Ex-Siegener schießen Sportfreunde ab

Sportfreunde-Trainer Michael Boris konnte noch so viel ins Spiel hineinrufen, seine Mannschaft spielte in Essen schwach und verlor an der Hafenstraße verdient mit 1:2.
Sportfreunde-Trainer Michael Boris konnte noch so viel ins Spiel hineinrufen, seine Mannschaft spielte in Essen schwach und verlor an der Hafenstraße verdient mit 1:2.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Mit der hpchverdienten 1:2-Niederlage bei Rot-Weiss Essen sind die Sportfreunde Siegen dem Abstieg ein weiteres Stück näher gekommen. Bitter obendrein: Beide Essener Treffer erzieltene ehemalige Sportfreunde-Kicker.

Essen..  Die „alten Siegener“ schießen die Sportfreunde ab. Daniel Grebe in der 7. und Leon Binder in der 71. Minute waren an ihrer neuen Wirkungsstätte an der Essener Hafenstraße die Garanten für den knappen Heimsieg von Rot-Weiß Essen. Dass mit Yannick Geisler ein Essener vier Minuten nach dem 2:0 für das Team von Michael Boris seinen ersten Saisontreffer erzielte, ist nicht mehr als eine Randnotiz für einen erneut trostlosen Siegener Regionalliga-Auftritt.

Als wir uns von der netten Damen am Presse-Eingang der schmucken Arena verabschiedeten und sie mit den Worten „...vielleicht sehen wir uns ja doch noch im nächsten Jahr wieder“ die ganze Misere um den Siegener Traditions-Club auszudrücken wusste, nahmen wir doch noch ein Stück Hoffnung auf dem Weg durchs Ruhrgebiet mit. Je länger die Reise ging, schwand sie jedoch immer mehr, denn das war nicht Liga tauglich, was diese Mannschaft auf den Rasen legte.

Ohne Durchschlagskraft

Ohne Durchschlagskraft, ohne Ideen im Spiel nach vorn war eine wahrlich nicht über ihren Schatten springende Essener Rot-Weiss-Mannschaft nicht zu bezwingen. Kommen obendrein noch Fehler hinzu, die die Gastgeber zu nutzen wussten, ist der Kuchen schnell gegessen – und den Sportfreunden bleiben nicht einmal die Krümel. Was ihnen bleibt, ist das Bedauern, aber auch die Erkenntnis, das auf diesem Niveau die Klasse einfach nicht zu halten ist.

Die Miene, die Michael Boris nach dem Spiel aufsetzte, sprach Bände, auch wenn er das Fünkchen Hoffnung verbalisierte: „Es war kein schöner Tag für uns, doch in sieben Spielen sind noch die Punkte zu holen, die wir brauchen.“ Das Funkeln der Augen, das solche Worte des Trainers in der Regel begleitet haben, war an diesem Samstagnachmittag nicht mehr unbedingt zu erkennen. „Ich hoffe“, so der Gladbecker weiter, „dass ich im nächsten Jahr noch auf der Gäste-Seite hier sitzen darf und dass ihr“ - und das richtete er an die Essener - „alle weg haut, die in der Tabelle vor uns liegen.“

Taktische Veränderungen

Schützenhilfe von RWE und alten Weggefährten wie Leon Binder und Daniel Grebe, mit der in den 90 Minuten an der Hafenstraße nicht zu rechnen war. „Die vielen Freundschaften in Siegen ruhten für diese 90 Minuten“, drückte Leon Binder sein Bedauern aus. „Gerne erinnere ich mich an den harten Aufstiegskampf vor drei Jahren und wünsche den Sportfreunden, dass sie es noch irgendwie hinbiegen.“ Die Fans hoch über dem Tor im Gästeblock scheinen daran nicht mehr zu glauben. Mit dem in solchen Fällen gern gesungenen „Wir ham die Schnauze voll...“ wurde bereits während des Spiels die Stimmung ausgedrückt. Und nach dem Abpfiff, als die Kicker an den Zaun kamen, mussten sie den Zorn über sich ergehen lassen.

Michael Boris hatte alles versucht. Er musste aus einem Kader ohne Sturm das Beste machen. Variabel sah es eine zeitlang aus, was Konstantin Möllering, Malte Nieweler und Daniel Micunovic an Offensivbemühungen aufblitzen ließen. Auf Dauer jedoch entpuppte sich die Lösung mit rochierenden „falschen Neunern“ als ungenügend, denn Torgefahr strahlte niemand aus diesem Trio aus.

Da musste ein verunglückter Freistoß von Abdullah Keseroglu herhalten, den Keeper Niclas Heimann, in die ins Stadion strahlende Sonne blickend, falsch berechnete. Der Ball landete auf der Querlatte, die einzige Torannäherung nach 12 Minuten. Es bleib die einzige bis zum Geisler-Treffer eine Viertelstunde vor dem Ende, als es längst zu spät war.

Verhaltene Freude

Denn Daniel Grebe, der seinen Treffer eingedenk seiner Siegener Vergangenheit nur mit verhaltener Freude genoss, hatte schon in der 7. Minute den Doppelfehler auf der linken Abwehrseite der Sportfreunde genutzt. Christopher Schadeberg spielte den Fehlpass, Walid Sekkour vermochte Marcel Platzek nicht zu folgen. In die flache Hereingabe, die auch der gute Dominik Poremba nicht zu entschärfen vermochte, hielt Grebe – diesmal auf der „10“ der RWE-Spielgestalter – einfach nur den Fuß. Ein schnelles Tor – Gift für die Siegener Seele.

Als Benjamin Baier seinen 20-Meter-Freistoß nach 20 Minuten an den Pfosten schlenzte, der starke Kevin Grund, der Gegenspieler Geisler allzu oft die Hacken zeigte, in der 39. Minute im Fünfmeterraum die glasklare Chance auf Resultatsverbesserung vergab, da war zu erahnen, dass dieses 1:0 höchst schmeichelhaft für die Sportfreunde war.

Der Kopfball-Treffer von Leon Binder nach einer höchst nachlässigen, um nicht zu sagen, schläfrigen Abwehreinstellung beim Baier-Eckball entschied nach 71 Minuten die Partie. Zwar war vier Minuten später der Auftritt Yannick Geislers in seiner Heimatstadt, als er aus gut 25 Metern genau Maß nahm uns ins lange Eck traf, doch war das nur ein Tropfen auf den langsam zerbröselnden Stein, der Regionalliga heißt. Das Bemühen war zwar da, doch die Qualität einfach nicht, um bei nicht mehr sonderlich zur Sache gehenden Essenern dieses Spiel noch aus dem Feuer zu reißen.