Die Sache mit der Blauäugigkeit

Er hatte gewiss die besten Absichten, als es im November hieß: „Zurück nach Siegen...“ Eigentlich aber war schon zu diesem Zeitpunkt klar, dass Michael Boris ein sinkendes Schiff betreten hatte. Denn den Abstieg hatte irgendwie schon jeder auf dem Zettel. Und Versprechungen machen? Wer von den Verantwortlichen bei Sportfreunde Siegen sollte dazu ernsthaft in der Lage gewesen sein? Ein Uli Steiner etwa, der nach dem Abstieg seine „Mission“ als „erfüllt“ ansah und seinen Posten räumte? Oder ein Reiner Jakobs, der rein vom Sachverstand her eigentlich den größten Überblick über sportlich bzw. finanziell Machbares hätte haben müssen?

Kaum.

Insofern wäre Michael Boris blauäugig gewesen, hätte er auf solche Versprechungen etwas gegeben. Und dieser Fußballlehrer ist alles, aber nicht blauäugig. Er wurde vielmehr gelockt mit einer schönen Stange Geld, die Sponsoren sogar noch etwas großzügiger gestalteten, als sie bei seinem Abgang ein Jahr zuvor schon war. Eine Perspektive, die langfrstig einen Drittliga-Aufstieg in Aussicht stellte, konnte dieser Trainer mit diesem Vorstand nicht ernsthaft in Erwägung ziehen.

Umso erstaunlicher sein Versprechen, auch in der Oberliga für Sportfreunde Siegen zur Verfügung zu stehen. Auch daran halten konnten sich nur Blauäugige. Und selbst in Siegen - und speziell in diesem Verein - gibt es davon nicht viele. Insofern hatte man sich in Vorstandskreisen schon Gedanken gemacht, den die mit „Plan B“ tituliert haben. Was immer dabei heraus kommen wird, es wird im Rahmen dessen sein, was finanziell überschaubar ist.

Insofern ist eigentlich niemand böse, dass sich die „Personalie Boris“ in Luft aufgelöst hat. „Möge er in Uerdingen glücklich werden“, rufen ihm einige hinterher. hgm