Ehrenamt oder Minijob? - Feinheiten entscheiden

Mindestlohn für Übungsleiterinnen und Übungsleiter?

Nein. Der Mindestlohn gilt nicht für die zahlreichen ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter im Sportverein. Und ehrenamtlich tätig ist laut Mindestlohngesetz (MiLoG), wer „nicht von der Erwartung einer adäquaten finanziellen Gegenleistung, sondern von dem Willen geprägt ist, sich für das Gemeinwohl einzusetzen“. Also – kein Mindestlohn aber eine finanzielle Aufwandsentschädigung können die Vereine auch weiterhin an die Freiwilligen zahlen, zu Zahlungen eines Arbeitsentgelts in Höhe des Mindestlohns sind sie aber nicht verpflichtet. Personen, die ausschließlich im Rahmen des sogenannten Übungsleiterfreibetrages von 2400 Euro/Jahr und/oder ausschließlich im Rahmen des sogenannten Ehrenamtsfreibetrages von 720 Euro/Jahr tätig sind, fallen also nicht unter das Mindestlohngesetz, weil sie eine ehrenamtliche Tätigkeit mit einer pauschalierten Aufwandsentschädigung ausüben, nicht aber in einem steuer- und sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis zum Verein stehen.

Und was ist mit den Amateur-
und Vertragssportlern?

Dazu sagt das Gesetz: „Auch Amateur- und Vertragssportler fallen nicht unter den Arbeitnehmer-Begriff, wenn ihre ehrenamtliche sportliche Betätigung nicht die finanzielle Gegenleistung für ihre Tätigkeit im Vordergrund stehen.“

Nur – was heißt das genau?

Ein Beispiel: Der Vertragsspieler, der monatlich 350 Euro erhält und mit einem Minijob angemeldet ist, wird in der Regel mit seinem Engagement zumindest auch wirtschaftliche Motive verbinden. Er ist Arbeitnehmer des Vereins und unterliegt damit dem MiLoG. Für die Frage, ob das gezahlte Gehalt den gesetzlichen Anforderungen gerecht wird, kommt es auf die für das Gehalt angeordnete Arbeitszeit an. Dabei ist allerdings nicht alles „Arbeitszeit“, was mit Fußball zu tun hat, sondern nur die tatsächlich auch angeordneten, verpflichtenden Zeiten vor Ort. Muss der Spieler an drei Trainingseinheiten á 1,5 Stunden sowie einem Spiel mit 2,5 Stunden (einschließlich Aufwärmen und Vorbesprechung, jeweils ohne Wegezeiten hin zum Arbeitsort) teilnehmen, kommt dies auf 7,0 Stunden pro Woche, entspricht (7,0 x 4,33=) 30,31 Stunden pro Monat. Um dem MiLoG gerecht zu werden, müssen dann mindestens (30,31 * 8,50 Euro) = 257,63 Euro pro Monat gezahlt werden. Die nach den sportrechtlichen Regeln ohnehin zwingend vorgesehene Mindestvergütung beträgt 250 Euro.

Wer hat im Verein einen Anspruch auf den Mindestlohn?

Das Mindestlohngesetz wird ganz klar auf Teilzeit- und geringfügige Beschäftigungsverhältnisse (Minijobs) angewendet. Ausnahmen für diese Beschäftigungsverhältnisse wären diskriminierend und gleichheitsrechtlich unzulässig. Das heißt: Im Rahmen eines 450 Euro-Arbeitsvertrages können mit dem Mindestlohn rund 53 Arbeitsstunden realisiert werden. Dabei müssen Beginn, Ende und Dauer der Arbeitszeit von Minijobbern durch den Arbeitgeber aufgezeichnet werden. Sollte jemand sowohl als Minijobber im Verein als auch als Übungsleiter tätig sein gilt: Das Mindestlohngesetz findet im Rahmen des Minijobs geleistete Arbeit Anwendung, nicht auf die ehrenamtliche Tätigkeit.