Es braucht ein Wunder

Die Sportfreunde Siegen (hier rechts Daniel Micunovic mit dem Essener Tim Treude) sind am Boden zerstört. Der Abstieg in die Oberliga ist kaum noch zu verhindern.
Die Sportfreunde Siegen (hier rechts Daniel Micunovic mit dem Essener Tim Treude) sind am Boden zerstört. Der Abstieg in die Oberliga ist kaum noch zu verhindern.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der vergangene Spieltag brachte die Sportfreunde Siegen ein weiteres großes Stück näher an die Oberliga. Der eigenen Niederlage in Essen standen Siege der Mitkonkurrenten Schalke 04 U23 und Wattenscheid gegenüber. Und: Im Abstiegsfall ist ein Zerfall des Kaders zu befürchten.

Siegen..  Bei den Sportfreunden gehen fußballerisch die Lichter aus - und zumindest Teile des Vorstands bekommen das gar nicht mit. Sowohl im so wichtigen Heimspiel gegen Hennef als auch auswärts in Essen glänzten Vorstands-Chef und GmbH-Geschäftsführer Uli Steiner sowie der 2. Vorsitzende Heiko Maurer durch Abwesenheit. Der ließ sich statt dessen in der Business-Lounge von Borussia Mönchengladbach im Spiel gegen den BVB ablichten. Das Bild erschien später in den sozialen Netzwerken und traf nicht bei allen Usern auf Verständnis. Uli Steiner ist mit einem Geschäftsstellen-Mitarbeiter auf Reisen in Rumänien.

Nun, es mag ja Gründe geben, verhindert zu sein. Doch sollte in diesen so entscheidenden Tagen, in denen es (nicht nur) ums sportliche Überleben geht, doch Zusammenhalt demonstriert werden

Ob das freilich ausgereicht hätte. aus einem mickrigen Pünktchen, das in diesen zwei Spielen heraus sprang, mehr zu machen, steht auf einem anderen Blatt.

In Zeiten des personellen Notstands, ohne schlagkräftigen Angriff und psychisch immer stärker belastendem Druck, fällt es schwer, in den verbleibenden sieben Spielen (siehe Restprogramm im Extra-Kasten) noch an das „Wunder von Siegen“ zu glauben.

Anspruch und Wirklichkeit

Und dann? Dann kommt die Oberliga - eine ähnlich andere Fußball-Welt wie im Sommer 2008, als es nach Verpassen der Drittliga-Qualifikation und Insolvenz in der NRW-Liga - ähnlich fünftklassig - weiter ging.

Auch jetzt zieht der Vorstand bettelnd durch die Landschaft, versucht Konzepte schmackhaft zu machen, um Sponsoren zu einer vor allem finanziellen Zusammenarbeit zu bewegen. So etwas mit dem Wort „Oberliga“ auf dem Vereinswimpel zu bewerkstelligen, ist ein schwieriges Unterfangen.

Das werden auch die Vermarkter von msc sports, die kürzlich vorgestellt wurden, feststellen müssen.

Nebenbei: Ähnliche „Heilsbringer“ hat es hierzulande auch schon in der Vergangenheit gegeben. Bislang konnten sie alle nicht halten, was sie versprochen haben. Wünschen wir den Neuen aus dem Badischen also mehr Glück.

Oberliga. Das ist auch ein Stichwort hinsichtlich des Personals. Denn die allermeisten aus dem Kader haben schon signalisiert, sich im Falle eines Abstiegs in anderen Vereinen umtun zu wollen. Hoch hinaus wollen sie also und sind eigentlich nicht in der Lage, die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu füllen. Sie sollten sich fragen, warum Platz 17 und kein anderer in der Regionalliga zu Buche steht und sich gefälligst an die eigene Nase fassen.

Oberliga. Das ist auch ein Stichwort in Richtung Michael Boris. Der Trainer, der im November aus Lotte zurückkehrte, betonte stets, zu jeder Tages- und Nachtzeit zu Fuß an die Hafenstraße zu pilgern, wenn Rot-Weiss Essen ruft. Am Samstag hat er die Frage, was denn an diesen Gerüchten dran sei, nicht ausdrücklich verneint.