Eine Medaille und Papas Rekord
11.08.2009 | 21:41 Uhr 2009-08-11T21:41:00+0200Im US-Sport heißen sie „Rookies”. Das sind die Neulinge im Profisport. Nun ist die Langstrecklerin Sabrina Mockenhaupt mit 23 Deutschen Meistertiteln über 3 000, 5 000, 10 000 Meter und im Crosslauf ein alter Hase, aber im Marathonlauf zählt die 28-Jährige immer noch zu den Frischlingen
„Für mich ist Berlin ja erst der dritte Marathon, da bin ich immer noch so `was wie ein Küken”, plaudert „Mocki”, die Dauerstrahlefrau der Deutschen Leichtathletik.
Eine echte Premiere sind die 42,195 Kilometer am Abschlusstag der WM für die 1,55 Meter kleine Sportsoldatin aber dann doch: Nach den Siegen in Köln 2007 und Frankfurt 2008 ist es für die gebürtige Wilgersdorferin der erste reine Frauen-Marathon. Am 23. August (Start 11.15 Uhr) gelten andere Gesetze: Kein Tempomacher, kein Windschattenlaufen, keine Begleitung auf dem Fahrrad, dann ist jede Läuferin auf sich allein gestellt und muss ihr Rennen laufen.
Ȇber 42 km kann dir alles passieren. Hitze,
Regen, Schwäche...«
Nach der Absage von Marathon-Aushängeschild Irina Mikitenko, die nach dem Tod ihres Vaters auf den WM-Start verzichtet, ist nun Sabrina Mockenhaupt als Jüngste im fünfköpfigen DLV-Marathonteam in die Führungsrolle gerutscht. „Ich kann Irinas Entscheidung voll und ganz verstehen. Ich will mir ihre persönliche Situation gar nicht vorstellen, ich könnte in so einem Fall auch nicht laufen. Schade für die Mannschaft, die natürlich jetzt geschwächt ist. Miki war die Schnellste von uns, aber ich traue uns trotzdem eine Medaille mit dem Team zu.”
Der DLV hatte der für den Kölner Verein für Marathon startenden Läuferin eine Option für das Rennen über die 25 Stadionrunden offen gelassen – und zwar für den Fall, dass Irina Mikitenko den Marathon doch noch absagen sollte. Denkt „Mocki” also nach „Mikis” WM-Aus doch noch einmal über ihren ursprünglichen Plan eines Doppelstarts über 10 000 Meter und Marathon nach? „Nein, das Thema ist für mich erledigt”, erklärt sie im RUNDSCHAU-Interview, „ich habe mich entschieden, nur den Marathon zu laufen. So ein Rennen ist nicht nur ein Rennen für die Beine, es ist eine mentale Sache, darauf muss man sich einstellen. Und jetzt sind alle Planungen auf den Marathon ausgerichtet”.
Bei der Vorbereitung auf die Königsstrecke der Langläufer hat sie nichts dem Zufall überlassen. 784 Laufkilometer allein im Monat Juli hat „Mocki” heruntergespult in der Spitze sogar 204 Kilometer in einer Woche. „Mein Rekord”, verriet sie der WR. Und dieses Training zeigt Wirkung: „So gute Ausdauerwerte hatte ich noch nie, nicht einmal vor meinem Marathonsieg in Frankfurt” – und da lief sie immerhin 2:26:22 Stunden.
Jetzt holt sich Sabrina Mockenhaupt mit den anderen im WM-Marathonteam in Kienbaum/Brandenburg, eine Stunde Fahrtzeit vor den Toren Berlins, den letzten Schliff. Eine Weltmeisterschaft im eigenen Lande, das erlebt eine Leichtathletin wohl nur ein Mal in ihrer Karriere und da fliegen die Träume hoch. „Wenn ich einen Sahnetag habe unter die ersten Zehn, wer weiß?” Auf der Meldeliste der 80 WM-Starterinnen liegt Sabrina Mockenhaupt mit ihrer Bestzeit an Position 15. Doch die zweifache Olympiateilnehmerin weiß auch als Rookie um die Tücken der Strecke: „Über 42 Kilometer kann dir alles passieren. Hitze, Regen, Schwäche. Ich kann auch abkacken und lande als Dreißigste im Ziel. Aber daran denke ich nicht, ich freue mich auf das Rennen in Berlin.”
Ein Platz auf dem Treppchen in der Weltcup-Mannschaftswertung, ein Platz unter den zehn besten Marathonläuferinnen der Welt, das wär` schon `was. Und dann steht da ja noch der Familienrekord im Hause Mockenhaupt, aufgestellt von Vater Fred, vor vielen Jahren in Hamburg. „Schneller als der Papa”, lacht das schnelle Töchterchen, „wär` super”. Und der Papa war schnell: 2:24:59 Stunden.
FAKTEN
Weltcup-Wertung im Rahmen der WM
- Im Rahmen der Weltmeisterschaft in Berlin (15. - 23. August) geht es auch um den Marathon-Weltcup. Hierbei kommen die schnellsten drei Läufer/Läuferinnen in die Nationen-Wertung. Wie bei der WM werden hier Medaillen vergeben.
- Zum deutschen WM-Marathonteam der Frauen gehören fünf Läuferinnen: Luminita Zaituc (40 Jahre/Bestzeit 2:26:01 aus 2001), Sabrina Mockenhaupt (28/Bestzeit 2:26:22 Stunden), Melanie Kraus (34/Bestzeit 2:27:57 Stunden), Susanne Hahn (31/Bestzeit 2:29:26 Stunden) und Ulrike Maisch (32/Bestzeit 2:30:01 Stunden).
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Alles Gute Mocki, und kack nicht ab, sonst gibt es nachher wieder Interviews mit: un ich hatte Durschfallll :-))))