling (3), Allendörfer (2), Schneider (1), Hilger.
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