Der richtige Kick für Nils Fischer

Im Sparring: Nils Fischer (rechts) und Dennis Dücker
Im Sparring: Nils Fischer (rechts) und Dennis Dücker
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Am Samstag beginnt in der König-Pilsener-Arena in Oberhausen Deutschlands größte Turnierserie im Mixed Martial Arts (MMA), einer harten Vollkontakt-Variante, bei der im Profibereich fast alles erlaubt ist. Das Fight Center Siegen ist mit einem Quintett vertreten, darunter der 18-jährige Freudenberger Nils Fischer, der mit einem Sieg seinem Traum, eine Profi-Karriere im MMA einzuschlagen, ein Stück näher kommen will.

Siegen..  Er ist erst 18 Jahre alt, misst stolze 1,88 Meter und bringt 77 Kilogramm auf die Waage. Kein Gramm Fett zeichnet sich in seinem hauteng-knallroten Dress ab. Vielmehr ist der Körper durch ungezählte Trainingseinheiten gestählt, denn er ist in gewisser Weise das Kapital von Nils Fischer. Der Freudenberger ist nämlich vom Kampfsport, genauer gesagt vom Modern Martial Arts, so besessen, dass er unbedingt Profi werden will. Samstag könnte auf diesem Weg ein wichtiger Meilenstein sein, denn der Abiturient wird in der Arena Oberhausen kämpfen. Fischer ist einer von sechs Athleten aus dem Fight Center Siegen, die bei Deutschlands größter Mixed Martial Arts-Serie im Rampenlicht stehen werden.

Nils Fischer ist eines der größten Talente von Mohammad Talaei, Inhaber des Fight Centers. Der ehemalige Ringer und MMA-Kämpfer trainiert die Jungs und hat sie akribisch auf diesen Höhepunkt vorbereitet.

Nils Fischer ist erst seit zwei Jahren dabei. „Als kleines Kind habe ich Judo gemacht, aber dann hat mich mein Cousin mit ins Fight Center genommen“, erzählt Nils, der sofort im wahren Wortsinn Blut leckte und seitdem fast jeden Tag trainiert. Auf 12 bis 14 Stunden in der Woche summiert sich sein Trainingspensum. Jetzt, vor dem Kampf in Oberhausen, wurde das Programm herunter gefahren, um perfekt vorbereitet zu sein. Für Nils ist dies keine neue Erfahrung, denn er hat bereits zwei MMA-Kämpfe - ein Sieg, eine Niederlage - bestritten.

„Oberhausen wird was besonderes“, glaubt der Freudenberger, der es im Weltergewicht (70,1 bis 77 kg) mit dem zwölf Jahre älteren Schweizer David Mascatelli zu tun bekommt und dem Kampf entgegen fiebert: „Es ist ein geniales Gefühl, wenn mehrere tausend Zuschauer in der Halle sind, beim Einlaufen deine Musik eingespielt wird und die Spots auf dich gerichtet sind.“

Dieses Vorgeplänkel ist aber schnell vergessen, denn auf der Matte sind die Kämpfer auf sich alleine gestellt, gilt es, sich die Kräfte geschickt einzuteilen, mit technischen und taktischen Finessen den Gegner auf’s Kreuz zu legen und seine Kondition in die Waagschale zu werfen. 3x5 Minuten Kampfzeit – in diesen 15 Minuten wird ständig geschoben, gerungen, geschlagen und gekickt mit dem Ziel, den Gegner in den Bodenkampf zu verwickeln. Wer seine Körner da zu schnell verbraucht, hat schlechte Karten.

Fischer jedenfalls hofft, am Samstag ein Ass aus dem Ärmel zu schütteln, sich vor großer Kulisse und Scouts der MMA-Szene in Bestform präsentieren und vor allem mit seinen starken Beinkicks überzeugen zu können. Die Angst vor dem Verlieren ist bei ihm stärker ausgeprägt als die vor einer Verletzung. Denn der 18-Jährige hat ein klares Ziel vor Augen: „Ich will Profi werden und mit diesem Sport mein Geld verdienen, auch wenn ich dafür die ganze Welt bereisen muss!“

Diesem Ziel ordnet er alles unter. Feiern und Alkohol sind tabu, Sport und (noch) Schule bestimmen den Tag. Das Abi will er auf jeden Fall packen. Ein guter Schulabschluss würde ihm den Start in eine Profi-Karriere erleichtern, wenngleich Coach Talaei seinem Schützling auch so den großen Wurf zutraut: „Ich weiß, dass er es schafft, weil er es will.“ Dieses Durchhaltevermögen und diese Disziplin wird Nils Fischer auch am Samstag benötigen.