Darren Hillier von Null auf Hundert

Darren Hillier
Darren Hillier
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Was wir bereits wissen
Der Golflehrer aus Erndtebrück gewinnt nach fast drei Jahren Pause gleich ein großes Turnier. Dabei streicht er 2000 Euro ein.

Castrop-Rauxel..  „Ja klar, Weiterüben! Und das Körpergewicht mehr auf den linken Fuß“, ruft Darren Hillier über den Golfplatz in Sassenhausen. Mit Inbrunst, denn der Wind bläst ordentlich. Für seine Gruppe fortgeschrittener Jugendlicher steht das Chippen, also der Annäherungsschlag an die Fahne, auf dem Programm.

Der Golflehrer aus Erndtebrück, der seit fünf Jahren den Wittgensteinern das Spielen auf dem Platz des Golfclubs Wittgenstein beibringt, will in den nächsten Jahren weniger Gruppen in den Feinheiten des Golfschwungs ausbilden. Nicht, weil es Darren Hillier keinen Spaß macht, sondern weil er selbst mehr Turniere spielen möchte – als Profi. Einen ersten Schritt in diese Richtung machte der Erndtebrücker am Dienstag, als er mit deutlichem Vorsprung das Auftakt-Turnier der H&H Golf PGA Series gewann – und damit ein stattliches Preisgeld von 2000 Euro.

Fünf Kontinente vertreten

PGA steht für Professionals Golfer Association. Ein Blick auf die Teilnehmerliste zeigt, dass tatsächlich keine Anfänger am Start waren: Amerikaner, Briten, Australier, Südafrikaner und ein Argentinier tummelten sich auf dem Grün in der Frohlinde, das zu den drei schwierigsten Plätzen in NRW gezählt wird. „Die Champions League war es nicht“, sagt Hillier zur Frage nach der Einordnung der Veranstaltung und erklärt: „Es waren überwiegend professionelle Golflehrer dabei.“ Einige Berufsspieler und Ex-Berufsspieler jedoch auch.

Für Hillier war es ein Start von null auf hundert, denn in der deutschen Rangliste sucht man ihn vergeblich. „Weil ich seit fast drei Jahren gar kein Turnier gespielt habe“, erklärt der 28-Jährige: „Dass es dann jetzt gleich so geklappt hat, war natürlich ein Traum.“

Apropos Traum: Als Jugendlicher hatte Darren Hillier das Ziel, Berufsspieler zu werden und gewann über 40 Turniere als Amateur. Dafür, als Profi zu starten, fehlte aber das Geld. „Um in der Drittklassigkeit zu starten, braucht man schon 50 000 Euro Kapital. Das hatte ich nicht, Sponsoren auch nicht“, erinnert sich Hillier, der von seinem Papa – wie der Bruder ebenfalls Golflehrer – den Rat bekam, zunächst eine Ausbildung zu machen. Den befolgte Darren Hillier, wurde Golflehrer und konzentrierte sich in den vergangenen fünf Jahren voll darauf, die Schule in Sassenhausen aufzubauen. Mittlerweile haben die Brüder expandiert und betreiben auch eine Zweigstelle in Winterberg.

28 ist im Golf kein Alter

Weil der Laden läuft, beschloss Darren Hillier, wieder Turniere zu spielen – den Traum vom Profitum hat er nämlich noch nicht begraben. „Ich mache das jetzt erst Mal im kleineren Sinne. Vielleicht kann ich in zwei, drei Jahren bei den Profis mitspielen.“ Vom Alter her wäre es – anders als in anderen Sportarten – kein Problem. Mit 28 Jahren ist Hillier jünger als viele Größen der Szene. „Was ich jetzt brauche, ist viel Turniererfahrung“, sagt der gebürtige Düsseldorfer. Bei der Technik sieht er nicht mehr viel Luft nach oben: „Die ist grundsolide.“

Dies stellte Hillier bei seinem Turniersieg am Montag und Dienstag eindrucksvoll unter Beweis. Unter 76 Teilnehmern zählte er zu den drei Spielern, die das Turnier nach zwei Runden unter Par, also unter dem Platz-Standard spielten. Statt 144 Schlägen benötigte der Erndtebrücker nur 138. Vier weniger als der beste Verfolger.

Acht Birdies, ein Eagle

Dank präzisem Spiel schaffte es Hillier als Einziger, sich nicht einmal im Rough zu verirren – so nennen die Golfer das hohe Gras außerhalb der Spielbahn. Und das, obwohl die Bahnen in Castrop-Rauxel sehr schmal sind. Weil auch beim Putten in Lochnähe wenig Fehler passierten, wies Darren Hillier gleich acht Birdies (einen unter Par) sowie einen Eagle (zwei Schläge unter Par) auf. Bei den beiden weiteren Turnieren der Serie will Hillier seinen Vorsprung verteidigen. Auch die Deutsche Meisterschaft im August hat er im Visier. Vielleicht gucken dann auch einige seiner Schüler zu, um zu sehen, wie das mit Chippen funktioniert.