Elfmeterheld in der Warteschleife

Nach dem Gewinn des Niederrhein-Pokals waren Tim Treude (3. von links) und Rot-Weiß Essen außer Rand und Band.
Nach dem Gewinn des Niederrhein-Pokals waren Tim Treude (3. von links) und Rot-Weiß Essen außer Rand und Band.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Es war ein Sieg, der für Rot-Weiß Essen den Frust über eine eigentlich verkorkste Saison erheblich minderte. Auch für den Wingeshäuser Tim Treude war er etwas ganz besonderes.

Essen..  Entsprechend ausgelassen wurde beim Regionalligisten der Gewinn des Fußball-Niederrhein-Pokals mit 6:5 (0:0) nach Elfmeterschießen gegen Rot-Weiß Oberhausen gefeiert, zumal er gleichbedeutend war mit dem Einzug in den finanziell lukrativen DFB-Pokal. Mittendrin in der Jubeltraube des Helmut-Rahn-Clubs war ein Wingeshäuser: Tim Treude.

Der 25-Jährige, der aktuell in Dortmund lebt und studiert, war auch einer der Akteure in dem bemerkenswerten Elfmeterkrimi vor dem mit 18.500 Zuschauern ausverkauften Stadion an der Hafenstraße, bei dem elf Schützen sicher verwandelten. Erst Oberhausens Verteidiger Christoph Caspari scheiterte. Treude zählte zu denen, die vom Punkt die Nerven behielten.

„Scharfe“ Variante führt zum Erfolg

Und wie: Er entschied sich für eine „scharfe“ Elfmetervariante und jagte den Ball mit Wucht in den linken oberen Torwinkel, obwohl er noch nie einen Elfmeter in der regulären Spielzeit getreten hat. „Das war riskant, aber ich hatte ein gutes Gefühl. Wir schießen nach jedem Abschlusstraining einen Elfmeter, am Tag vorher hat es genau so geklappt“, freute sich Treude, der sich seinen Ex-Verein Borussia Dortmund oder Schalke 04 als Gegner im DFB-Pokal wünscht.

Völlig offen ist allerdings, ob der Wingeshäuser dann überhaupt noch für Essen spielen wird, denn sein Vertrag läuft im Juni aus. Bisher liegt ihm noch kein neues Vertragsangebot der Rot-Weißen vor.

Verstehen kann er das. „Es ist nicht so, dass die Saison super gelaufen wäre für mich und den Verein“, sagt Treude, der sich im vergangenen Sommer nach seinem altersbedingten Ausscheiden bei Borussia Dortmund II bei der Suche nach einem neuen Verein zunächst verpokerte und zwei Monate vereinslos war, ehe er bei RWE anheuerte. „Durch die fehlende Vorbereitung mit der Mannschaft war es schwierig“, so Treude im Rückblick. Dabei fing es gut an: Im ersten Monat bei RWE hatte der 25-Jährige einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld und zeigte gute Leistungen, ehe ihn eine Sprunggelenksverletzung aus dem Team warf – und weil RWE im Herbst ein Spiel nach dem anderen gewann, kam Treude nicht wieder in die Stammformation: „Es gab ja keinen Grund, etwas zu ändern.“

Vieles hängt vom neuen Trainer ab

In der Rückrunden-Vorbereitung folgte mit einem Muskelfaserriss der nächste Rückschlag, so dass dem defensiven Mittelfeldspielern bei seinen Spielen im März die Fitness fehlte. Treude fiel zwar nicht ab, aber auch nicht positiv auf. „Alibi-Fußball“ attestierten ihm manche Fans. Seit April zeigt die Formkurve indes deutlich nach oben. In dieser Zeit kehrte auch der Erfolg an die Hafenstraße zurück, was bei 13 Punkten Rückstand zu Mönchengladbach II aber zu spät kam.

Nun wartet Treude, der gerne bleiben würde („Einen tolleren Regionalligisten gibt es nicht“), ob er bleiben darf. Er rechnet mit einer baldigen Entscheidung. Die Chancen stehen nicht schlecht, weil RWE mit dem Ex-Siegener Daniel Grebe und Benjamin Baier erst zwei „Sechser“ für die kommende Saison unter Vertrag hat und damit noch zwei Planstellen offen sind. Einerseits. Andererseits: „Es fehlt ja noch der Trainer für die neue Saison. Davon wird viel abhängen. Deshalb sind vor dem Pokalspiel erst Mal alle Planungen auf Eis gelegt worden.“