Einfach zu wenig für den Aufstieg

Weißtal am Boden, jubeln darf in Gernsdorf nur der Gast aus Grünenbaum. 1:1 hieß eam Henneberg vor 1000 Zuschauern
Weißtal am Boden, jubeln darf in Gernsdorf nur der Gast aus Grünenbaum. 1:1 hieß eam Henneberg vor 1000 Zuschauern
Foto: Thorsten Wroben

Gernsdorf..  Man war in Feierstimmung am Henneberg. Voller Erwartung auf ein gutes Ende. Doch nach 95 Minuten Aufstiegskampf jubeln die Anderen. Und die kommen vom TuS Grünenbaum. 1:1 (1:0) hieß es im Rückspiel dieser Bezirksliga-Relegation. Nach dem Grünenbaumer 2:1 am Donnerstag in Halver packte der zahlenmäßig gut vertretene Sauerländer Anhang die Raketen aus und leuchtete den verhangenen Gernsdorfer Himmel aus.

Der hatte zwischendurch kräftig „geweint“ und die Tränen des TSV nach dem Scheitern im Aufstiegsrennen vorweg genommen. Um es klar zu sagen: Irgendwie gerecht, wenn der Meister einer Klasse den Aufstieg beim Vizemeister einer anderen schafft. Das war im Vorjahr so, als der TuS Plettenberg die Käner Zweite besiegte - und das war auch am Henneberg so.

Klar. Die Weißtaler hätten es gerne anders gehabt, die Chance genutzt. Dafür aber - und auch das darf erlaubt sein - hätte das Team von Alfonso Rubio Doblas einfach eine bessere Leistung zeigen müssen. Irgendwie kamen die „Schwarzen“ an diesem hoffnunsschwangeren Gernsdorfer Sonntag mit ihren Nerven nicht ins Reine, klappte das Zusammenspiel nicht, war auch die Defensive zeitweise nicht am Ort.

Nach 23 Minuten allerdings konnte erahnt werden, was hier rund um den Henneberg los gewesen wäre, wenn denn zu diesem Zeitpunkt schon der Schlusspfiff ertönt wäre. Da hatte nach dem Freistoß von Sandor Karolyi der wuchtige Innenverteidiger Mehmet Sukapan den Ball auf den Schlappen bekommen und aus acht Metern die Weißtaler Führung erzielt. Jetzt war man Bezirksligist, aber es waren ja noch 67 Minuten auf der Uhr. Doch der Jubel war schon mal große Klasse.

Ein Tor aus dem Nichts, denn bis dahin tat sich in den Strafräumen herzlich wenig. Grünenbaum, das auch nichts Zielstrebiges zustande bekam, war keinen Deut besser.

Doch das Tor beflügelte den TSV keineswegs. Die Bremse wurde nicht gelockert, der Treffer war nicht das Signal für besseres Zusammenspiel, Kombinationen oder Flügelläufe. Es blieb biedere Hausmannskost. Kampf und Einsatz ja, fußballerisch war das aber herzlich wenig.

Nach dem Wechsel schienen sich die Weißtaler in dieser knappen und gefährlichen Führung einrichten zu wollen. Lasst den Gegner mal kommen, denn der muss ja was tun. So oder ähnlich könnten die Gedanken gewesen sein, die dem Kickern des TSV-Teams durch den Kopf gingen. Ihnen fehlte der Mut für die Offensive. Chancen jedenfalls erarbeitete man sich nicht mehr, das Aufbauspiel blieb Stückwerk.

Und eine Viertelstunde vor Schluss bekam der TSV die Quittung. Kevin Klahr darf vom linken Flügel nach einem der wenigen beherzten Flügelantritte flanken, innen lassen die Weißtaler Lücken und Ömer Yilmaz - im Hinspiel noch verletzt draußen - bezwingt Keeper Julian Kucharske.

Was folgt, ist leises, zu leises Weißtaler Aufbegehren, viel Hick-Hack im Mittelfeld, aber kein klares Signal, die Entscheidung erzwingen zu wollen. So konnte das nichts werden - und es wurde auch nichts.

Weißtal:Kucharske - Patt (58. Löb), Sukapan, Singhateh, Schirmer - Meiswinkel, Karolyi - Novakovic, Biro (78. Seither), El-Khatib - Berndt (52. Grisse).


Grünenbaum: Gelhart - Filip (70. Eicker), Holthaus, Höngen, Bock - Ömer Yilmaz, Grahovac, Kochta - Orhan Yilmaz, Klahr (90.+4 Gawron), Chamkha.


Schiedsrichter: Sebastian Lange­mann (Rothemühle).


Tore: 1:0 Sukapan (23.), 1:1 Ömer Yilmaz (75.).


Zuschauer: 955.



Alle Aufstiegsfrage
beantwortet


Weißtal schafft’s nicht und schickt den TSV Siegen, 14. der A-Liga-Saison in die Kreisliga B.

Ebenfalls abgestiegen: GW Siegen II aus der Kreisliga B und Borussia Siegen aus der C-Kreisliga nach ihren Niederlagen in den Entscheidungsspielen am vergangenen Donnerstag.



Nebenbei


Von Flutlicht und
Trainingsfunzeln


Die Aussage, dass du im Signal-Iduna-Park nur das Flutlicht einschalten musst und schon strömen die Fans in den Dortmunder Fußball-Tempel, können wir getrost so stehen lassen. So wird es wohl sein.

Dass die Fußball-Begeisterung im Weißtal hohe Wellen schlägt, das ist ebenfalls bekannt. Hier ist das Flutlicht zwar eher eine schummrige Trainingsfunzel, doch die Leute kommen, wenn sie wissen, dass der Ball rollt.

Und wenn es um was geht für ihren TSV, dann erst recht. Erinnern wir uns an den Lokalfight gegen Kaan-Marienborn, als beide um die Landesliga-Spitze fochten. 1400 waren es 2009, als die Weißtaler nach 0:2-Rückstand noch ein 2:2 schafften.

Dass auch ein paar Klassen tiefer noch echtes Fußball-Herz in der Weißtaler Brust schlägt, erfreute den Kassierer am Henneberg auch am Sonntag. 955 Besucher (offiziell) beim Aufstiegsspiel in die Bezirksliga. Das sind Zahlen.

Zum Vergleich: In Erndtebrück haben 500 die Oberliga-Meisterschaft gefeiert.