„Der Sportplatz ist keine Wellness-Oase“

Bad Laasphe..  Es ist Sonntagmittag gegen 12 Uhr. Bis zum Anpfiff des Spiels in der Kreisliga A des Fußballkreises Olpe hat Hans Wick, der als Schiri für den FC Laasphe unterwegs ist, noch ein wenig Zeit. Seine Sporttasche steht schon seit dem Vormittag gepackt im Hausflur. Alles läuft ab wie in den Jahrzehnten zuvor.

Routinierte Verabschiedung

Nach dreißigjähriger Tätigkeit als Referee und an der Linie fällt auch die Verabschiedung von Ehefrau Magdalene routiniert aus. „Sei nicht so streng mit den Spielern“, gibt sie ihm mit auf den Weg. Und: „Komm gesund wieder!“ Und das nicht ohne Grund. Obwohl es in der Laufbahn ihres Mannes nie zu irgendwelchen Ausschreitungen gegen seine Person kam, gleicht das Leben eines Schiedsrichters in den unteren Ligen selten einem Ferienaufenthalt auf dem Ponyhof.

Dort, wo der Sandplatz bis tief in den Winter hinein staubt, die Seitenlinien nicht selten einem Slalom-Parcours gleichen und ein aufgerissenes Knie gerne mal mit Eisspray behandelt wird, muss man sich durchzusetzen wissen. Im November 2014 pfiff Hans Wick sein letztes Spiel. Für das Ende seiner Tätigkeit verantwortlich waren aber nicht Pöbeleien, Beleidigungen oder Anfeindungen, sondern gesundheitliche Probleme, die ihn zwangen, die Pfeife an den Nagel zu hängen: „Mir war von Anfang an klar, dass der Sportplatz für Schiedsrichter keine Wellness-Oase ist. Trotzdem war es für mich immer ein schönes Hobby. Besonders gern erinnere ich mich an die gemeinsame Zeit als eingespieltes „Gespann“ mit Hans Penzin und Gerd Schneider“. Gemeinsam mit seinen Freunden stand er unter anderem beim Spiel Spartak Moskau gegen einen verstärkten SV Netphen und beim Spiel Sparta Prag gegen die Sportfreunde Siegen als Linienrichter auf dem Platz, lernte bei einem weiteren Einsatz Karl-Heinz Rummenigge als Spieler von Teutonia Lippstadt kennen.

Vater war Vereinswirt

Seine sportliche Heimat hatte der heute in Feudingen lebende Hans Wick als Jugendspieler zunächst beim FV Niederlaasphe, ehe er im Jahr 1958 zum FC Laasphe wechselte. Der Grund dafür lag im Beruf des Vaters: Der Inhaber des Bahnhofhotels Wick war nämlich Vereinswirt der Rot-Weißen und wurde von FC-Jugendtrainer Kunze vehement darauf hingewiesen, dass es ein absolutes Unding sei, dass Sohn Hans im Nachbardorf bei den Schwarz-Gelben aktiv wäre.

Das sollte sich dann auch schnell ändern. Seit 1958 ist Hans Wick Mitglied des FC Laasphe, ging in der 1. und 2. Kreisklasse für die Lahnstädter auf Punktejagd. Da seinem Verein die Schiris ausgingen, entschloss er sich im Alter von 40 Jahren einen Schiedsrichter-Lehrgang zu besuchen und diese durchaus aufregende Tätigkeit zu seinem neuen Hobby zu machen.

Er pfiff schnell C-, B- und A-Klasse, assistierte bei Landesliga-Spielen sogar bis hoch hinein ins Ruhrgebiet. Für seinen ersten Einsatz Ende 84 erhielt er 12 DM als Aufwandsentschädigung. Später gab es 15 bzw. 20 DM und Erstattung der Fahrkosten.

„Ich bereue keine Schiedsrichteransetzung der letzten 30 Jahre. Es spielte dabei überhaupt keine Rolle, in welcher Klasse ich als Schiri oder Linienrichter unterwegs war. Meine Überzeugung war immer, dass auch Spiele der untersten Klassen ein Anrecht darauf haben, von einem Schiedsrichter gepfiffen zu werden, der die Sache ernst nimmt.“

Geblieben ist in all den Jahren seine Zuneigung für den Hamburger Sportverein. Und das trotz schwieriger Zeiten, wie er uns zum Abschluss unseres Gespräches erzählt. Im Rahmen der letzten Jahreshauptversammlung des FC Laasphe wurde der langjährige Unparteiische für seine engagierte Tätigkeit mit der „Goldenen Pfeife“ ausgezeichnet.