Der „Tennis-Baron“, dem Hitler zürnte

Der neue Tennisverein in Erndtebrück sollte nach Wunsch seiner Gründer den Jugendlichen ein Beispiel geben – möglichst schon im Namen. „Mit Rot-Weiß kommt man da nicht weit“, begründete Otto Prinz zu Sayn-Wittgenstein Berleburg, der gemeinsam mit Paul Weber den TC Gottfried von Cramm Erndtebrück aus der Taufe gehoben hat, weshalb er den Onkel seiner Frau Annette, geborene Freiin von Cramm, in den Vereinsnamen aufnahm.

Obwohl die Erndtebrücker den Freiherrn als einziger Verein in Deutschland im Namen führen, ist es mehr als eine familiäre Eitelkeit. Gottfried von Cramm war lange Zeit der größte aller deutschen Tennisspieler, gewann zweimal die French Open und stand von 135 bis 1937 – jeweils als Verlierer – im Finale von Wimbledon.

Das allein erklärt nicht, warum von Cramm populärster Spieler seiner Zeit war. Neben seinem eleganten Spiel und Auftreten war der „Tennis-Baron“ für Fairness berühmt. Falsche Schiedsrichterentscheidungen ließ er zu seinen Ungunsten korrigieren – auch in entscheidenden Situationen. „Das hat ihm nach einem verlorenen Davis-Cup-Spiel gegen England den Zorn von Hitler eingebracht“, erinnert sich Prinz Otto. Von Cramm lag als liberaler Sportsmann, der gegen die Verbannung des jüdischen Spielers Daniell Premm aus dem deutschen Team protestiert hatte, aber ohnehin mit dem Regime über Kreuz und wurde bis 1945 aus dem Verkehr gezogen.

Viel sagt eine Anekdote vom Wimbledon-Finale 1936 über von Cramm aus, der nach nur einer halben Stunde verlor. Über den Stuhlschiedsrichter ließ er bekanntgeben, dass „Mister von Cramm sich für seine schlechte Leistung beim Publikum entschuldigt“. Dass ihn eine Verletzung am rechten Oberschenkel hinderte, er aber nicht aufgeben wollte, verschwieg er.

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