Es geht um die Zukunft des TuS Erndtebrück

Friedl Gaidt vom LSB berät den TuS Erndtebrück bei seinen Diskussionen um eine zukunftsfähige Vereinsstruktur. Rechts im Bild der Vereinsgeschäftsführer Henner Belz, Stefan Leipelt, Vorsitzender Harald Wittig und der 2. Vorsitzende Rolf-Arno Reichmann.
Friedl Gaidt vom LSB berät den TuS Erndtebrück bei seinen Diskussionen um eine zukunftsfähige Vereinsstruktur. Rechts im Bild der Vereinsgeschäftsführer Henner Belz, Stefan Leipelt, Vorsitzender Harald Wittig und der 2. Vorsitzende Rolf-Arno Reichmann.
Foto: WP

Erndtebrück..  Der TuS Erndtebrück muss sich einem völlig neuen Wettbewerb stellen. Dieses Mal geht es nicht um Goldmedaillen oder Meistertitel. Es geht um nichts weniger als die Zukunft des Vereins. Und der Gegner auf dem Spielfeld ist der Gleiche, dem sich auch die Wittgensteiner Kommunen – ja schlicht der gesamte ländliche Raum – stellen muss: Der demographische Wandel. Die Menschen werden hierzulande immer weniger , dafür aber immer älter. Und in gleichem Maße kämpfen die Kommunen mit leeren Kassen, die sich auch massiv auf die Förderung von Vereinsarbeit und den Unterhalt von Sportstätten auswirken.

Als einer der ersten Vereine in Wittgenstein stellt sich der TuS Erndtebrück deshalb die Frage: „Quo vadis, TuS?“ Wohin geht die Reise für einen der größten Sportverein in Wittgenstein. Auf der Suche nach Antworten steht der Hauptvorstand um den Vorsitzenden Harald Wittig noch am Anfang, hat sich aber mit Friedl Gaidt (Vereinsberater des Landessportbundes) bereits sachkundige Unterstützung geholt.

Wichtige Fragen

Die wichtigsten Fragestellungen sind dabei, ob ein Verein, der nach dem traditionellen Solidarprinzip organisiert ist, sich vielleicht in Zukunft nicht besser als Dienstleistungsbetrieb definieren muss. Harald Wittig nennt als einen Hintergrund die sinkende Bereitschaft, sich ehrenamtlich im TuS oder seinen Abteilungen zu engagieren und sieht stattdessen eine steigende Individualisierung. Eine weitere wichtige Frage ist die nach einem zeitgemäßen und attraktiven Sportangebot. Es gebe Abteilungen, wie z.B. Sportkegeln, die den Spielbetrieb eingestellt haben. Muss stattdessen vielleicht das Reha-Sportangebot ausgebaut werden, oder muss sich der TuS für andere, trendigere Sportarten öffnen. Eine andere Frage, die sich aus den vorherigen ergibt, ist die nach der Struktur: Muss es ein Verein sein, bei dem die Fäden der mehr oder weniger autarken Abteilungen wie in einer Holding zusammenlaufen oder gibt es andere Vorschläge?

In zwei Klausurtagungen hat der Vorstand des TuS gemeinsam mit Friedl Gaidt Arbeitsfelder definiert, die jetzt mit breiter Beteiligung aus der gesamten Bevölkerung - also nicht nur aus dem Verein - diskutiert werden sollen. Daraus soll ein Leitbild entstehen, das aber „nicht in Stein gemeißelt ist“ und auf keinen Fall vom Vorstand „übergestülpt“ werden solle, so Wittig.

Wir-Gefühl stärken

„Es geht darum, den Begriff Verein neu zu definieren“, erläutert Gaidt. Wesentliche Punkte sind das „Wir-Gefühl“ und die Kommunikation, die in großen Vereinen leichter zu kurz kommen. „Was haben wir voneinander?“, ist die entscheidende Frage sowohl für das Solidarprinzip als auch für die Ausrichtung als Dienstleister.

Auch im Leistungssport kann sich etwas ändern. Hier sollen Kooperationen mit anderen Vereinen gesucht werden. „Wir müssen uns davon verabschieden, überall vorneweg sein zu wollen“, erläutert der 2. Vorsitzende Rolf-Arno Reichmann.

Der TuS Erndtebrück besitzt moderne Sportstätten, eine Gastronomie samt Kegelbahnen, eine Skihütte und ist Mitgesellschafter eines Fitnessstudios. Das bietet Vorteile gegenüber kleineren Vereinen, die kommunale Sportstätten nutzen müssen, hat aber auch den Nachteil einer großen Kostenbelastung, die im Fall von sinkenden Mitgliederzahlen einen Verein genauso belastet, wie der demographische Wandel die Kommunen im ländlichen Raum.