Der aalglatte Typ aus Brilon

Martin Harnik, Stürmer von Hannover 96 und österreichischer Nationalspieler, sagte in einem Interview des Fußballmagazins
„11 Freunde“: „Auf der einen Seite kommt alle paar Monate wieder die Debatte „Typen“ auf den Tisch, dass es keine Typen à la Effenberg mehr gibt. Auf der anderen Seite muss jeder Profi aber aalglatt sein und darf keine Fehler haben.“ Nun hat Martin Harnik vor allem in sechs Jahren VfB Stuttgart viel erlebt, was nach „Typen“ rief. Der Abstiegskampf erzeugt nunmal Angst. Und wer Angst hat, sucht nach Sicherheit, nach einer breiten Schulter eines „Typen“, der mit der beruhigenden Stimme eines Michael Caine sagt: „Ich gehe vorweg. Alles wird gut.“

Vor allem aber ist Abstiegskampf Existenzangst und man tut unsportliche Dinge, für die man sich vielleicht bis ans Lebensende schämt. Abstiegskampf ist wie das drohende Ende einer Beziehung. Die Vorstellung des möglichen Verlustes streicht jede Form von Rationalität und lässt das Falsche im Menschen gedeihen. Es wird betrogen und belogen.

Der SV Brilon befindet sich mit sechs Punkten mitten im Abstiegskampf der Bezirksliga. Gegen die Sportfreunde Birkelbach fiel in der 30. Minute der so wichtige Führungstreffer. Doch ein Betreuer des SV – an diesem Tag Linienrichter – gestand ein, dass der Ball vorher im Seitenaus war. Brilon verlor das Spiel am Ende 0:5. Wenn das Martin Harnik gesehen hätte, würde er voller Respekt von einem echten „Typen“ sprechen. Und er müsste sich eingestehen: auch die können aalglatt sein.