EM-Gold für Friedla/Oerter

Die neuen Junioren-Europameister im Zweier-Kunstradsport, Kristian Friedla und Jonas Oerter (TV Jahn Siegen). wurden bei ihrer Ankunft in Siegen von Freunden, Familie und Vereinsmitgliedern empfangen
Die neuen Junioren-Europameister im Zweier-Kunstradsport, Kristian Friedla und Jonas Oerter (TV Jahn Siegen). wurden bei ihrer Ankunft in Siegen von Freunden, Familie und Vereinsmitgliedern empfangen
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Bei den Junioren-Europameisterschaften im Kunstradsport im schwäbischen Nufringen sind Kristian Friedla/Jonas Oerter ihrer Favoritenrolle gerecht geworden und haben im Zweier die Goldmedaille gewonnen.

Nufringen..  Sie wollten eine Medaille, sie haben eine Medaille! Sogar die goldene, die ersehnte. Das Kunradsport-Duo Kristian Friedla/Jonas Oerter vom TV Jahn Siegen feierte am späten Freitagabend seinen bislang größten Erfolg – und das bei seiner internationalen Meisterschafts-Premiere. Die 17 und 18 Jahre alten Artisten auf dem 2,5 Kilogramm schweren Rad avancierten im schwäbischen Nufringen nämlich zu Junioren-Europameistern im Zweier.

Die in dieser Disziplin besten Deutschen mussten auf die bislang wichtigste Kür in ihrer noch jungen Karriere lange warten. Die fünf Konkurrenz-Paare hatten ihr Programm nicht fehlerfrei absolviert, Friedla/Oerter dies, auf ihren Auftritt wartend, beobachtet. Jetzt schlug die Stunde des Jahn-Tandems. Fünf Minuten Kür, fünf Minuten höchste Konzentration, fünf Minuten möglichst im Gleichklang, fünf Minuten möglichst nicht stürzen. Würden die Nerven der Deutschen Vize-Meister halten? Immerhin wurden sie als die Gold-Favoriten gehandelt, obwohl die Saison von unbeständigen Leistungen geprägt war.

Empfang durch Freunde und Familie

Es ging gut los, aber bei der Lenkersitzsteiger-Drehung handelten sich Friedla/Oerter Abzüge von ihrem hohen Ausgangswert (119,20 Punkte) ein. Beim Kehrreitsitzsteiger gab es eine leichte Unsicherheit, die Bundestrainer Dr. Marcus Klein dazu veranlasste, „von unten“ reinzurufen. Nach der Lenkersitzsteiger-Mühle mit Einzelschleifen passierte es dann: Beide mussten vom Rad. Ein Raunen ging durch das 900-köpfige Publikum in der Schwabenlandhalle. Die Siegener Jungs wiederholten diesen Part, diesmal in Vollendung.

War der Traum vom EM-Titel trotzdem geplatzt? Nein. Zwar reduzierten sich die Punkte ein weiteres Stück, doch der Vorsprung war groß genug und der Rest der Kür hatte auch perfekt gepasst. Vor allem die Übungen auf einem Rad wurden ohne Probleme gemeistert. Bei 100,23 Punkten blieb die Wertung stehen. Gold! EM-Titel! Jubel! Platz zwei ging an das tschechische Duo Adela Pribylova/Jaroslav Vrana (77,12 Punkte), Bronze gewannen die Franzosen Jacob Löic/Therese Rietsch (71,91 Punkte). Jahn-Trainer Michael Appel war mächtig stolz auf seine Schützlinge: „Die Jungs haben das super gemacht. Allerdings hatte ich das auch so erwartet. Sie sind halt gut.“

Bei der Siegerehrung durften Friedla/Oerter im schicken Trikot für den Europameisterschaftstitel der Nationalhymne lauschen. „Wir sind einfach nur happy. Das Trikot ziehe ich nicht mehr aus“, sagte Kristian Friedla, „ich habe sogar darin geschlafen.“ Allerdings war die Nacht nicht allzu lang, denn der Goldgewinn wurde natürlich gleich gefeiert. Am Samstagabend folgte Teil zwei des Feier-Marathons, diesmal beim Bankett mit der gesamten deutschen Nationalmannschaft. Da gab es ordentlich was zu begießen, denn Deutschland avancierte in Nufringen zur mit Abstand erfolgreichsten Nation, gewann alle sechs EM-Titel im Kunstradsport und im Radball.

Am Sonntag kehrte die Siegener Delegation in die Heimat zurück. Spontan hatten die Familien, Freunde und der TV Jahn Siegen am Feuerwehrgerätehaus am Effertsufer – Jonas Oerter ist dort bei der Freiwilligen Feuerwehr – einen kleinen Empfang organisiert. Der Auflauf war erstaunlich groß. In den blauen EM-Trikots mussten die frisch gebackenen Junioren-Europameister einen wahren Gratulations-Marathon meistern, wurden sie zig Mal „ins Bild gesetzt“ und mussten von ihrem bislang größten Triumph erzählen.

„Die Goldmedaille war unser Ziel. Das haben wir erreicht“, gaben beide später lächelnd und auch ein wenig stolz zu Protokoll.