Der TuS und das liebe Geld

Ferndorfs Trainer Erik Wudtke: „Die 2. Liga ist ein Pleite-Liga.“
Ferndorfs Trainer Erik Wudtke: „Die 2. Liga ist ein Pleite-Liga.“
Foto: Rene Traut

Ferndorf..  Die Handball-Welt des TuS Ferndorf ist zwar nicht ins Wanken geraten, aber sie steht auf unsicheren Beinen. Das ist nichts Neues. Einen Etat für die zweite Bundesliga zu stemmen, ist kein einfaches Unterangen. Und aus diesem Grund zieht der designierte Drittliga-Meister mit der Sammelbüchse durchs Land.

„Wir haben mit unseren Sponsoren positive Gespräche geführt, auch von pontenziellen neuen Geldgebern Zeichen erhalten. Aber Wasserstands-Meldungen werde ich nicht abgeben.“ Dirk Stenger, einer von zwei Geschäftsführern der Handball-GmbH des TuS, hat mit seinen Kollegen einen Etat für die zweite Bundesliga jenseits der 500 000 Euro ausgerechnet.

Stichtag 15. April

Um sicher zu gehen, dass diese Zahlen für das zweite Abenteuer im Unterhaus des deutschen Profi-Handballs nach 2012 auch ausreicht, ist der TuS noch aktiv in Sachen Akquise von 75 000 Euro. Fakt ist: Bis zum 15. April muss der Verein die verbindliche Zusage für eine Liga-Zugehörigkeit abgeben, bis zum 30. April will die Handball-Bundesliga (HBL) die Lizenzierungs-Unterlagen auf dem Tisch haben.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist am Mittwoch-Vormittag im Bergischen Land unternommen worden: Die Kooperations-Vereinbarung mit Bundesliga-Dino VfL Gummersbach ist unter Dach und Dach. Der VfL wird Spieler aus seinen Reihen, die den Sprung in die Bundesliga-Mannschaft noch nicht geschafft haben, mit Zweitspielrecht für den TuS Ferndorf ausstatten.

Ein Hoffnungsschimmer am Horizont, denn der Aderlass, der sich durch die Abgänge der Breuer-Brüder Simon und David, Bennet Johnen, Niklas Weis, Heider Thomas und - aktuell - Moritz Barkow dokumentiert, muss schnellstmöglich gestoppt, durch „frisches Blut“ aufgefangen werden. Zwei Neuzugänge habe man, so Stenger, „unterschriftsreif“, weitere sollen folgen.

Panik also sieht anders aus, auch wenn ein so großer personeller Umbruch nicht unbedingt im Sinne von Trainer Erik Wudtke ist. Der musste bereits vor der laufenden Spielzeit sieben Abgänge auffangen, eine neues Gebilde formen. 23 Siege in Folge und die bevorstehende Meisterschaft beweisen, wie gut ihm das gelungen ist.

Doch ist natürlich eine Team-Zusammenstellung für die zweite Liga eine andere Hausnummer als die Vorbereitung einer Drittliga-Saison. Und das bringt den Trainer zu grundsätzlichen Systemproblemen, mit denen Aufsteiger ins Profilager zu kämpfen haben. „Alle Aufsteiger - Ausnahmen wie der SC DHfK Leipzig oder der HSC Coburg bestätigen die Regel - sind von vornherein Abstiegskandidaten. Da die das von vornherein wissen, wagen sie den Sprung erst gar nicht.“ In der Südstaffel haben Tabellenführer SG Leutershausen und Verfolger SC Nußloch bereits abgewunken. „Die Vereine haben einfach keine Gelegenheit, sich in der Liga zu etableren“, so Wudtke.

Auch der TuS Ferndorf hat das alles schon einmal erlebt. Nach der ersten Drittliga-Meisterschaft 2011 verzichtete er auf den Aufstieg, 2013 stieg er nach einem Jahr wieder ab. Wudtke: „Du wirst ganz einfach zu einer Fahrstuhl-Mannschaft.“

Pleite-Liga

Wie Wudtke und Stenger sehen auch Verantwortliche anderer Vereine, die für einen Zweitliga-Aufstieg das liebe Geld zusammenkratzen müssen, das Problem in der Eingleisigkeit der zweiten Bundesliga. Die wird in der kommenden Saison mit 21 Mannschaften - statt bisher mit 20 - bestückt sein. Am Ende müssen fünf Mannschaften absteigen, wenn sie denn überhaupt bis zum Ende durchhalten.

„Eine Neu-Ausrichtung hin zu einer Nord- und einer Südstaffel wäre sinnvoll“, sähe es nicht nur Dirk Stenger lieber, wenn die HBL in dieser Hinsicht einen Gang zurückschalten würde.

In dieser Beschaffenheit ist die zweite Bundesliga also als echtes Abenteuer, das an den Grundfesten der Vereine rüttelt. Erik Wudtke wird noch deutlicher: „Diese Liga ist eine Pleiteliga.“ Aktuell belegt das Beispiel von Eintracht Baunatal diese These: Der Tabellenletzte der Liga hat schon im Dezember geäußert, keine Lizenz mehr zu beantragen. „Und TUSEM Essen“, weiß der Ferndorfer Trainer, „kämpft ums Überleben.“

Der TuS Ferndorf will diese Risiken trotz allem eingehen. „Das haben wir ganz klar so geäußert“, so Stenger. Die Zeit drängt, die Mannschaft fällt auseinander. Es gibt also eine Menge Baustellen.

Auch Moritz Barkow geht

Die nächste Hiobsbotschaft, die die Handballer des TuS Ferndorf schlucken muss: Auch Moritz Barkow wird den Tabellenführer und designierten Drittliga-Meister nach der Saison verlassen. Der Kreisläufer hat beim souveränen Spitzenreiter der Nordstaffel und schon als Zweitliga-Aufsteiger feststehenden SV Wilhelmshaven einen Drei-Jahresvertrag unterschrieben.

Nach Simon und David Breuer, Bennet Johnen, Heider Thomas und Niklas Weis ist Barkow bereits der sechste Stammspieler, der die Siegerländer verlässt.

Schon vor dieser Saison hatte Trainer Erik Wudtke nach sieben Abgängen einen personellen Umbruch verkraften müssen. Nach zwei Niederlagen zu Saisonbeginn und den folgenden 23 Siegen in Serie ist der als gelungen zu bezeichnen. Ob das aber noch mal gelingt, zumal das ja in der 2. Liga vonstatten gehen soll, bleibt abzuwarten.