Die Kleinste ist die Größte

Silvia Wentzel durfte nach ihrer gelungenen Bodenkür strahlen.
Silvia Wentzel durfte nach ihrer gelungenen Bodenkür strahlen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Silvia Wentzell, geborene Schneider, stammt aus Siegen, wohnt inzwischen im Taunus, kehrt aber immer wieder gerne in ihre Heimat zurück. Der Turn-Floh gewann im Alter von 38 Jahren am Samstag den NRW-Titel in der hochklassigsten Kategorie.

Siegen..  Mit diesem Sieg hatte Silvia Wentzell nicht gerechnet. „Ich war nämlich noch ein bisschen müde, weil ich am Freitag noch Umzugskisten schleppen musste“, erzählt die 38-Jährige kurz nach ihrem erfolgreichen Wettkampf um die NRW-Meisterschaft im Gerätturnen in derf Meisterklasse 16 Jahre und älter in der Rundturnhalle in Niederschelden. Dann kam noch hinzu, dass das Einturnen bereits um 8 Uhr begann. „Ziemlich früh“, wie die gebürtige Siegenerin befand. Beginn des Kür-Vierkampfes war nämlich schon um kurz nach 9 Uhr.

Start eine Herzensangelegenheit

Aber diese widrigen Umstände hatten Silvia Wentzell, geborene Schneider, nicht davon abhalten können, in Siegen zu starten. Es war ihr vielmehr eine Herzensangelegenheit. Denn Siegen ist ihre Heimatstadt, der VTB ihr Stammverein, bei dem sie das Turnen gelernt hat. „Wenn dann ein Landesturnfest in Siegen ist, muss ich doch dabei sein. Ich will mit diesem Start auch meinem Verein, dem ich sehr viel zu verdanken habe, etwas zurückgeben. Ich sehe mich in einer Bringschuld.“ Auch ihr langjähriger Trainer durfte sich geschmeichelt fühlen. Gerd Peter trainierte und betreute Silvia Wentzell seit vielen Jahren und ist immer mit dabei, wenn sie in der Bundesliga für Dortmund und bei anderen Wettkämpfen immer noch für die VTB Siegen startet.

Es ist erstaunlich, welch gute Figur die Gymnasiallehrerin in Königstein (Taunus) bis heute immer noch abgibt. Mit ihren 38 Jahren war sie auch beim Wettkampf in Siegen die mit Abstand älteste Turnerin – aber auch die Beste. „Silvia trainiert wie eine Bekloppte – im positiven Sinne. Für mich ist und bleibt sie ein Phänomen“, lobt Peter das Stehvermögen seines Schützlings, der in der Rundturnhalle einmal mehr seine Allroundfähigkeiten unter Beweis stellte und sich keinen schweren Patzer leistete. Die mehrfache deutsche Hochschulmeisterin und zigfache Westfalenmeisterin zeigte einen soliden Wettkampf. Den Schwebebalken musste sie kurz dem Ende ihrer Darbietung verlassen. „Das freie Rad hat nicht geklappt“, sagte Silvia Wentzell, konnte aber gleich wieder lächeln, legte eine nahezu perfekte Bodenübung hin und wurde bei der Siegerehrung dann als Erste für Rang eins aufgerufen.

„Es war gigantisch gut“, bilanzierte Wentzell einen trotz des stressigen Morgens tollen Tag, auch wenn die erreichte Punktzahl nicht reicht, um an den Deutschen Meisterschaften teilzunehmen, die in diesem Jahr vor ihrer Haustür, nämlich in Gießen, stattfinden. Silvia Wentzell kann’s verschmerzen: „Für den ganz großen Turnsport bin ich sowieso ein bisschen zu klein geblieben“...