EM-Medaille im Visier

Wollen in Nufrigen eine Medaille holen: Kristian Friedla (links) und Jonas Oerter.
Wollen in Nufrigen eine Medaille holen: Kristian Friedla (links) und Jonas Oerter.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die beiden Siegener Kristian Friedla und Jonas Oerter sind Kunstradfahrer aus Leidenschaft. Jetzt nehmen sie erstmals an einer Europameisterschaftt teil und sind im Zweier sogar die Favoriten.

Siegen..  Die Kunst, mit und auf einem rollenden Rad zu turnen und dies wenn möglich auch noch synchron, liegt ihnen im Blut. „Die Mütter von Kristian und Jonas waren erfolgreichen Kunstradsportler“, erzählt Michael Appel. Der Freudenberger ist seit inzwischen zwölf Jahren der Trainer der beiden jungen Kunstradfahrer des TV Jahn Siegen, die am Freitag in Nufringen zum ersten Mal bei einer Junioren-Europameisterschaft an den Start gehen und im Zweier unbedingt eine Medaille holen wollen.

Die Trainingsgruppe an diesem Dienstag in der Kreissporthalle 4 ist überschaubar, es gibt reichlich Platz auf der Fläche. Kunstradsport ist eben keine populäre Sportart, sondern eine, die eine Nische füllt. Diejenigen, die dafür eine Leidenschaft entwickelt haben, trainieren aber genauso hart und intensiv wie andere Sportler. Mehrfach müssen Kristian Friedla und Jonas Oerter bei ihren Übungen vom Rad steigen, das Sportgerät fällt mit lautem Getöse zu Boden. Dann heißt es: Auf ein Neues, die Übung noch mal probieren. Immer wieder. Appel treibt die Jungs an, die inzwischen viermal in der Woche trainieren. Der Lohn für diesen Einsatz: Friedla/Oerter sind im Zweier in Westfalen die Nummer eins, inzwischen in den deutschen C-Kader aufgerückt. Obwohl sie vor wenigen Tagen bei den Deutschen Meisterschaften in Worms den angestrebten Titel wegen eines Fehlers verpassten, wollen sie in Nufringen nach den Sternen greifen.

Der 17-jährige Kristian Friedla und der ein Jahr ältere Jonas Oerter stiegen als „Einer“ in den Kunstradsport ein. Seit 2014 bilden sie ein Duo, den sogenannten „Zweier“, und haben mit dieser Tandem-Variante ihren idealen Sport gefunden. „Ich finde am spannendsten, dass man die Übungen immer weiter entwickeln kann“, erzählt Jonas Oerter, der trotz einer schweren Verletzung vor sechs Jahren dem Kunstradsport treu geblieben ist. Damals sprang er im Training nach vorne ab, touchierte den Lenker und stürzte so unglücklich, dass ihm die Milz entfernt werden musste. Nach sechswöchiger Zwangspause stieg Oerter wieder ins Training ein. Den Gedanken ans Aufhören hat er trotz dieses Unfalls nie gehabt. Allerdings: Der Absprung vom Rad wird seitdem noch intensiver trainiert.

Von solch einer Verletzung ist Kristian Friedla bislang verschont geblieben – aber blaue Flecken hat auch er schon reichlich abbekommen. Der 17-Jährige ist mit 1,76 Meter und 65 Kilogramm der längere und schwerere Athlet, dessen Job auf dem Rad deshalb der anstrengendere ist, weil er den vier Kilogramm leichteren Jonas bei den gemeinsamen Elementen auf einem Rad in der ersten Phase der Kür quasi tragen muss. Diese Kraft raubenden Szenen haben die beiden Siegener deshalb bewusst zu Beginn ihrer fünfminütigen Kür eingebaut. „Ich atme echt auf, wenn wir den Anfang unfallfrei geschafft haben“, schmunzelt Kristian Friedla. Trainer Michael Appel jedenfalls vertraut den Jungs: „Sie zeichnet Teamgeist, Willenskraft und körperliche Fitness aus.“

Jetzt müssen Friedla/Oerter bei ihrer fünfminütigen Kür in Nufringen „nur“ noch ihre Nervosität in den Griff bekommen und ihre Kür konzentriert durchfahren, um sich den Traum von der ersten Medaille auf internationalem Parkett zu erfüllen. Im Brustton der Überzeugung sagen beide: „Wir sind die Favoriten, und wir wollen bei der EM eine perfekte Übung zeigen!“