Ein Sieg macht Walter Schneider zur Legende

Walter Schneider
Walter Schneider
Foto: WP

Weidenau..  8. Juni 1955, ein Mittwoch. Auf der berühmt-berüchtigten Rennstrecke auf der Isle of Man in der irischen See bahnt sich Sensationelles an. Die gefährlichste Rennstrecke der Welt ist Schauplatz des Weltmeisterschaftslauf der Gespannklasse. Mit dabei der Weidenauer Walter Schneider, im Boot sein „Schmiermaxe“ Hans Strauß.

Seit 1949 hatte es hier in der Gespannklasse nur Sieger aus Großbritannien gegeben. Cecil Smith, Eric Oliver oder Pip Harris auf ihren Norton-Gespannen waren auch diesmal die haushohen Favoriten und galten als unschlagbar.

Bereits im Jahr davor, 1954, hatte BMW versucht, der britischen Vorherrschaft ein Ende zu setzen, aber es reichte für Fritz Hillebrand, Wilhelm Noll und Walter Schneider wieder „nur“ für die Plätze zwei, drei und vier. Sieger wurde der englische Weltmeister Eric Oliver auf seiner schnellen Norton.

1955 hatte sich das Münchner Werk erneut Großes vorgenommen. Das BMW-Werksteam bestand aus den Fahrern Wilhelm Noll mit Beifahrer Fritz Cron, Willi Faust mit Karl Remmert im Boot sowie eben auch Walter Schneider und Hans Strauß. Das allerneueste BMW-Produkt mit einer echten Stromlinienverkleidung vertraute man dem Weltmeister von 1954, Wilhelm Noll aus Kirchhain an, während die beiden anderen Fahrer mit den Vorjahresmodellen vorlieb nehmen mussten.

Erstmals kein Engländer

Vom Start weg ging Noll auf dem schweren und kurvenreichen Kurs in Führung, direkt dahinter Walter Schneider und Willi Faust. Das deutsche Trio fuhr den Engländern regelrecht „um die Ohren“, es wechselte in jeder Runde mehrmals die Führung. Runde für Runde war zudem war ein neuer Rundenrekord fällig. Kurz vor Ende des Rennens schieden Noll und Faust nach einem „Rempler“ aus, Walter Schneider fuhr einen überlegenen Sieg nach Hause.

Im Ziel lag er fast vier Minuten vor dem zweitplatzierten Engländer Boddice.

Für die internationale Fachwelt war der erste Sieg eines Nicht-Engländers auf einem deutschen BMW-Gespann eine absolute Sensation.

Walter Schneider avancierte mit diesem Sieg, vor allem bei den sportbegeisterten Engländern, schlagartig zu einem Idol. Seine Fotos waren in vielen englischen Zeitungen auf den Titelseiten zu finden.

Dass dieser Sieg kein Zufall war, zeigten die Erfolge von Walter Schneider in den späteren Jahren: 1957 Vize-Weltmeister, 1958 und 1959 Weltmeister.

Zum ersten Mal eingestiegen war der Weidenauer als Beifahrer ins Gespann des Berliners Kurt Bäch. Das war 1949. Aber schon ein Jahr später steuerte Walter Schneider ein eigenes Gespann. Auf einer selbst zusammengebauten BMW R-66 trat er mit seinem „Schmiermaxen“ Hans Wahl an und errang Siege in Dieburg, Lorsch und Recklinghausen. 1951 erhielt Walter Schneider die Berechtigung, um als Lizenzfahrer an den Start zu gehen.

Silbernes Lorbeerblatt

Erste Lorbeeren errang der Weidenauer bei der Deutschen Meisterschaft 1953. Damals aber auf einem Norton-Gespann, der späteren Konkurrenz-Marke. Platz vier wies ihn als einen der besten Privatfahrer Deutschlands aus.

Werksfahrer wurde der Siegerländer 1956. Ein Jahr später gelang Schneider/Strauß im belgischen Spa.-Francorchamps der zweite Grand-Prix-Sieg, ehe dann 1958 drei von vier WM-Rennen gewonnen wurden und Schneider/Strauß den Titel errangen. 1959 verlieh dem Weidenauer Bundespräsident Theodor Heuss das Silberne Lorbeerblatt, die höchste Auszeichnung, die der Sport in Deutschland zu vergeben hat.

1960 stieg Walter Schneider auf vier Räder um, wurde 1961 deutscher Rundstreckenmeister auf einem BMW 700 Sport. Nach einem schweren Unfall bei einem Bergrennen in den französischen Alpen im Jahre 1964 hing der Weidenauer die Rennerei dann endgültig an den Nagel und widmete sich fortan seinen Aufgaben als Chef seines Autohauses in Weidenau.

Diesem großen Sportsmann widmete das Bald-BMW-Museum in Erndtebrück seinen Tag der Offenen Tür. Das Original BMW-RS-Renngespann, Pokale, Fotos und Filme aus jener Zeit standen für die Besucher zur Besichtigung bereit. Walter Schneider starb im März 2010 im Alter von 83 Jahren