FC Kaan schwinden zu Saisonschluss die Kräfte
17.04.2011 | 22:37 Uhr 2011-04-17T22:37:00+0200
Kaan-Marienborn.Der 1. FC Kaan-Marienborn geht in der Schlussphase der Westfalenliga-Saison „am Stock“. Die Spieler, die Trainer „Didi“ Schacht noch zur Verfügung hat, gehen sprichwörtlich „auf dem Zahnfleisch“ und vorne in der Offensive fehlt ein Mann wie Michael Kügler schmerzlicher denn je. „Ich habe keine Alternativen mehr auf der Bank“, erklärt der Ex-Schalker und musste nach den 94 wenig ansehnlichen Spielminuten gegen den SuS Langscheid/Enkhausen konstatieren: „Nach dem heutigen Tag sind doch wohl dem letzten Träumer in Kaan-Marienborn die Augen geöffnet worden.“
Waren die „Käner“ vor drei Wochen als Tabellenzweiter noch der größte Widersacher des Primus TuS Erndtebrück, so haben sich die Wittgensteiner nun klar absetzen können. Mit dem 2:3 gegen den SuS Langscheid/Enkhausen setzte es nach dem 0:2 im Derby gegen Erndtebrück und dem 0:1 zuletzt in Oestrich nun die dritte Niederlage in Folge. So etwas kann sich ein Aufstiegsanwärter nicht erlauben.
Weniger als Sommerfußball
Man muss es so deutlich sagen: Auch wenn die Sonne über dem Breidenbachtal stand, es war noch weniger als Sommerfußball, was die beiden Westfalenligisten da auf dem Kunstrasenplatz den etwa 200 Zuschauen zumuteten. Die Besucher hätten sich eigentlich nur für drei Minuten auf die Betonstufen setzen müssen, denn die spannendste Phase gab es zwischen der 71. und 74. Spielminute: Drei Tore, zwei davon für Kaan.
Zunächst bugsierte Patrick Waginzik das Leder zum 1:2-Anschlusstreffer über die Torlinie, der Ball kullerte unter dem Körper von Langscheids Torwart Sven Nieder hindurch. Nur zwei Minuten später fand die Flanke des kurz zuvor für den völlig enttäuschenden Emre Pürselim eingewechselten Mohamad Aslan mit Alexander Ecker einen perfekten Abnehmer. Ecker traf mit wuchtigem Kopfball – ja, auch so etwas gelingt den Känern ab und an – zum 2:2 (73.).
Bei der Schacht-Elf, die sich den Ruf der starken zweiten Hälfte in den letzten Monaten erarbeitet hatte, keimte für einen Moment lang Hoffnung auf einen Heimsieg, doch nur eine Minute später riss Tim Rademacher den FC aus allen Träumen. Klassisch ausgekontert, langer Ball, schneller Angriff, und das Leder lag zum 3:2-Sieg der Gäste im Netz und Kaans Torwart Andreas Koch auf dem Boden.
Monatelang am Limit gespielt
Doch war passiert, das Kaan schon zur Pause mit 0:2 in Rückstand geriet? Ganz einfach, die Platzherren spielten sich die Füße wund – zumindest bis an die Strafraumgrenze – hatten klar die meisten Spielanteile, vergeigten dann aber vorne noch die wenigen Chancen. Langscheid begnügte sich aufs Stören und Kontern – und das mehr als effektiv über die rechte Seite: drei Mal vors Tor von Koch, zwei Tore von Tim Rademacher : 0:1 (25.) unter Mithilfe des zu zögerlichen Andi Koch und dann das 0:2 (43.), wieder per Kopf, wieder durch Tim Rademacher, der mit drei Toren Spieler des Tages war.
Die Konter der Gäste waren auch im zweiten Durchgang gefährlich, über ein 0:3, oder gar 0:4 hätte sich der FC Kaan nicht beschweren können. Doch in Hälfte zwei merkte man dann deutlich was Kapitän Sascha Bäcker nach der Partie aussprach: „Wir haben monatelang am Limit gespielt, jetzt hat uns die Realität eingeholt.“
1. FC Kaan: Andreas Koch, Sascha Bäcker, Henrik Blecker (85. Petr Janecko), Sebastian Reineck, Jens Schlemper, Patrick Waginzik, Bernard Krasniqi, Alexander Ecker, Marius Jung, Patrick Diehl, Emre Pürselim (58. Mohamad Aslan). Tore: 0:1 Tim Rademacher (25.), 0:2 Tim Rademacher (43.), 1:2 Patrick Waginzik (71.), 2:2 Alexander Ecker (73.), 2:3 Tim Rademacher. Schiedsrichter: Dirk Lehmann (Hagen). Zuschauer: 200.
STIMMEN ZUM SPIEL
Bernd Löseke (Trainer SuS Langscheid/Enkhausen): „Wir sind natürlich glücklich, hier heute gewonnen zu haben. Aber wir haben uns auch nicht als Außenseiter gesehen, sondern als Gegner auf Augenhöhe. Es war kein gutes Spiel. Ich denke, beide Mannschaften können sicher besser Fußball spielen. In der ersten Halbzeit haben wir aus drei Chancen zwei Tore gemacht. In der zweiten Hälfte haben wir es aber versäumt, das 3:0 zu machen, Möglichkeiten dazu hatten wir. Dann werden wir kurz hintereinander zwei Mal bestraft, können aber noch mal antworten. Es war heute eine Willenssache.“
„Didi“ Schacht (Trainer 1. FC Kaan-Marienborn): „Es war ein absolut verdienter Sieg für Langscheid/Enkhausen. Der Gegner hat aus wenig viel gemacht. Bei uns fehlt es derzeit an Alternativen. Nach den Ausfällen von Kügler, Schacht und Buhler hat man heute gesehen, wie uns diese Spieler fehlen. Wir haben nicht die Mannschaft, die einige im Umfeld gerne sehen wollen. Wir haben jetzt 49 Punkte, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich habe schon immer gesagt, wir spielen in dieser Saison um den Klassenerhalt und nicht um den Aufstieg. Nach dem heutigen Spiel müssten auch dem letzten Träumer in Kaan die Augen aufgegangen sein. Ein Kügler ist nicht zu ersetzen, wir gehen schon seit Wochen personell auf dem Zahnfleisch. Ein Bernard Krasniqi hat vor Monaten seine Mutter verloren, jetzt liegt sein Vater auf der Intensivstation, soll ich dem Jungen jetzt nach einem Fehlpass den Kopf abreißen. Nein, das mache ich natürlich nicht. Meine Güte, nur weil einige Spieler mal auf einem Foto bei Sportfreunde Siegen waren haben wir doch noch lange keine erfahrene Mannschaft – auch wenn das Umfeld das anders sieht.“
Sascha Bäcker (Kapitän 1. FC Kaan-Marienborn): „Heute hat uns die Realität eingeholt. Wir haben bisher weit über unseren Möglichkeiten gespielt. Wir haben aufgrund der Verletzungen zu wenig Alternativen. Wir können nicht immer Spiele mit viel Glück noch drehen. Mit elf Spielern, die fast immer im Einsatz sind, geht das nicht.“
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